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Projekt “NextGen”: Wie “Der Spiegel” seinen Onlineauftritt mit dem gedruckten Magazin technisch verheiratet

Christina Elmer, Geschäftsführende Redakteurin, und Stefan Ottlitz, Produktchef
Christina Elmer, Geschäftsführende Redakteurin, und Stefan Ottlitz, Produktchef Fotos: Spiegel

Der für 2020 geplante Relaunch von "Spiegel Online" nimmt konkrete Formen an: Die Redaktion hat ein neues Designsystem entwickelt, wodurch der Onlineauftritt und der gedruckte "Spiegel" auch technisch stärker zusammenrücken. Von der neuen Systemarchitektur sollen zudem andere "Spiegel"-Marken profitieren.

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“Willkommen zur Beerdigung von ‘Spiegel Online’, wie ihr es kennt”, begrüßte Stefan Ottlitz, Produktchef der “Spiegel”-Gruppe, die Gäste im vollen Seminar 4 am ersten Tag der Dmexco. Passend zum Anlass seien er und seine Kollegin Christina Elmer, Entwicklungsredakteurin beim Hamburger Verlag, auch in schwarz gekleidet, witzelte er.

Detaillierte Einblicke in den Prozess

Zwar rutschte den beiden Rednern gelegentlich noch ein “Spiegel Online” durch, allerdings – und das ist schon länger bekannt – werden Print und Online künftig unter der Dachmarke “Der Spiegel” firmieren. Auf der Digitalmesse in Köln stellte das Duo nun das neue Design der Homepage vor und gab Einblicke in den Entwicklungsprozess, der sich über ein Jahr hinzog und mit dem Relaunch Anfang 2020 nicht enden wird, wie Ottlitz betonte.

Es handele sich um einen kontinuierlichen Prozess. Denn: “Wir wollen nie wieder einen grundlegenden Relaunch wie diesen umsetzen”, so die Erkenntnis, deren Entstehung in einem Blogeintrag bei “Medium” nachzulesen ist.

Öffentlich will der “Spiegel” den digitalen Auftritt zwar erst in wenigen Monaten machen, aber in Köln erklärten Ottlitz und Elmer, dass das frisch entwickelte Designsystem, die Produktion des digitalen Produkts sowie des Heft technisch vernetzen soll. “Wir wollen erstens mittelfristig die digitalen Angebote von unserer Nachrichtenseite bis zur E-Paper-Kiosk-App in einer gemeinsamen Systematik unterhalten und technisch auch die Produktion der gedruckten Ausgabe daran anschließen”, erklärt die “Spiegel”-Redaktion.

In diesem Stil soll “Der Spiegel” ab 2020 online auftreten

Doch das ist nichts alles: Produktchef Ottlitz möchte das neue Designsystem auch auf andere “Spiegel”-Marken überstülpen – vor allem dem “manager magazin”, “bento” (MEEDIA berichtete) und “Harvard Business Manager”. Der Plan dahinter: Die Verantwortlichen wollen “auf derselben Logik und Plattform” aufsetzen, “ohne für jede Marke alles neu zu denken”.

An dem Umbau der Nachrichtenseite, der unter dem Projektnamen “NextGen” geführt wird, arbeitet die Redaktion bereits seit dem Jahreswechsel 2018/19. Ein Team aus internen Design- und UX-Experten und der Agentur Make Studio entwickelte das Designsystem.

Deutlichere Trennung zwischen Meinung und Nachricht

Dazu zählt eine “Bibliothek”, die über verschiedene Ebenen verfügt. Auf der untersten Ebene kann die Redaktion über abstrakte sogenannte Design-Tokens Schriftarten, Farben, Stile und responsives Seitenraster festlegen, auf der darüber liegenden Ebene einzelne Elemente wie Überschriften, Buttons, Texte, Links, dann Komponenten wie Teaser, Bildergalerien, Videos und Zitatblöcke. Zuletzt können ganze Seiten oder Übersichtsseiten von der Homepage bis zu Themenseiten zusammengebaut werden.

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Mit Hilfe des neuen Layouts, so Elmer bei der Dmexco-Präsentation, soll die Trennung von Meinung und Nachrichten deutlicher werden. Dies sei ein Wunsch aus den zahlreichen Lesergesprächen gewesen. So werden Kommentare künftig neben dem Label “Kommentar” auf der Startseite durch Autorenbild und kursive Schrift deutlich von Nachrichten abgehoben. Dahinter steht auch der Versuch, das Portal mehr Richtung Magazin zu verschieben und hintergründiger zu werden. Dies würden Leser nämlich teils vermissen: Stoffe mit Nutz- und Lebenswert sowie Anspruch.

Digitalerlöse sollen steigen

Ziel des Relaunches ist es vornehmlich, die Digitalerlöse weiter zu steigern. “In Zeiten, in denen sich unser Bezahlmodell zum wichtigsten Wachstumsfeld entwickelt, ist dies doppelt wichtig. Wertigkeit und Wertversprechen gehen Hand in Hand, und das neue Designmodell muss das reflektieren und leicht erschließbar abbilden können”, heißt es im Blogeintrag.

Strategischer Hintergrund für den Umbau ist, dass die Online- und die Printredaktion organisatorisch zu einer Gemeinschaftsredaktion verschmilzt. Sichtbar ist das unter anderem am neuen Impressum, in dem seit voriger Woche knapp 600 Mitarbeiter gelistet sind (MEEDIA berichtete).

Dazu krempelt das Medienunternehmen an der Ericusspitze seine Organisation radikal um. So werden alle Ressorts des Print-“Spiegel” und von “Spiegel Online” zusammengelegt. Bislang hatten die beiden Sparten jahrelang – zu unterschiedlichen Bedingungen – eher nebeneinander statt miteinander gearbeitet.

Stefan Ottlitz stellte zum Schluss der Präsentation in Seminar 4 klar. Man sei sich sicher, dass kein Leser jemals nachfragen wird, warum “Spiegel Online” nicht mehr mit dem ursprünglichen Logo existiert. “Es ist heute schon ‘Der Spiegel’.” Aber auch intern dürfe es solche Diskussionen nicht mehr geben. “Beide Redaktionen gehören nun zusammen.”

tb/gl

Alle Artikel zum Dmexco-Special lesen Sie hier.

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Alle Kommentare

  1. Das interessiert doch niemanden, wie die was und wo verheirateten.

    Es wird erst interessant, wenn die Herrschaften wieder sachlich, unparteiisch und objektiv berichten. Aber davon ist man dort weit entfernt. Ergo: Sinkende Einnahmen.

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