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Prozess gegen Stadtplan-Erben Falk geht weiter: Medienanwälte präsentieren Pressevertretern Entlastungskatalog

das Landgericht Frankfurt am Main
das Landgericht Frankfurt am Main

Am Dienstag wird vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess wegen Anstiftung zum Mord gegen den Erben des Stadtplan-Verlags, Alexander Falk, fortgesetzt. Zu dem Termin sollen mehrere Kollegen des Opfers vernommen werden. Indes präsentieren die Medienanwälte von Falk der Presse einen Katalog mit Theorien, warum der frühere Internetunternehmer den Mordanschlag nicht beauftragt hat und deshalb freigesprochen werden sollte.

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Die Vorwürfe wiegen schwer. Der Erbe des Stadtplan-Verlages, Alexander Falk, soll 2009 in einem Hamburger Restaurant einen Mittelsmann mit der Ermordung eines Frankfurter Rechtsanwalts beauftragt haben, der eine Millionenklage gegen ihn vorbereitet hatte. Das zumindest wirft die Staatsanwaltschaft dem früheren Internetunternehmer vor. Falk bestritt hingegen die Vorwürfe zum Prozessauftakt. “Diesen Auftrag habe ich nicht gegeben”, sagte der 50-Jährige damals in einer rund einstündigen Stellungnahme vor Gericht.

Am Dienstag nun findet der zweite Hauptverhandlungstermin statt. Dabei werden zwei Rechtsanwälte der Frankfurter Großkanzlei befragt. Sie sollen schildern, welche Rolle der am Bein angeschossene Kollege bei dem Verfahren spielte, das die Kanzlei gegen Falk anstrengte. Das Landgericht Frankfurt erklärt auf MEEDIA-Anfrage, dass in der „Strafsache heute zwei Rechtsanwälte zeugenschaftlich vernommen werden“. Indes präsentiert die Rechtsanwaltskanzlei Höcker zum 2. Prozesstag den Medienvertretern ein mehrseitiges Papier. Darin listet die Kanzlei mögliche Theorien auf, „wie es gegebenenfalls zu dem schrecklichen Anschlag auf Herrn Dr. Jäger kommen konnte“.

In dem beigefügten Dokument ist unter anderem von einer „Erpressungsfalle“ die Rede, die als „Theorie der Verteidigung“ gilt. Danach „erfolgte der Schuss auf Herrn Dr. Jäger, um ein Erpressungsmittel gegen Alexander Falk zu kreieren“. Für eine „solche Falle sprechen auch die übrigen Merkwürdigkeiten, wie die heimlich aufgenommene und später nachweislich manipulierte Tonbandaufzeichnung und das unter einem fadenscheinigen Vorwand inszenierte Treffen im „Block House“-Restaurant im September 2010 (d.h. nach der Tat!)“, heißt es in dem Dokument. Als weiteres Argument führt die Kanzlei die Theorie eines „Warnschusses“ an. Danach wollten die Erpresser, die Brüder B., Falk offenbar mit dem Schuss auf den Rechtsanwalt einschüchtern. So sei es „gut denkbar, dass zumindest mittelbar auch Alexander Falk selbst gewarnt werden sollte, frei nach dem Motto: „Wie Du siehst, sind wir zu allem fähig und wenn Du jetzt nicht tust, was wir Dir sagen, sind das nächste Mal Du, Deine Frau oder Deine Kinder dran!“. Genauso hat Herr Falk den Schuss dann auch tatsächlich aufgefasst. Er hat ihn massiv eingeschüchtert. Er musste nach dem Eintreffen der ersten Erpresserbriefe nun ernsthaft um Leib und Leben seiner ganzen Familie fürchten“, argumentiert die Kanzlei.

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Falk sitzt seit September vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Für den früheren Shooting-Star der New Economy ist es nicht das erste Gerichtsverfahren in seinem Leben. Anfang des Jahrzehnts machte man ihm bereits wegen versuchten Betrugs den Prozess. Dafür musste er mehrere Jahre ins Gefängnis. Der Hintergrund: Falk hatte von seinem Vater den bekannten und gleichnamigen Stadtplan-Verlag geerbt, der wegen seiner speziellen Falttechnik bei Autofahrern besonders beliebt ist. Doch der Geschäftsmann wollte höher hinaus. Er verkaufte das Unternehmen an den Gütersloher Medienriesen Bertelsmann. Mit dem Geld gründete er mehrere Unternehmen, darunter die Ision AG. Mit dem Verkauf der Gesellschaft wollte er Kasse machen. Um einen möglichst hohen Preis zu erzielen, schönte er den Wert der Gesellschaft durch Scheingeschäfte. Er veräußert die Firma für 812 Millionen Euro an ein britisches Unternehmen. Doch dieses ging kurz darauf pleite und verklagte Falk wegen Bilanzfälschung und Betrug. Das Amtsgericht Hamburg verurteilte ihn zu vier Jahren Haft. 2011 kam er nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe vorzeitig frei. In einem Zivilprozess wurde Falk zudem zur Zahlung von mehr als 200 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt.

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