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Die „Hamburger Morgenpost“ wird 70 – und DuMont lässt Mitarbeiter über Zukunft der Zeitung weiter im Unklaren

In wenigen Tagen feiert die Hamburger Morgenpost ihr 70-jähriges Bestehen mit einem großen Empfang im Hamburger Rathaus. Ob die Mitarbeiter dann in Feierlaune sind, ist fraglich. Denn die Zukunft der Boulevardzeitung bleibt ungewiss. So hält sich DuMont gegenüber der Öffentlichkeit und den Mitarbeitern weiterhin bedeckt, ob sich die Mediengruppe von ihren Regionalzeitungen trennt.

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Noch steht der Saal nicht fest, wo die „Hamburger Morgenpost“ im Hamburger Rathaus ihren runden Geburtstag feiert. „Die Feierlichkeiten sollen auf der Ebene der Festsäle stattfinden. Welcher Saal es ist, ist aber noch nicht festgelegt“, erklärt eine Sprecherin des Hamburger Senats auf MEEDIA-Anfrage. Etwas Zeit hierfür bleibt noch: Erst am 16. September feiert die „Mopo“, wie die Hamburger die traditionsreiche Boulevardzeitung nennen, ihr 70-jähriges Bestehen. Dazu soll es um 18 Uhr einen Empfang geben. Hierzu wurden angeblich mehr als 450 Einladungen ausgesprochen.

Ob den Machern der Zeitung allerdings zum Feiern zumute ist, ist fraglich. Denn die Zukunft ist weiterhin ungewiss. Im September wollte CEO Christoph Bauer den Mitarbeitern zumindest „ein nächstes Update geben“, ob die DuMont Mediengruppe am Verkaufsprozess festhält. Dies hatte Bauer zumindest Mitte des Jahres angekündigt. Zuvor hatten die Verleger Isabella Neven DuMont und Christian DuMont Schütte persönlich an die Mitarbeiter von DuMont um mehr Zeit und Vertrauen gebeten, da die Veräußerung der Regionalzeitungen ein „anspruchsvoller Prozess“ sei. Käme es aber dazu, sollte der Verkauf des Kerngeschäfts bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Branchenexperten glauben an eine Zerschlagung

Seither brodelt die Gerüchteküche über den Ausstieg aus dem Regionalzeitungsgeschäft. Bevorzugt will sich der Kölner Medienkonzern von allen Titeln im Paket trennen. Dazu gehören neben der „Berliner Zeitung“, der „Kölner Express“, die „Mitteldeutschen Zeitung“ und auch die „Hamburger Morgenpost“. Doch für einen Käufer allein wäre das gesamte Paket ein großer Brocken – und mit erheblichen Risiken verbunden. Schrumpfende Werbeumsätze, steigende Papierpreise und wachsende Kosten in der Zustellung dürften es einem Investor schwermachen, das bundesweit verzweigte Portfolio als Ganzes zu schlucken.

So gehen Branchenexperten davon aus, dass es eher zu einer Zerschlagung des Zeitungsreichs kommt. Dafür werden diverse Interessenten genannt. Mal gelten die beiden Medienhäuser Funke und Madsack als heiße Favoriten, die sich die Titel untereinander aufteilen wollen, mal sind auch prominente Käufer einzelner Blätter im Gespräch. Dazu gehört der Medienunternehmer Detlef Prinz. Er soll vor allem ein Auge auf die „Berliner Zeitung“ geworfen haben, heißt es.

Sollte es zu einem Verkauf kommen, stehen die Zeitungen und Druckereien vor einer großen Zäsur. Dies dürfte besonders die „Hamburger Morgenpost“ schwer treffen. „Die Mitarbeiter der ‘Mopo’ befürchten, dass bei einem möglichen Verkauf der Zeitung die Printausgabe eingestellt wird und die ‘Mopo’ nur noch digital erscheint“, erklärte Verdi-Fachbereichsleiter Martin Diekmann im Juni gegenüber MEEDIA.

„Mopo“-Belegschaft wehrt sich gegen drohenden Ausverkauf

Anlass hierfür war, dass sich die „Mopo“-Belegschaft gegen einen Verkauf stemmte. So demonstrierten die Redakteure mit großen Plakaten gegen den drohenden Ausverkauf vor dem Verlagsgebäude: „Wir sind die ‚Mopo‘! Wir sind ein Team! Wir lassen uns nicht zerschlagen.“ Sollte es nicht zum Verkauf kommen, könnte zumindest langfristig die weitere Existenz der gedruckten Ausgabe auf dem Spiel stehen. Trotz eines umfangreichen Relaunches in 2017 kann „Mopo“-Chefredakteur Frank Niggemeier den Niedergang nicht aufhalten. So sank die verkaufte Auflage im 2. Quartal 2019 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 12,81 Prozent auf 52.614 Exemplare. Sollte sich diese Entwicklung jedes Jahr fortsetzen, wäre der Bodensatz bald sichtbar.

Die Mitarbeiter der „Mopo“ sind deshalb in Sorge, wie ihre weitere Perspektive aussieht – zumal sich die Geschäftsführung zum geplanten Verkauf unverändert bedeckt hält. Fragen, wann die Gesellschafter von DuMont hierüber entschieden, lässt eine DuMont-Sprecherin offen. Hierzu betont sie lediglich auf Anfrage: „Wie Sie wissen, arbeiten wir gerade an der Ausrichtung unseres künftigen Gruppenportfolios. Dabei überprüfen wir verschiedene Optionen für unser Geschäftsfeld Regionalmedien. Dieser Prozess ist absolut ausgangsoffen: Die Möglichkeiten, die wir uns anschauen, reichen vom Behalten des gesamten Portfolios, über Verkaufsszenarien bis zu Kooperationen, Fusionen oder andere Formen der Zusammenarbeit mit Dritten.“

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