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Digitaler Wandel: SWMH-Chef Wegner kündigt 100-Mio.-Investitionen und Stellenabbau an

SWMH-Chef Christian Wegner
SWMH-Chef Christian Wegner Foto: SWMH

Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) geht den digitalen Wandel an und möchte in den nächsten zwei Jahren über 100 Millionen Euro investieren. Der Umsatz mit digitalen Produkten soll stark gesteigert werden. Gleichzeitig wird es bis Ende 2020 zu einem Stellenabbau kommen, von rund 150 Jobs ist die Rede.

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Die SWMH, zu der unter anderem die überregionale “Süddeutsche Zeitung” und Regionalzeitungen wie die “Stuttgarter Nachrichten” zählen, hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Mittwoch auf zwei Treffen in Stuttgart und München auf massive Veränderungen eingestellt. Zum einen kündigte der Chef Christian Wegner an, dass für den digitalen Wandel innerhalb der nächsten zwei Jahre mehr als 100 Millionen Euro investiert werden sollen. Dies passiere vor dem Hintergrund rückläufiger Printauflagen und Einbrüche im Werbemarkt, wie es in einer Mitteilung dazu heißt.

Zum anderen muss sich die Belegschaft auf einen Stellenabbau vorbereiten. Das “Handelsblatt” berichtet von rund 150 Jobs, die bis Ende 2020 wegfallen dürften. Demnach handelt es sich um 30 Stellen in der Stuttgarter Holding, im Süddeutschen Verlag und in einer Unterholding für die baden-württembergischen Blätter sind es wohl je mehr als 50. Grund für die Kürzungen seien Dopplungen oder Automatismen, erklärte SWMH-Manager Wegner. Daher müsse die Effizienz durch bessere Verzahnung gesteigert werden.

Die SWMH gehe aber davon aus, den Stellenabbau “überwiegend sozialverträglich umsetzen zu können”. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 5500 Mitarbeiter.

Ziel bis 2022: 33 Prozent des Umsatzes aus digitalen Projekten

“Wir wollen mit allen Verlagen weiterhin Top-Journalismus anbieten und im deutschsprachigen Raum Abo-Marktführer für Qualitätsmedien und Fachinformationen werden. Zugleich investieren wir in passende Wachstumsfelder, um unabhängiger von den sinkenden Werbeeinnahmen zu werden. Wir wollen in der Gruppe stärker miteinander kooperieren und unsere Arbeitsabläufe und Effizienz kontinuierlich verbessern”, erläuterte Wegner die neue Strategie. Er ist seit Mitte 2018 SWMH-Chef.

Dafür fließen mehr als 100 Millionen Euro in digitale Projekte. Die Abonnentenzahl von Apps und ähnlichen Angeboten soll sich von 100.000 auf 500.000 verfünffachen, berichtet das “Handelsblatt” und zitiert Wegner mit folgenden Worten: “Das ist ein ambitioniertes Ziel. Wenn man es richtig angeht, kann man auch im Digitalen stark wachsen.” Im Fokus soll dabei die “SZ” stehen, bei der allein das Plus-Angebot im kommenden Jahr von 80.000 auf 150.000 Abonnenten zulegen soll. Bis 2022 solle knapp ein Drittel des gesamten Umsatzes aus Digitalprodukten generiert werden – aktuell sind es lediglich sieben Prozent.

Zukunft von Julia Bönisch weiter ungewiss
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In der Mitteilung heißt es zudem, die Verzahnung von Print- und Digitalredaktionen werde weiter gefördert. “Einzelne Redaktionseinheiten, das Produktmanagement sowie Service-Einheiten will die SWMH schrittweise zusammenführen”, so die Strategie. Zusätzlich sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für digitalbezogene Themen qualifiziert werden. In diesem Bereich sei der Aufbau von Arbeitsplätzen geplant.

Wegner, ehemaliger Digitalvorstand bei ProSiebenSat.1, möchte zudem wachstumsstarke Firmen erwerben. “Wir haben in unseren Regionen starke Marken und ein zahlungskräftiges Publikum. Dazu passend schauen wir uns bei Themenfeldern wie Bildung, Gesundheit oder Blockchain um. Eine Dating-Firma kaufen wir nicht.” Eine große Nähe zu den Verlagsinhalten sei Grundvoraussetzung. Der gewünschte Umsatzbeitrag der “skalierbaren Wachstumsgeschäfte” soll bei 10 bis 30 Prozent liegen.

Ob die Umsetzung der Digitalstrategie mit der Digitalchefin Julia Bönisch stattfindet, ist angesichts der Verwerfungen mit den “SZ”-Chefredakteuren Kurt Kister und Wolfgang Krach weiter offen. Bereits Ende September hatte der Medienjournalist Kai-Hinrich Renner berichtet, dass sie offenbar schon bald ihren Job verlieren könnte. Seit etwa acht Wochen habe sich Bönisch nicht mehr in der Redaktion blicken lassen. Ihre Aufgaben haben inzwischen kommissarisch andere Redakteure übernommen (MEEDIA berichtete).

Die SWMH ist nicht der erste Verlag in jüngster Zeit, der grundlegende Veränderungen bekannt gegeben hat. Bereits vorige Woche hatte Axel Springer die eigene Belegschaft über radikale Umbaupläne informiert. Demnach sind im Bereich News Media National Einsparungen in Höhe von 50 Millionen Euro geplant. Die Redaktionen von “Bild” und “BamS” rücken zusammen, die “Welt Kompakt” und die Hamburg-Ausgabe der “Welt” werden eingestellt. Gleichzeitig sollen über 100 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren investiert werden. “Bild” soll der Strategie zufolge zur einer Live-Plattform für News, Entertainment und Sport werden und als “Deutschlands größte Medienmarke” auch auf TV-Bildschirme gebracht werden.

tb

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