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Nanu! Holger und Silke Friedrich interessieren sich ja gar nicht für den Berliner Zeitungsmarkt

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Silke und Holger Friedrich sagen, dass sie sich nicht mit dem Berliner Zeitungsmarkt beschäftigt haben. Aber haben die nicht gerade die "Berliner Zeitung" gekauft? Juan Moreno hat sein Relotius-Buch "Tausend Zeilen Lüge" veröffentlicht. Der "Spiegel" bietet Kurse in Mitarbeitermotivation und im US-"Let's dance" macht ein alter Bekannter Ramba-Samba. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Die neuen Eigentümer des Berliner Verlags stellen ja schon was dar: Er mit diesem mächtigen Vollbart in Eisenfarbe, sie schlank und mit durchdringendem Blick. So ganz anders als die arme DuMont-Fraktion, die da ein bisschen bedröppelt neben den neuen Hausherren rumstehen an die sie ihre einstige Vorzeige-Zeitung verkauft haben. Unter einigen Leser-Kommentaren zu dem Überraschungsdeal war sinngemäß zu lesen, dass es schlimmer als mit DuMont ja nicht kommen könne. Auch wenn man den Friedrichs nur die Daumen drücken und viel Fortune wünschen kann, heißt es abwarten. Als vor einigen Jahren Alfred Neven DuMont die “Berliner Zeitung” aus den Klauen des angelsächsischen Finanzinvestors Montgomery befreite, da wurde der Verleger vom Rhein als Heilsbringer gefeiert. Heute ist es das hippe Unternehmerpaar. Bei der Lektüre des Interviews, das die beiden Alexander Osang im “Spiegel” gaben, darf man schon an der einen oder anderen Stelle die Stirn runzeln. Kostprobe:

SPIEGEL: Haben Sie sich denn mit dem Berliner Zeitungsmarkt beschäftigt?

Holger Friedrich: Nö.

Silke Friedrich: Welcher Markt?

Oder auch:

Holger Friedrich: Wir sind an verschiedenen Plätzen zu Hause und waren immer da, wo die Zeitung nicht war. Die Distribution funktionierte nicht. Und das Medium wurde mir zu langsam. Wenn die Nachricht bei mir eintraf, konnte ich nichts mehr mit ihr anfangen. Ich stelle mir meine eigene Lektüre zusammen, auf dem Handy oder dem Laptop. Zeitungen lese ich nur noch am Wochenende. Oder im Flugzeug. Da sammle ich mir vorher alles zusammen und lese während des gesamten Fluges. Ich liebe das.
Äh. Die wissen schon, dass sie gerade zwei Zeitungen plus Druckerei gekauft haben …?

Interessantes Statement für jemanden, der gerade zwei Tageszeitungen plus Druckerei gekauft hat. Man darf wohl davon ausgehen, dass die Friedrichs diesen ominösen Berliner Zeitungsmarkt bald kennenlernen werden. Vielleicht mehr, als ihnen lieb ist.

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Diese Woche erschien Jan Morenos Buch “Tausend Zeilen Lüge” das davon handelt, wie er den “Spiegel”-Großfälscher Claas Relotius gegen alle Widerstände innerhalb der Redaktion enttarnte. Das liest sich flott und interessant. Lustig ist auch, wie er Teilen der “Spiegel”-Redaktion ein psychologisches Mini-Gutachten ausstellt:

Ein emeritierter Psychologieprofessor, dem ich den Fall erzählte, sagte mir, dass Relotius’ Geschichte von “geradezu beleidigender Schulbuchhaftigkeit” sei: Hochstapler sind in der Regel voll schuldfähig. Sie hätten eine starke Neigung zur dramatischen Selbstdarstellung, gepaart mit gesteigertem Geltungsbedürfnis. Ich dachte, während der Professor redete: “Neigung zur dramatischen Selbstdarstellung? Gesteigertes Geltungsbedürfnis?” Das könnte für die halbe “Spiegel”-Redaktion gelten.

Auf Twitter entspann sich zum Moreno-Buch folgender Dialog von schlichter Schönheit:

Das Buch “Tausend Zeilen Lüge – Das System Relotius und der deutsche Journalismus” (Rowohlt Berlin, 18 Euro) ist auf jeden Fall lesenswert. Verfilmt wird es auch bald von Nico Hofmann.

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Die dortige “Spiegel”-Redaktion gilt gemeinhin nicht direkt als große Friede-Freude-Eierkuchen-Bäckerei. Es soll sogar schon vorgekommen sei, dass der eine oder andere Chefredakteur regelrecht weggebissen wurde. Kaum zu glauben, ich weiß. In diesem Zusammenhang entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn die hauseigene Spiegel-Akademie nun Kurse in Mitarbeitermotivation anbietet. Zitat: “In diesem Kurs lernen Führungskräfte, wirtschaftlichen Erfolg und Mitarbeitergesundheit ins Gleichgewicht zu bringen.” Ob es für Mitarbeiter des Hauses Rabatt gibt?

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Sean Spicer hat einen neuen Job! Sie erinnern sich: der ungelenk bis unglücklich wirkende Ex-Pressesprecher von US-Präsident Donald Trump. Der Sprecher von der traurigen Gestalt hat ein paar Happy-Pillen eingeschmissen und macht nun mit bei “Dancing with the Stars”, dem US-Vorbild für die RTL-Tanzshow “Let’s dance!”. Spicers Ramba-Samba-Auftritt in kanariengelbem Superstretch-Hemd ist ein echter Hingucker:

Den kompletten Bizarro-Auftritt können sich Hartgesottene hier anschauen. Beruhigend, dass es dann doch immer wieder neue Karriere-Gelegenheiten gibt. Auch so ganz ohne Kurs bei der “Spiegel”-Akademie.

Schönes Wochenende!

PS: In der neuen Ausgabe unseres Podcasts “Die Medien-Woche” spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der “Welt” auch über die neuen Eigentümer der “Berliner Zeitung” sowie über Juan Morenos Buch. Außerdem geht es um das Aus für “JWD”, den Namen für Fred Kogels Medienfirma (Leonine), Jan Böhmermanns Showpläne und das abgebrochene Höcke-Interview im ZDF. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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