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“Emotion” feiert zehn Jahre Selbstständigkeit: Wie Katarzyna Mol-Wolf das Frauenmagazin durch schwierige Zeiten steuert

Katarzyna Mol-Wolf
Katarzyna Mol-Wolf

Vor zehn Jahren kaufte Katarzyna Mol-Wolf vom Hamburger Großverlag Gruner + Jahr "Emotion". Um den Frauentitel hat sie diverse Print-Ableger entwickelt. Denn sie glaubt – trotz deutlicher Auflagenrückgänge in den vergangenen Jahren – weiter fest ans Gedruckte. Dennoch will sie das Magazin zu einer ganzheitlichen Medienmarke ausbauen.

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Ans Aufgeben hat sie nie gedacht. Doch vor einigen Jahren überkam die Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf wohl eine kleine Sinnkrise. “Ich hatte vor zwei Jahren eine Phase, da habe ich überlegt: Der Wind auf dem Medienmarkt bläst noch schärfer, der Wettbewerb auf dem Anzeigenmarkt wird taffer. Ist der Emotion-Verlag noch das, was du machen willst? Doch am Ende bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass das, was wir aufgebaut haben, genau das Richtige ist. Das ist mein Leben”, erklärt die 45-Jährige gegenüber MEEDIA.

“Du hast die Power”

Nun feiert die Medienmacherin mit “Emotion” in zwei Monaten ihr zehnjähriges Jubiläum. Zu dem besonderen Ereignis hat sie ein Buch geschrieben, in dem sie ihren Aufstieg als Verlegerin nachzeichnet. Der Titel: “Du hast die Power. Verwirkliche deinen Traum und wie du das schaffen kannst, was ich geschafft habe”. Darin beschreibt die Selfmade-Managerin ihren Weg ins Unternehmertum, der nicht immer ganz leicht war. Denn für Mol, geboren im polnischen Jelenia Góra, war der Sprung in die Selbstständigkeit ein gewagter Schritt: So gründet Kasia, wie ihre Mitarbeiter sie kurz nennen, am 19. November 2009 den Verlag Inspiring Network und erwirbt das Frauenmagazin von ihrem früheren Arbeitgeber Gruner + Jahr. Der wollte den Titel partout loswerden.

Zu diesem Zeitpunkt war weltweit eine der größten Wirtschafts- und Finanzkrisen ausgebrochen und erfasste die Magazinbranche mit voller Wucht. Die Folge: Auflagen und Anzeigenerlöse vieler Titel stürzten ab. Davon blieb auch G + J nicht verschont. Der damalige Vorstandschef Bernd Kundrun verordnete dem Verlag eine Radikalkur. Er wollte sich gleich von mehreren Titel trennen. Darunter “Park Avenue”, “Healthy Living”  und eben “Emotion”.

Management Buy-Out war der Startschuss

Doch Mol ergriff die Chance. Als damalige “Emotion”-Verlagsleiterin schlug sie mit Hilfe von Investoren und Darlehensgebern – unter anderem der Stadt Hamburg – zu. Sie kaufte das Monatsmagazin im Rahmen eines Management-Buy-Outs (MBO) und gründet den Verlag Inspiring Network. Rückblickend war der Deal für sie ein Glücksgriff. “Ich habe den Kauf von ‘Emotion’ nie bereut und ich würde es immer wieder tun”, betont sie kämpferisch. Dennoch haben sich seither die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht eben verbessert. Im Gegenteil. Das gibt auch die studierte Juristin zu. “Die Medienbranche hat sich in den vergangenen Jahren radikal gedreht. Dass die Printauflagen in dieser Zeit so schnell und deutlich zurückgehen würden, konnte niemand erwarten”, sagt sie. Von der Entwicklung blieb auch “Emotion” nicht verschont. Verkaufte Mol zum Start ihrer Selbständigkeit von dem Frauenmagazin noch mehr als 100.000 Exemplare (IVW: 2. Quartal 2009), sind es zwischen 52.380 Exemplare, darunter mehr als 6.200 Abos und etwas mehr als 19.00 Stück im Einzelverkauf.

Doch Print ist weiterhin die wichtigste Erlössäule für das Medienunternehmen. So steuern die gedruckten Publikationen rund 70 Prozent zum Umsatz bei. “Ich glaube weiterhin ans Gedruckte”, so die Geschäftsfrau. Mutig wirkt sie deshalb dem schleichenden Auflagenrückgang von “Emotion” beim Abo und im Einzelverkauf mit einer kleinformatigen Ausgabe entgegen. Sie entschied sich nach einer Testphase 2019, Emotion monatlich zusätzlich auch im Pocket-Format herauszugeben. Mit der Maßnahme hofft sie, neue Abnehmer zu gewinnen. “Wir wollen mit der Pocket-Ausgabe eine jüngere Zielgruppe ab Ende 20 ansprechen, ohne die Stammleser unserer Hauptausgabe zwischen 35 bis 40 Jahren zu schädigen”, erklärt Mol.

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Ganzheitliche Medienmarke

Dennoch will sich die studierte Juristin von der Print-Abhängigkeit lösen und das publizistische Flaggschiff ihres Unternehmens mehr zu einer ganzheitlichen Medienmarke machen. Dazu hat sie Anfang des Jahres den Emotion Women’s Day ins Leben gerufen, der im Rahmen des OMR-Events in Hamburg stattfindet. “Der Emotion Women’s Day ist für uns eine starke Ertragssäule für die Zukunft – und eine tolle Möglichkeit, die Marke Emotion anfassbar zu machen”, sagt Mol. Auf einen Schlag erreichte sie mit der Vetanstaltung in diesem Jahr rund 38 Millionen Frauen – ein Pluspunkt, um die Magazinmarke bekannter zu machen und ihr Netzwerk auszubauen. Allerdings ist der Geschäftszweig hart umkämpft. Immer schwieriger ist es, hier mit Vortragsreihen Geld zu verdienen, denn der Event-Markt wird mit Veranstaltungen förmlich geflutet. Daher zog sie sich vor zwei Jahren aus diesem Segment weitgehend zurück, um mit dem Emotion’s Women Day neu anzugreifen. Mit diesem Schritt hofft Mol-Wolf, den Verlag weiter zukunftsfähig zu machen und zu expandieren. Dazu zählt auch, die Marke “Emotion” stärker für digitale Kanäle zu öffnen. So ist der Frauentitel auf Facebook, Instagram & Co. aktiv und verfügt über mehrere Podcasts – darunter “Kasia trifft“.

Zu ihrem Zeitschriftenreich gehört auch “Emotion Slow”. Das Magazin soll Frauen helfen, ihr Berufsleben zu entschleunigen. An dem Titel will die Verlegerin festhalten, obwohl die Konkurrenz in diesem Marktsegment groß ist. Von der Zeitschrift verkauft sie 30.000 Exemplare, davon 5.000 im Abo. Ein Erfolg, wie sie findet. Auch das Philosophiemagazin “Hohe Luft” zählt zum Portfolio von Inspiring Network. Der Titel sei wichtig, um Lesern mehr Tiefgang zu bieten. Beide Magazine sind nicht IVW-gemeldet. Daran soll sich auch vorerst nichts ändern.

Zehn Mio. Euro Umsatz im Visier

Strategisch plant Mol-Wolf zudem, das Geschäft mit Firmenkunden, Corporate Publishing (CP), zu erweitern. “Wir wollen das CP-Geschäft ausbauen, allerdings nur mit Kunden, die zu uns passen”, betont sie. Die Unternehmerin hat für die nächsten Jahre ehrgeizige Wachstumspläne. Mol-Wolf: “Unser Ziel ist es, in ein bis zwei Jahren die Umsatzmarke von zehn Millionen Euro zu knacken.” Spricht man allerdings die Chefin auf die Ertragslage ihres Unternehmens an, wird sie einsilbig. Dann betont die Magazinmacherin und gefeierte “Medienfrau des Jahres 2018”, dass sie und ihre Kapitalgeber in den vergangenen Jahren viel Geld investiert hätten. Zu ihren Geldgebern gehören unter anderem Anke Rippert und ihr Bruder (stammen aus dem Maschinenbau-Familienunternehmen Rippert Anlagenbau), die zusammen 40 Prozent der Anteile halten.

Anke Rippert hatte sich im vergangenen Jahr überraschend aus der Geschäftsführung zurückgezogen. So ist Mol-Wolf wieder die alleinige Firmenchefin. Damit lastet das Tagesgeschäft wieder voll auf ihren Schultern. Dass das keine leichte Aufgabe ist, ist ihr auch bewusst. Denn von einst sieben Arbeitnehmern ist ihr mittelständisches Unternehmen auf inzwischen 50 Mitarbeiter gewachsen – und alle sind festangestellt. Das ist in diesen Zeiten in der Medienbranche keine Selbstverständlichkeit.

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