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“Beautiful Growth”: Condé Nast steht vor Stellenabbau und neuer Struktur

Jessica Peppel-Schulz
Jessica Peppel-Schulz ©Foto: Jessica Peppel-Schulz/Pressefoto/ Montage: MEEDIA

Der Münchener Magazin-Verlag Condé Nast stellt sich neu auf: Nach MEEDIA-Informationen plant die neue Geschäftsführerin Jessica Peppel-Schulz einen Personalschnitt sowie eine neue Organisationsstruktur. Demnach soll jede einzelne Zeitschrift künftig von einem Markenverantwortlichen geführt werden, um mit neuen Geschäften die rückläufigen Anzeigen- und Vertriebserlöse der einzelnen Objekte aufzufangen.

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“Beautiful Growth” – so soll nach Informationen von MEEDIA das Umbau- und Wachstumsprogramm heißen, das die neue Geschäftsführerin Jessica Peppel-Schulz Condé Nast verordnen will. Angelehnt ist der Name an die schöne Zeitschriftenwelt des Münchener Medienunternehmens, das unter anderem Hochglanztitel wie “Vogue”, “Glamour” und “GQ” herausgibt. Nähere Einzelheiten hierzu will die Managerin der Öffentlichkeit am nächsten Dienstag vorstellen. Bis dahin will sich das Unternehmen zu Spekulationen über die Neuausrichtung bedeckt halten. Fragt man bei Condé Nast nach, so lautet deshalb die Antwort eines Pressesprechers nur kurz und knapp: “Kein Kommentar”.

Personalschnitt wird befürchtet

Dabei brodelt die Gerüchteküche seit Wochen in München. Dazu gehört, dass Peppel-Schulz, die ehemalige Chefin der Agenturgruppe UDG, offenbar einen Personalschnitt vornehmen will. Im Gespräch sind 20 bis 30 Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen sollen. Die Belegschaft ist deshalb tief verunsichert. Im Unternehmen gibt es keinen Betriebsrat, der ihre Interessen vertritt. Daran will Peppel-Schulz nach MEEDIA-Informationen auch nichts ändern. Sie lehnt es wie ihr Vorgänger Moritz von Laffert ab, eine Arbeitnehmervertretung zu gründen. Doch die Kostenmaßnahme ist nur ein kleiner Teil eines größeren Umbaus. Geplant ist vor allem, dass die Verlagsspitze die einzelnen Zeitschriftenmarken breiter aufstellen will. Statt Chefredakteure soll es nun Markenverantwortliche geben. Sie sollen die einzelnen Magazinmarken für neue Geschäfte öffnen – beispielsweise für Events und Veranstaltungen.

Erstes Opfer des neues Kurses ist nun Tom Junkersdorf, Chefredakteur von “GQ”. Der ehemalige Gründungschefredakteur der deutschen “People”-Ausgabe soll das Münchener Haus verlassen. Er hatte erst 2017 die Verantwortung für das Magazin übernommen, konnte sich aber nicht gegen den Auflagen-Niedergang im hart umkämpften Zeitschriftenmarktes durchsetzen. So sank unter seiner Ägide die Auflage des Blattes. Verkauften die Münchener von “GQ” im 2. Quartal noch 86.094 Exemplare, waren es zwei Jahre später nur noch 68.254 Stück.

Markenverantwortliche statt Chefredakteure
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Nun hat der Verlag die Konsequenzen gezogen und sich von dem ehemaligen Bauer-Mann getrennt. An seine Stelle soll jetzt ein Markenverantwortlicher treten, der mit Zusatzgeschäften dem Erlösrückgang im Anzeigen- und Vertriebsgeschäft entgegenwirken soll. Peppel-Schulz geht offenbar davon aus, dass auch ein Relaunch von Zeitschriften nur bedingt gegen den marktbedingten Rückgang im Segment der Luxus- und Lifestyle-Titel helfen kann, heißt es in Unternehmenskreisen. Fraglich ist, ob der neue Kurs schnell finanzielle Erfolge zeigt. Größtes Sorgenkind im Verlag ist vor allem “Glamour”. Von dem Magazin verkauften die Münchener im 2. Quartal 2019 mehr als 151.000 Stück, ein Minus gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal von satten 23 Prozent. Dagegen wirkt der Auflagenrückgang von “Vogue” von nur rund 1,5 Prozent im Berichtszeitraum fast wie ein Erfolg.

Mit ihrem Umbau steht Jessica Peppel-Schulz vor großen Herausforderungen. Intern müsse sie teils gegen verkrustete Strukturen im Unternehmen ankämpfen, heißt es. Keine leichte Aufgabe für die Geschäftsfrau, die für ihren Job zwischen Hamburg und München pendelt. Doch der Mutterkonzern aus den USA dürfte Druck machen, rasch Erfolge zu verbuchen. Ihr Vorgänger Moritz von Laffert hatte zuletzt katastrophale Zahlen hinterlassen. So Anfang des Jahres die Bilanz der Deutschland-Tochter für 2017 veröffentlicht. Und die weist einen satten Verlust von mehr als 27 Millionen Euro aus.

Update. Conde Nast legt auf die Feststellung wert: “Die Aussage von meedia “sie (Jessica Peppel-Schulz) lehne es wie ihr Vorgänger Moritz von Laffert ab, eine Arbeitnehmervertretung zu gründen” entbehrt jeglicher Grundlage, ist schlichtweg falsch! Jessica Peppel-Schulz hat nie, zu keiner Zeit, eine Arbeitnehmervertretung, einen Betriebsrat, abgelehnt noch sich negativ dazu geäußert.“ Das Unternehmen betont, dass seit November 2018 eine von den Mitarbeitern gewählte Arbeitnehmervertretung in Form des Mitarbeiter-Kulturrats” gibt.

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Alle Kommentare

  1. Hätte mich mit Blick auf das BetrVerfG auch gewundert, wenn da kein Widerspruch gekommen wäre, der schon aus Rechtsgründen seitens Condé-Nast zwingend geboten scheinen musste.
    Wie sich die neue GF (und der alte) dazu intern verhalten, steht freilich auf einem anderen Blatt. Es soll in diesem Land ja genug Betriebe geben, wo schon MA-Gespräche über die Wahl eines BR direkt in eine “betriebsbedingte” Kündigung gemündet sind…

  2. “Beautiful Growth”, welcher Zynismus unter solch einen Titel eine Restrukturierung mit Stellenabbau durchzuführen. So durchgeknallt oder zugeschnupft möchte ich gerne mal sein.

  3. “Im Unternehmen gibt es keinen Betriebsrat, der ihre Interessen vertritt. Daran will Peppel-Schulz nach MEEDIA-Informationen auch nichts ändern. Sie lehnt es wie ihr Vorgänger Moritz von Laffert ab, eine Arbeitnehmervertretung zu gründen.”

    Eine Arbeitnehmervertretung wird nicht gegründet, sie wird gewählt. Ob eine Geschäftsführerin das will oder nicht ist dabei völlig unerheblich. Bitte wehrt euch und gründet einen Betriebsrat!

    Betriebsverfassungsgesetz
    § 1 Errichtung von Betriebsräten
    (1) In Betrieben mit in der Regel mindestens fünf ständigen wahlberechtigten Arbeitnehmern, von denen drei wählbar sind, werden Betriebsräte gewählt. Dies gilt auch für gemeinsame Betriebe mehrerer Unternehmen.

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