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Fake-Leserbriefe: So haben zwei Grüne Lokalpolitiker die “Kieler Nachrichten” reingelegt

So berichten die “Kieler Nachrichten” über die Fake-Leserbriefe zweier Lokalpolitiker
So berichten die "Kieler Nachrichten" über die Fake-Leserbriefe zweier Lokalpolitiker

Zwei Grünen Politiker aus dem schleswig-holsteinischen Städtchen Schwentinental haben zugegeben, unter falschen Namen mehrere Leserbriefe an die "Kieler Nachrichten" geschickt zu haben. Die Briefe wurden teilweise auch veröffentlicht. Nach wochenlangen Recherchen kam die Redaktion den Fälschungen auf die Schliche.

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Dennis Mihlan, Bürgervorsteher und Kreistagsabgeordneter der Grünen, und Grünen-Fraktionschef Andreas Müller aus Schwentinental haben laut “Kieler Nachrichten” unter den Namen “Walter Stängel” und “Bernd Seiler” seit Mai 2018 fünf Leserbriefe bei der Zeitung eingereicht. Drei der Briefe wurden veröffentlicht. Die Briefe befassten sich mit Kritik an der Stadtverwaltung, am parteilosen Bürgermeister Michael Stremlau, an CDU und SPD, an den Stadtwerken, dem Freibad – und sie bemängelten ironischerweise Intransparenz.

Zuletzt sei am 22. Juli ein Schreiben von “Walter Stängel” eingetroffen, in dem ein Interview der “Kieler Nachrichten” mit Stadtwerke-Geschäftsführer Jens Wiesemann kritisiert wurde. Dabei sind der Redaktion sprachliche Ähnlichkeiten mit Pressemitteilungen und öffentlichen Anträgen der Grünen aufgefallen. Die Redaktion begann zu recherchieren.

Bald war klar, dass es den Leserbriefschreiber “Walter Stängel” nicht gibt. Über ein Chat-Forum und ein eBay-Profil führte die Spur zum Grünen-Politiker Dennis Mihlan. Laut “Kieler Nachrichten” war auch ein Fake-Facebook-Profil für “Walter Stängel” angelegt, das mittlerweile gelöscht wurde. Zunächst bestritt Mihlan, Autor der Briefe zu sein. Er gab an, die Briefe zwar nicht geschrieben zu haben, einen “Walter Stängel” aber zu kennen.  Später erklärte er gegenüber der Redaktion, “Walter Stängel” sei das Pseudonym eines politisch interessierten Schwentinentalers, der Angst habe, Leserbriefe unter seinem eigenen Namen zu veröffentlichen.

Am Montag dieser Woche habe Mihlan dann aber zugegeben, doch Autor der Leserbriefe zu sein. Gleichzeitig gab der Grünen-Fraktionschef Müller zu, sich den Namen “Bernd Seiler” ausgedacht zu haben, um seine Meinung zum Thema freies WLAN in Leserbriefen zu äußern. Beide hätten sich bei der Redaktion entschuldigt, so die “Kieler Nachrichten”. Mihlan habe zudem in einer Mail Reue gezeigt: “Nach all dem Chaos und nachdem uns offenbar wurde, was wir da eigentlich verzapft haben, sind wir nun zu dem Entschluss gekommen offen zu sein und die sich anbahnende Götterdämmerung über uns einbrechen zu lassen. Das fällt allemal leichter, als weiter damit zu leben.“

Die “Kieler Nachrichten” veröffentlichen keine Leserbriefe von Politikern. Die Leserbrief-Rubrik sei Lesern und Bürgern vorbehalten, die kein politisches Amt bekleiden, so die Zeitung. Nach Bekanntwerden der Leserbriefe unter falschen Namen, haben mehrere Politiker anderer Fraktionen den Rücktritt von Mihlan und Müller von ihren Ämtern gefordert. Auch der örtliche Kreisverband der Grünen hat die Aktion der beiden kritisiert.

swi

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Alle Kommentare

  1. Es ist eine reine Definitionsfrage. Man muss sich nur als “Guter” definieren, dann darf man alles. Zum Beispiel gegen Gesetze verstoßen (z.B. gegen Völkerrecht).
    Verprügelt man auf einer Demo einen Polizisten, qualifiziert man sich dafür, später Bundesaußenminister zu werden, nimmt man 100.000 DM Schwarzgeld an, qualifiziert man sich, später Bundesfinanzminister zu werden, posiert man vor einem Plakat auf dem steht “Deutschland verrecke”, qualifiziert man sich dafür, später Parlamentsvizepräsidentin zu werden. Das dürfen nur die “Guten”, wie gesagt, es ist eine Definitionsfrage.

    1. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Völkerrecht und dem innerstaatlichen Recht besteht im Fehlen eines kompakten Kodex’, eines zentralen Gesetzgebungsorgans, einer umfassenden, hierarchisch strukturierten Gerichtsbarkeit und einer allzeit verfügbaren Exekutivgewalt zur gleichförmigen Durchsetzung völkerrechtlicher Grundsätze. Das klassische Völkerrecht wird den Staaten nicht aufgezwungen, sondern stellt eine Koordinationsordnung zwischen ihnen dar.

  2. Es ist Zeit für eine neue Ehrlichkeit: Jawohl, auch ich habe schon unter Pseudonym gepostet. Ob das nun „Fake-Leserbriefe“ waren, mögen andere beurteilen.

  3. Die Grünen zeigen immer neue Seiten, je näher sie der Macht kommen. In Brandenburg wurden die Kommunalwahlen gefälscht – Stimmen für die AfD auf den Grünen-Stapel gelegt – in Kiel wird unter falscher Flagge Stimmung gemacht.

  4. “Hereinlegen” finde ich auch unpassend. Das Wort erschien mir schon unpassend beim Bericht über Klaas und Will Smith. Ich vermute, die Wortwahl liegt am begrenzten Wortschatz des Autors.

    1. „reingelegt“? Wer ist eigentlich „Jesus“? Aber was soll’s, AfD-Politiker schreiben möglicherweise zwar keine Leserbriefe unter falschen Namen, dafür aber verfassen sie Fake-News gleich selbst in ihren Social-Media-Accounts.

  5. Sollten schon wegen Dämlichkeit zurücktreten, die beiden.

    Eine viel wichtigere Frage: “Die Kieler Nachrichten veröffentlichen keine Leserbriefe von Politikern.” Ist ein solches Selektionsprinzip vereinbar mit der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit, auf deren Boden dieselbe Zeitung arbeitet? Ist es rechtens, einen Bürger, nur weil er sich in einer politischen Partei engagiert, zu einem Leser und Diskussionsteilnehmer zweiter Klasse zu machen? Ist es mit dem Pressekodex vereinbar?

    Das ist eine Frage, zu der ich mir eine Stellungnahme vom Deutschen Presserat wünschen würde.

    1. Würde das auch gelten, wenn solche Leserbriefe von Politikern aus dem Lager der AfD oder weiter rechts kommen?

  6. “Hereinlegen” ist ein sehr freundlicher Begriff für diesen unehrenhaften Betrug am Leser (und nicht an der Zeitung!). Wer seinen Hintergrund als Politiker nicht offenbaren kann oder will, sollte sich der Politik enthalten. Aber so sind sie, die moralisch Hochstehenden: Ihnen kann zum Erreichen ihres Ziels jedes Mittel recht sein.

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