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Markenverantwortliche statt Chefredakteure: Condé Nast verpasst sich neue Struktur und streicht Stellen

Jessica Peppel-Schulz
Jessica Peppel-Schulz Foto: Condé Nast/Gert Krautbauer

Der Münchener Magazin-Verlag Condé Nast stellt sich organisatorisch neu auf und baut fünf Prozent der Belegschaft ab. Die neue Geschäftsführerin Jessica Peppel-Schulz plant zugleich, sich durch den Aufbau neuer Geschäftsfelder von der Print-Abhängigkeit zu lösen. Die Frequenzen von "GQ" und "Glamour" sollen in den nächsten beiden Jahren heruntergefahren werden. Bereits 2022 soll die Deutschland-Tochter des US-Medienkonzerns wieder in die Gewinnzone steuern.

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Jahrelang hat das Münchener Medienhaus Condé Nast mit seinen bekannten Life-Style-Zeitschriften wie “Vogue”, “GQ” und “Glamour” auf Print als einzigen Umsatzträger gesetzt. Damit macht die neue Geschäftsführerin Jessica Pappel-Schulz jetzt Schluss. Die ehemalige Chefin der Agenturgruppe UDG will sich von der Abhängigkeit vom Gedruckten lösen und stärker auf neue Geschäftsfelder setzen – unter anderem auf Consulting, Bildung und Events. Dazu gründet sie unter anderem eine Full-Service-Kreativberatung namens CNX. “Print wächst nicht mehr und Digital konnte bei Condé Nast nicht wachsen, da man in Silos und nicht vernetzt agierte. In der neuen Organisation müssen wir ein neues Mindset, eine Innovationskultur etablieren, auch in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern, um diesen Weg erfolgreich zu gestalten”, erklärt die Geschäftsführerin ihre Strategie.

Print-Anteil soll auf ein Drittel schrumpfen

Ziel sei es, dass der Anteil von Print am Gesamtumsatz in den kommenden fünf Jahren auf ein Drittel schrumpft und die neue Geschäftsfelder zwei Drittel umfassen. Die Medienmanagerin sieht ansonsten keine Chance, das Magazinhaus wieder nachhaltig profitabel zu machen. Ihr erstes Etappenziel: Bereits 2023 soll Condé Nast wieder in die Gewinnzone steuern. Aktuell schreibe die Gesellschaft Miese. Wie hoch der Verlust ausfällt, wollte sie nicht beziffern. Zuletzt wies die Bilanz der Deutschland-Tochter des gleichnamigen US-Magazinunternehmens für 2017 einen Fehlbetrag von mehr als 27 Millionen Euro aus.

Verbunden mit dem neuen Kurs ist ein völliger Umbau der Organisationsstruktur. Aus Chefredakteuren werden Markenverantwortliche, die die einzelnen Titel künftig ganzheitlich über alle Kanäle hinweg betreuen sollen. Das reicht vom Digitalgeschäft bis hin zu neuen Geschäftsfeldern – darunter Consulting für B2C- und B2B-Kunden. Damit weitet die Condé-Nast-Chefin das Arbeitsfeld der derzeitigen Chefredakteure von “Vogue”, “AD” und “Glamour” deutlich aus, die aber unverändert in der neuen Position weiter an Bord bleiben. Lediglich für “GQ” sucht Peppel-Schulz einen neuen Chef, der aber wohl von außerhalb des Unternehmens kommen soll. Hintergrund ist, dass der bisherige “GQ”-Chefredakteur Tom Junkersdorff das Unternehmen verlässt (MEEDIA berichtete). Der ehemalige Gründungschefredakteur der deutschen “People”-Ausgabe hatte es in den vergangenen zwei Jahren nicht geschafft, den Verkaufs-Niedergang der Zeitschrift im hart umkämpften Zeitschriftenmarkt zu stoppen. So sank unter seiner Ägide die Auflage des Blattes deutlich. Verkauften die Münchener von “GQ” im 2. Quartal 2017 noch 86.094 Exemplare, waren es zwei Jahre später nur noch 68.254 Stück.

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Erscheinungsfrequenzen werden zurückgefahren

Der neue Unternehmenskurs wirkt sich auch auf die Erscheinungsweise einiger Titel aus. So soll die jährliche Heftfrequenz von “GQ” und “Glamour” ab 2020 zunächst auf elf und ein Jahr später auf zehn Ausgaben pro Jahr heruntergefahren werden. Damit verringere sich auch der Arbeitsaufwand für die Chefredakteure, die sich hierdurch stärker dem Ausbau neuer Geschäftsfelder widmen können. Mit dieser Strategie nimmt Pappel-Schulz bewusst in Kauf, dass die Printauflagen des auf Lifestyle und Luxus ausgerichteten Titelportfolios weiter unter Druck geraten. Zuletzt hatte vor allem “Glamour” Condé Nast die größten Auflagenverluste bereitet. Von dem Magazin verkauften die Münchener im 2. Quartal 2019 etwas mehr als 151.000 Stück, ein Minus gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal von satten 23 Prozent. Trotz aller Maßnahmen glaubt Peppel-Schulz weiterhin auch ans Gedruckte. Sie plane nicht, reine Digital-Ausgaben zu publizieren.

Die neue strategische Ausrichtung hat personelle Einschnitte zur Folge. So will sich die Geschäftsführerin von 15 Mitarbeitern trennen. Das sind bei knapp 300 Mitarbeitern fünf Prozent der Belegschaft. Peppel-Schulz schloss dabei aus, dass es zu einer größeren Kündigungswelle kommt. Allerdings könnte es vereinzelt weitere Personalveränderungen geben, falls Mitarbeiter die neue Firmenausrichtung nicht mittragen wollen.

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