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Presserat rügt “Bild” wegen “Schwertmord”-Bericht – Herkunft des Frankfurter Täters durfte genannt werden

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Die Herkunft des Täters vom Frankfurter Hauptbahnhof durfte genannt werden, hat der Deutsche Presserat nun entschieden. Zugleich sprach er 13 Rügen aus – u.a. gegen die "Bild"-Zeitung wegen ihrer Berichterstattung zum Stuttgarter Schwertmord.

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Der Deutsche Presserat sah in der Berichterstattung zur Tat am Frankfurter Hauptbahnhof Ende Juli keine Verletzung des Pressekodex. An der Herkunft des Gewalttäters, der eine Frau und ihren Sohn vor einen einfahrenden Zug gestoßen hat, bestand ein berechtigtes öffentlichen Interesse. Die Tat sei ein besonders schweres und in ihrer Art außerordentliches Verbrechen gewesen, urteilte der Presserat. Und wies damit eine entsprechende Beschwerde zum Thema ab.

Als übertrieben sensationell rügte der Presserat jedoch die Berichterstattung über den “Schwert-Mord mitten auf der Straße” in der “Bild” sowie online unter Bild.de. Die Darstellung des Vorfalls sei respektlos vor dem Leid der Angehörigen gewesen, da sie zu sehr aus der Täterperspektive berichtete. Unter anderem veröffentlichte die Redaktion auf der Titelseite ein Foto des mutmaßlichen Mörders mit erhobenen blutigen Armen. Zu sehen war auch ein Porträtfoto des Mannes vor der Tat, daneben ein verpixeltes Bild des Sterbenden in einer Blutlache.

Asteroid-Schlagzeilen erst auf den zweiten Blick als Werbung erkennbar

Rügen erteilte der Presserat zudem gegen die “Hamburger Morgenpost”, den “Berliner Kurier”, den”Express” und die “TZ” wegen einer als Schlagzeile getarnten Werbung. Die Boulevard-Blätter der DuMont-Gruppe druckten auf den Titelseiten ihrer Printausgaben redaktionell gestaltete Anzeigen, in denen etwa mit Schlagzeilen wie “War’s das?” und “8 Tage bis zum Einschlag” für eine neue TV-Serie von Sky geworben wurde. Nach Ansicht des Presserats verstößt dies nicht nur gegen die erforderte Trennung von Redaktion und Werbung. Die Art von Werbung sei zudem geeignet, das Ansehen der Presse in Gefahr zu bringen.

Weitere Rügen wegen fehlender Sorgfalt und überspitzer Karikatur

Eine Rüge erhielt die Online-Redaktion von “Bild” für die Veröffentlichung der Exklusiv-Geschichte “Erster Blut-Test erkennt zuverlässig Brustkrebs” über einen von Heidelberger Forschern entwickelten Brustkrebs-Test. Wie sich später herausstellte, hatten die Forscher den Stand des Testverfahrens positiver dargestellt, als es dem Forschungsstand entsprach. Die “Bild” habe ihre Sorgfaltspflicht versäumt.

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Web.de wurde gerügt für die Veröffentlichung einer Karikatur zum Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame. Rechts von Notre Dame war ein augenzwinkernder Emmanuel Macron mit einer brennenden Fackel in der Hand zu sehen. Die Unterzeile der Karikatur lautete: “Macron eint die Nation”. Der Presserat sieht in dieser Darstellung eine Ehrverletzung des französischen Staatspräsidenten, da sie suggeriert, der Präsident sei als Initiator einer Brandstiftung für das Feuer in Notre Dame verantwortlich.

Die Online-Ausgabe von “Junge Freiheit” wurde wegen eines Verstoßes gegen die journalistische Sorgfaltspflicht gerügt. Das Portal hatte unter der Überschrift “Tauber will Asylkritikern Grundrechte entziehen” über einen Gastbeitrag des ehemaligen CDU-Generalsekretärs in einer Tageszeitung berichtet. Der Politiker hatte sich in seinem Beitrag jedoch lediglich angesichts von Gewalt durch Rechtsextreme für den Entzug von Grundrechten für Verfassungsfeinde ausgesprochen.

Auch “Stern Crime” erhielt eine Rüge: Das Magazin hatte unter der Überschrift “Killer on the Road” über einen Serienmörder berichtet, der in den 1980er- und 90er-Jahren Tramperinnen an Highway-Raststätten in den USA aufgelesen und getötet hatte. Insbesondere die Veröffentlichung eines Fotos, das der Täter von einem der minderjährigen Opfer kurz vor dessen Ermordung gemacht hatte, verstieß gegen den Opferschutz und erfüllte das Kriterium der unangemessenen Darstellung.

Alle weiteren Rügen listet der Presserat auf dieser Seite.

rt

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Alle Kommentare

  1. Die Trennung von Nachrichten und Werbung ist also unerwünscht? Dass ich nicht lache…
    Jede zweite Nachrichtensendung bei den Öffentlich-Rechtlichen ist eine Werbung für die Grüne Partei.

  2. Da können wir ja dankbar sein, dass die Herkunft des Täters genannt werden dürfte. In anderen Fällen sollten wir aber doch lieber dumm gehalten werden – zu viel Wissen könnte ja den Falschen nutzen. Schon ne tolle Sache so’ne freie Presse.

    1. Nachtrag: Bild-„Ombudsmann“ Ernst Elitz (78) hat justament seine aktuellen Prüfberichte kundgetan. Demnach ist das Vorgehen der Redaktion in Sachen Jatta und Metzelder in keinster Weise zu beanstanden. Nichts geht über einen hauseigenen Presserat.

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