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Ein Pressesprecher als Chief Information Officer: Wie Boris Radke die Transformation bei P7S1 gestaltet

Boris Radke
Boris Radke Jana Legler, Quadriga Media Berlin

Boris Radke begleitet ProSiebenSat.1 durch die größte Transformation in der Geschichte des Medienhauses. Als Chief Information Officer soll er dafür sorgen, dass die Unternehmensteile des Konzerns enger zusammenrücken und die Mitarbeiter produktiver werden. 

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Wenn man sich den aktuellen Börsenwert von ProSiebenSat.1 anschaut, versteht man, wie Transformationsdruck aussieht. Seit Jahren befindet sich die Aktie im Sinkflug und erst in diesem Sommer sind leichte Anzeichen der Erholung erkennbar. Unternehmenschef Max Conze baut den Mediengiganten mit einem klaren Fokus auf Technik um und sieht das Konstrukt mit Medienhaus auf der einen Seite und diversen Beteiligungen an Internetfirmen wie Verivox, Flaconi oder Parship auf der anderen, ziemlich prosaisch: “Die beiden Säulen unseres Geschäfts haben viele Synergien”, sagte Conze am Rande der Dmexco in Köln Mitte September.

Eine der spannendsten Personalien in diesem Wandlungsprozess ist Boris Radke. Der 38-Jährige war früher als Eventmanager und in der Logistik unterwegs, bevor er bei Zalando Unternehmenssprecher wurde.

Inzwischen ist er Chief Information Officer (CIO) beim Medienhaus in Unterföhring und somit Teil des technischen Führungsteams von P7S1. Das überrascht, denn üblicherweise findet man auf dieser Position gestandene Techniker und keine Kommunikatoren. Radke führt den Umstand, der dazu führte, dass er heute CIO bei P7S1 ist, darauf zurück,  dass das Unternehmen mitten im Wandel ist und es auch viele strukturelle Veränderungen gibt, die es vor allem auch kommunikativ zu begleiten gilt. Im Konzern verantwortet er vor allem den Bereich B2E, also den Teil der technischen Infrastruktur und Systemlandschaft, der den Mitarbeitern helfen soll, produktiver zu werden.

IT neu denken

Tatsächlich bringt er neben seinen Kommunikationsfähigkeiten ein weiteres Talent mit, dass P7S1 gut brauchen kann: Startup-Mentalität. Das beginnt bei der Projektauswahl. Welchen Themen soll sich die IT vorrangig widmen? Für Radke ist das sonnenklar: Alles, was unmittelbar zur Wertschöpfung beiträgt und was es nicht als Standardsoftware zu haben ist. Schwerpunkt sind die Systeme, die sämtliche Content-Typen auf allen Plattformen, egal ob TV oder Apps wie Joyn verfügbar machen, sowie eine flexible Systemlandschaft um Werbeformate jeglicher Art zur Umsatzgenerierung zu schaffen.  

Auch bei den Backend-Tools schaut der Aachener sehr genau hin. Bei Produkten, die jedes Unternehmen braucht, und die nicht unmittelbar den USP ausmachen, darf es auch schon mal was von der Stange sein. Das CRM-System zum Beispiel baut man nicht mehr selbst, sondern man bedient sich bei Standardsoftware, wie Salesforce oder Adobe Marketing Cloud. Überhaupt ist das ganze Thema Cloud Computing für ihn ein sehr gutes Beispiel. Früher haben zu Recht viele Unternehmen in Datencenter investiert und eigene Bereiche aufgebaut. Heute braucht es die seiner Auffassung nach meistens nicht mehr, weil Amazon, Google oder Microsoft das besser und günstiger können. Mittlerweile schaltet man die nächste AWS- oder Azure-Instanz einfach dazu.

Und Standardsoftware möchte Radke auch am Liebsten so einsetzen, wie sie vom Hersteller gemacht wurde. Das umfassende Customizing von Salesforce oder SAP, ist für ihn ein Fehler. Dadurch, meint Radke, werde die Abhängigkeit vom Lieferanten noch größer. Sein Ziel ist es, die Infrastruktur so zu bauen, dass man sich auch innerhalb eines halben Jahres wieder von einer Lösung trennen kann und sich am Markt eine neue, bessere aussucht.

Die Re-Priorisierung der Aufgaben innerhalb der IT ist ein schmerzhafter Change-Prozess nicht nur im Bereich B2E sondern über alle Abteilungen hinweg. Und dazu braucht es gute, kommunikative Begleitung. Denn unterm Strich muss die technische Infrastruktur effizienter und dadurch kostensparender werden. Radkes Aufgabe ist also, den Mitarbeitern klar zu machen, dass sie in diesem Bereich Aufgaben abgeben werden und sie ihre Energien stärker in der Wertschöpfung bündeln sollen. 

Vertrauen und Transparenz als wichtige Bausteine für Firmenkultur

Agilität ist das große Buzzword der Startup-Szene und somit auch Radkes Mantra. Doch das beißt sich gelegentlich mit den Sicherheitsanforderungen und Qualitätsansprüchen, die eine IT hat. Einfach nur zusätzlichen Druck in die Strukturen geben, wirkt da eher kontraproduktiv. 

Stattdessen versucht man es bei P7S1 mit einem strukturellen Umbau. Das Fundament bilden IT-Kernaufgaben, wie Sicherheit oder die Betreuung der Cloud. Darüber gibt es zwei Bereiche, die sich auf die verschiedenen Kundengruppen konzentrieren: Einmal Abteilungen oder Bereiche mit spezifischen Systemanforderungen. Hier versucht Radke soweit es geht, kleine, isolierte Projekte zu etablieren.

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So können einzelne Prozesse schneller und iterativ verändert werden, ohne dass gleich ganz große Projekte daraus werden. Die Folge: Weniger Stakeholder und dadurch schnellere Entscheidungen. Das Messen der internen Kundenzufriedenheit in regelmäßigen Abständen ist eine ideale Hilfe, sich schnell den Kundenerwartungen anzupassen.

Die zweite Kundengruppe sind die Mitarbeiter und ihr tägliches Tooling sowie der Support. Ein Lieblingsprojekt des gebürtigen Aacheners ist das Onboarding von neuen Mitarbeitern. Je weniger Zeit dafür benötigt wird, den Arbeitsplatz dem neuen Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, umso schneller wird der Mitarbeiter produktiv und umso effektiver werden Teams. Die These lautet, dass dieser Bereich großen Effekt auf die Mitarbeiterzufriedenheit von P7S1 haben kann. Für den ehemaligen Zalando-Mann Radke sind Vertrauen und Transparenz einer der wichtigen Bausteine für Firmenkultur.

Generell ist die Hauptaufgabe der IT in der heutigen Zeit, schnellstmöglich etablierte Prozesse zu automatisieren damit Mitarbeiter mehr Fokus auf ihre kreative, strategische Arbeit legen können

Kommunikatoren an die Macht

Und über allem thront die interne Kommunikation. Radke ist es aus seiner Startup-Zeit gewohnt, dass alles über Messenger oder ein internes Facebook läuft und damit enorm Zeit in Abstimmungsprozessen gespart wird: Chat statt Meeting. Bei P7S1 arbeitet man im Microsoft-Universum und Radke ist beeindruckt davon, mit welcher Geschwindigkeit es dem Redmonder Konzern gelungen ist, dieses Thema zu adaptieren und in MS Teams umzusetzen. Hier hat man sich gezielt gegen Slack, den Star der Szene, entschieden, da MS Teams in einer sehr Microsoft geprägten Organisation Vorteile bei der Integration von Outlook, dem Kalender und Skype bietet. 

Boris Radke ist sich dessen bewusst, dass die Rolle, die er zurzeit einnimmt, eher eine befristete ist. Er kann sich nicht vorstellen, auf Dauer CIO eines Konzerns zu sein. Aber in der aktuellen Transformation nimmt Kommunikation eine ganz wichtige Rolle ein. Und die wird seiner Ansicht nach noch von den wenigsten Unternehmen in ihrer Bedeutung verstanden. Die Rolle der Kommunikation im Unternehmen verändert sich. Technische Lösungen sind in der Regel leicht machbar, es erfordert aber eben klare Strategien und diese gibt es nur durch transparente Kommunikation. 

Rolle der Kommunikationsabteilung bedarf einer neuen Definition

Kommunikatoren müssen zu internen Coaches werden, betonte er vor der versammelten Riege der Pressesprecher diesen Sommer bei der Deutschen Presseakademie. Die aktuelle Konstellation, in der viel Druck von außen auf bessere Kommunikationsprozesse durch Digitalisierung und digitale Kanäle wirkt, ist ideal dafür geeignet, die Rolle der Kommunikationsabteilung neu zu definieren.

Radke forderte, dass die Kommunikation eine Rolle im Direktorium bekommt und dort auch Gehör findet. Bei P7S1 wird das gelebt: Stefanie Rupp-Menedetter nimmt diese Rolle in Unterföhring ein. 

Unternehmen sollten dafür sorgen, dass es keinen Unterschied mehr gibt, zwischen einer Marke nach draußen, der Employer Brand und der Corporate Brand. Das hält Boris Radke für die wichtigste Aufgabe der Kommunikatoren in diesen unruhigen Zeiten.

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