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Die Sache mit dem Glashaus – Ein Kommentar von MEEDIA-Verleger Timo Busch

MEEDIA-Verleger Timo Busch
MEEDIA-Verleger Timo Busch

Am 04. Oktober erschien in der Reihe "Werteorientierte Digitalisierung" ein Beitrag von Anne-Bärbel Köhle über die angebliche Verrohung der Sitten unserer Branche. Warum die Veröffentlichung ein Fehler war und wir den Beitrag offline genommen haben, erklärt MEEDIA-Verleger Timo Busch.

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Zugegeben, auch ich schaffe es nicht, jeden unserer Artikel zu lesen. Denn an jedem Werktag veröffentlichen wir bis zu fünfzig Beiträge in unseren Medien (neben MEEDIA gehören auch Blickpunkt:Film, GamesMarkt und MusikWoche dazu).

So auch in diesem Fall: Am 04. Oktober 2019 erschien auf MEEDIA aus der Reihe „Werteorientierte Digitalisierung“, die unter der Herausgeberschaft der Hamburg Media School publiziert wird, ein Beitrag von Anne-Bärbel Köhle. Die Autorin ist Chefredakteurin des “Diabetes Ratgebers” aus dem Wort & Bild Verlag und nach eigenen Angaben älteste Fellow des Digital Journalism Fellowship der Hamburg Media School. Frau Köhle berichtet in ihrem Text ausführlich über verschiedene persönliche Erlebnisse, aus denen sie eine Verrohung der Sitten der Branche ableitet, aber auch über positive Erfahrungen im Austausch mit anderen Redaktionen und Verlagen im Rahmen des Fellowship-Programms. Sie schließt mit den versöhnlichen Worten: „Aber bei all dem, was unser ohnehin kompetitiver Job mit sich bringt, sollten wir nicht vergessen: Lasst uns dennoch anständig bleiben. Und dann zusammenarbeiten, wenn dies möglich und zuträglich ist.“

Also eigentlich ein aufmunternder Zwischenruf? So wäre es gewesen, wenn Frau Köhle den – eigentlich im Rahmen ihrer Dozententätigkeit gedachten – Beitrag nicht für eine Breitseite gegen den Wettbewerber Burda genutzt hätte. So beschreibt sie, ohne Namen zu nennen, die ihrer Meinung nach verwerflichen Praktiken Burdas im Kampf um die Vorherrschaft im Apotheken-Zeitschriftenmarkt („Kopier- und Plattmacher-Methoden“) – weil Burda Konzepte des Marktführers kopiere und ein Formular zum Abbestellen der „Apotheken Umschau“ an die potentiellen Kunden versandt habe. Und stellt das angebliche Verhalten der Konkurrenz in den Kontext von auf Messen „herumspionierenden chinesischen Technologiekonzernen“ und einer „rechtsnationale(n) Partei“. Solch ein Verhalten hätte sie nicht einmal ihren Söhnen durchgehen lassen: „Das. Geht. Gar. Nicht.“

Man kann ja über aggressives Vertriebsmarketing denken, was man will. Unlautere Methoden sehen aber wohl anders aus. Was die ganze Angelegenheit aber brisant macht: Hier schreibt nicht eine journalistische Beobachterin über die Marktteilnehmer, sondern eine Betroffene über die Konkurrenz!

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Sich über die Verrohung der Sitten aufzuregen und gleichzeitig durch die Hintertür einer Essay-Reihe der Hamburg Media School unsere Plattform für die Auseinandersetzung mit dem Wettbewerber zu nutzen, erscheint nicht wirklich werteorientiert. In jedem Fall ist es etwas, was wir bei MEEDIA nicht akzeptieren können und werden. Als unabhängiges Fachmedium bieten wir den Machern der Branche – etwa in Interviews – eine Bühne, um ihre Überzeugungen zu begründen. Und auf unseren Anzeigenplätzen kann auch der härteste Wettbewerb mit offenem Visier ausgetragen werden. Aber wir bieten einzelnen Akteuren nicht die Plattform, unter dem Deckmantel angeblicher Empörung über die Verrohung der Sitten, der Konkurrenz eins auszuwischen.

Im redaktionellen Alltag passieren Fehler. In diesem Fall haben wir nicht richtig hingeschaut und nicht verstanden, wer uns da für seine Zwecke benutzt. Das müssen wir künftig besser machen!

Den Beitrag haben wir offline genommen.

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