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Nur 5 bis 10 Betriebe bis 2025: MZV-Chef Henning Ecker sieht Pressegrosso vor großer Konzentrationswelle

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Das Pressegrosso steht in den nächsten Jahren vor einer massiven Konsolidierung. So soll die Zahl der Grossisten bis 2025 auf fünf bis zehn Unternehmen schrumpfen. Davon geht Henning Ecker, Chef der MZV Moderner Zeitschriften Vertrieb GmbH & Co. KG, aus. Auch die Auslieferungstage für Presseprodukte könnten dann auf drei sinken. Damit kämen vor allem Verlage wie Axel Springer mit Millionensellern wie "Bild" in Bedrängnis.

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Henning Ecker, Chef des Vertriebs-Joint-Ventures von Burda und Funke MZV, sieht Deutschlands Pressegrosso vor einer Konzentrationswelle. Der 53-jährige Geschäftsmann erwartet, dass die Zahl der Grossisten in Deutschland bis 2025 auf fünf bis zehn Gesellschaften zurückgeht. An den dann übrig gebliebenen Unternehmen hielten die Verlage eine Minderheitsbeteiligung von 24,9 Prozent. Auch die Zahl der Verkaufsstellen würde sich drastisch auf 60.000 verringern.

Zahl der Grosso-Betriebe hat sich innerhalb von 25 Jahren halbiert

Sollte sich das Szenario bewahrheiten, stünde die Branche in den nächsten Jahren vor massiven Einschnitten. Derzeit zählt der Bundesverband Presse-Grosso (Stand August) noch 36 Pressegroßhändler, die die rund 100.000 Verkaufsstellen beliefern. An diesen Unternehmen sind keine Verlage beteiligt. Hinzu kommen noch einige Grossisten mit Verlagsbeteiligung, die in der Arbeitsgemeinschaft Pressevertrieb (APV) organisiert sind. Bereits in den vergangenen 25 Jahren ist die Zahl der Grossisten deutlich rückläufig. Viele Inhaber haben ihre Betriebe verkauft, weil sie durch rückläufige Auflagen der Publikationen zunehmend unter Ertragsdruck gerieten.

“Im Kontext des fortschreitenden Wandels in der Mediennutzung und eines unvermindert hohen Drucks auf die Margen mit entsprechenden Prognosen reagieren die Pressegroßhändler vorausschauend durch verstärkte Zusammenarbeit und Konsolidierung. So hat sich die Anzahl der Grosso-Betriebe zwischen 1993 und 2018 mehr als halbiert”, begründete erst jüngst Kai-Christian Albrecht, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Pressegrosso, gegenüber MEEDIA die Entwicklung.

Scharfe Kritik an den Aussagen von Ecker
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Trotz der Fusion in der Grosso-Branche erwartet der MZV-Chef in den nächsten Jahren nicht, dass die Verlage hierdurch Vertriebskosten sparen. “Der Vertrieb wird 2025 perspektivisch teurer sein als heute”, prophezeite Ecker auf dem VDZ Distribution Summit vergangene Woche. Wie hoch der Kostenzuwachs ausfallen könnte, nannte er hingegen nicht. Doch Ecker sieht durch den Wandel des Wirtschaftszweiges noch ein weiteres Problem für die Verlage. Danach könnte sich die Zahl der Auslieferungstage auf drei verringern. Das ist zwar für den Vertrieb von Zeitschriften ausreichend. Probleme bekämen hingegen die Tageszeitungsverlage.

Besonders betroffen wäre in diesem Fall vor allem der Berliner Medienkonzern Axel Springer mit seiner täglich erscheinenden “Bild”, deren Auflage in die Millionenhöhe geht. Doch auch alle anderen Tageszeitungen kämen in die Bredouille – darunter die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. Deren Vertriebschef Stefan Buhr kritisierte die Aussagen von Ecker scharf. “Wenn sie zwei Auslieferungstage herausnehmen, dann verraten sie ein bisschen das System”, erklärte der ehemalige “Spiegel”-Manager. So sei das Pressegrosso mit seiner täglichen Belieferung gerade deswegen gegründet worden, um den Qualitätsjournalismus in Deutschland zu ermöglichen, unterstrich er.

Für den MZV-Chef gibt es zudem noch ein akutes Branchenproblem: Aktuell könnte die schwierige Lage im Pressegrosso dazu führen, dass Unternehmen in eine finanzielle Schieflage gerieten. Ecker plädierte deshalb dafür, Notfall-Szenarien zu entwickeln, falls ein Grossist in die Insolvenz schlittern sollte. Denn dadurch bestünde die Gefahr, dass Publikationen in dem Vertriebsgebiet ad-hoc nicht mehr ausgeliefert werden könnten.

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