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Offizielle Bestätigung: Moritz Döbler verlässt den “Weser-Kurier” und geht zur “Rheinischen Post”

Moritz Döbler
Moritz Döbler

Jetzt offiziell: Der Chefredakteur des Bremer "Weser-Kuriers" ("WK"), Moritz Döbler, wechselt spätestens zum neuen Jahr an die Spitze der "Rheinischen Post" ("RP") in Düsseldorf. Beide Verlage bestätigten entsprechende MEEDIA-Informationen. Der 54-jährige Döbler wird Nachfolger von "RP"-Chef Michael Bröcker, der zu Media Pioneer nach Berlin geht. Eva Quadbeck, bisher Leiterin der "RP"-Parlamentsredaktion in Berlin, wird stellvertretende Chefredakteurin neben Horst Thoren.

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Von Eckhard Stengel

Mit Moritz Döbler verliert die Bremer Tageszeitungen AG (BTAG) nicht nur den presserechtlich verantwortlichen “WK”-Chefredakteur, sondern auch eines von zwei Vorstandsmitgliedern. Döbler hatte nämlich Anfang des Jahres zusätzlich zur Redaktionsleitung einen frei gewordenen BTAG-Vorstandsposten übernommen. Seine beiden Ämter legt er nun bereits zum kommenden Sonntag nieder. Spätestens zum 1. Januar 2020 beginnt dann seine neue Tätigkeit bei der “RP”. In der Übergangszeit will er dem “WK” noch zur Verfügung stehen, “um einen guten Übergang zu ermöglichen”, wie es in der BTAG-Erklärung heißt.

Döblers Wechsel, der für die Belegschaft völlig überraschend kam, wird in der BTAG-Erklärung damit begründet, dass der seit 2015 amtierende Chef eine “neue berufliche Herausforderung” annehmen wolle. Die Entscheidung sei “im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat” gefallen. Der Vorsitzende des Gremiums, Jochen Becker, teilte mit: “Wir bedauern die Entscheidung von Herrn Döbler und hätten die Zusammenarbeit gerne fortgesetzt. Wir danken ihm für seinen herausragenden journalistischen und unternehmerischen Einsatz für unser Haus.”

Johannes Werle, Vorsitzender der Geschäftsführung der “RP”-Mediengruppe, kommentierte den Neuzugang mit den Worten, Döbler sei ein “profilierter, erfahrener Journalist mit unternehmerischer Denke”, der “unser Haus bereichern” werde. Auch der “RP”-Aufsichtsratschef Felix Droste lobte Döbler als “hervorragenden Journalisten”, der die “Rheinische Post” bei Print und Digital “zukunftsorientiert weiterentwickeln” werde. Werle und Droste dankten ferner dem scheidenden Chefredakteur Bröcker für seine “exzellente Arbeit”. “Er hat die Rheinische Post über das Verbreitungsgebiet hinaus als meinungsbildende, hoch geschätzte Tageszeitung gestärkt und wichtige Akzente im digitalen Bereich gesetzt.”

Döbler selbst wollte sich auf MEEDIA-Anfrage nicht äußern. Die beiden Verlage zitieren ihn mit den Worten, dass er “mit Freude und Stolz” auf seine Bremer Tätigkeit zurückblicke und sich auf die künftige Zusammenarbeit “mit einer herausragenden Redaktion” freue. Die “RP” sei eine “exzellente Medienmarke mit bundesweiter Relevanz und besonderer regionaler Verankerung, die im Digitalen alle Chancen hat.”

In der Tat bedeutet Döblers Wechsel zur “RP” für ihn einen weiteren Karriereschritt. Der “WK” (verkaufte Auflage: 130.000 Exemplare) hat zwar einen guten Ruf als Regionalzeitung, aber die “RP” findet bundesweit mehr Beachtung und hat mit über 280.000 Exemplaren eine mehr als doppelt so hohe Auflage.

Döblers Werdegang

Seinen künftigen Einsatzort Düsseldorf kennt Döbler bereits aus alten Tagen: Geboren wurde er zwar in Wuppertal, aber in seiner Kindheit lebte er einige Monate am Rhein. Er wollte schon früh Journalist werden, absolvierte die Henri-Nannen-Journalistenschule, studierte zusätzlich Betriebswirtschaft, arbeitete als Pressesprecher für die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam, als Redakteur bei den Nachrichtenagenturen dpa und Reuters und schließlich als Geschäftsführender Redakteur beim Berliner “Tagesspiegel”.

Im Januar 2015 wechselte der verheiratete Vater eines Sohnes von der Spree an die Weser. Als neuer “WK”-Chefredakteur krempelte er die führende Zeitung Bremens behutsam, aber sichtbar um. Der Aufmacher auf der Titelseite befasst sich seitdem nicht mehr mit der großen Politik, sondern mit lokalen Themen. Für den überregionalen Teil lässt sich das Blatt einzelne Berichte oder ganze Seiten vom Tagesspiegel und vom Redaktionsnetzwerk Deutschland zuliefern.

Üppig bebilderte Doppelseiten zu Einzelthemen lockern regelmäßig das Blatt auf. Mehrseitige Dossiers behandeln Themenkomplexe wie Migration oder das Leben auf dem Lande. Mit solchen und ähnlichen Zusatzangeboten konnte der modernisierte “WK” in den vergangenen Jahren manche Journalistenpreise ergattern.

Umorganisiert wurde auch die Redaktion: Die einzelnen Ressorts planen nicht mehr selber ihre Seiten, sondern liefern ihre Texte an den zentralen Newsdesk, der daraus die Zeitungs- und Onlineseiten zusammenstellt.

Döbler hat den „Weser-Kurier“ auch jenseits der Berichterstattung sichtbarer gemacht: Die Zeitung veranstaltet regelmäßig Talk-Shows (“Weser-Strand”) in einer Gaststätte und organisiert auch mal eine ganze Konferenz (“Auto Digital”).

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Fehlschlag “Mein Werder”

Ein ziemlicher Fehlschlag war die Einführung eines Spezialangebots für Fußballfans: Die BTAG baute eine eigene Redaktion für Themen rund um den Bundesligisten Werder Bremen auf – mit dem irreführenden Namen “Mein Werder”, der den Eindruck eines vereinseigenen Angebots erweckte. Kein Wunder, dass kaum ein Werder-Fan dafür zahlen wollte, als Teile der App kostenpflichtig wurden. Keine zwei Jahre nach Beginn des bundesweit beachteten Projekts hat der Verlag die bis zu 13-köpfige “Mein-Werder”-Redaktion inzwischen mehr als halbiert. Zu groß waren die Verluste, zu gering die Hoffnung auf Besserung.

Mit Döblers Namen wird auch eine ungewöhnliche Sprachregelung verbunden bleiben: Nach dem Vorbild einiger ausländischer Medien begann der “WK” 2015 damit, die Terrororganisation “Islamischer Staat” nicht mehr mit ihrem selbstgewählten Namen zu bezeichnen, sondern nur noch “Daesch” zu nennen – ein abwertender Begriff aus dem Arabischen. Vorsichtshalber ergänzte die Redaktion jeden einschlägigen Artikel mit dem Hinweis: “Der Weser-Kurier verwendet den Begriff ‘Islamischer Staat’ nicht, weil diese Terrorgruppe weder religiös motiviert noch ein Staat ist. Wir sprechen wie ihre Gegner von Daesch.” Doch nach knapp drei Jahren verließ die Redaktion ihren Sonderweg: “Es hat immer weniger Sinn, eine Terrormiliz, die an Bedeutung verliert, ständig mit einer erklärungsbedürftigen Namensgebung hervorzuheben.”

Wer jetzt Döblers Nachfolge antreten könnte, scheint noch völlig unklar zu sein. Eigentlich steht Döbler nicht allein an der Spitze der Redaktion, denn neben ihm arbeitet auch noch die Chefredakteurin Silke Hellwig. Sie ist aber nicht presserechtlich verantwortlich und konzentriert sich auf das Schreiben von Kommentaren und Analysen. Bis 2014 war sie noch alleinige Chefin. Aber dann entmachtete der Verlagsvorstand sie wegen ihres schroffen Führungsstils: Sie bekam einen weiteren, zunächst kommissarischen Chefredakteur an die Seite gestellt, der ihr das Tagesgeschäft und die presserechtliche Verantwortung abnahm. Dieses Konstrukt lief dann auch nach Döblers Amtsantritt 2015 weiter. Schwer vorstellbar, dass Silke Hellwig die Redaktion künftig wieder allein leiten soll.

Im BTAG-Vorstand war Döbler seit Jahresbeginn unter anderem für die Redaktion, für Finanzen und Personalwesen zuständig. Denkbar wäre, dass der verbleibende Vorstand David Koopmann diese Aufgabenbereiche mit übernimmt. Er kümmert sich bisher vor allem um Vermarktung, Druck und Logistik.

Schwere Zeiten beim “WK”

Zählt man zwei kommissarische Chefredakteure mit, dann war Döbler bereits der fünfte Redaktionsleiter seit der Pensionierung des langjährigen Chefredakteurs Volker Weise 2009. Bald nach Döblers Abgang wird auch der Posten seines Stellvertreters frei: Marcel Auermann, zugleich Digital- und Lokalchef, geht nach Informationen von MEEDIA zum 1. Januar als Chefredakteur zur Mediengruppe HCSB, die Tageszeitungen in Hof, Coburg, Suhl und Bayreuth verlegt.

Schwierige Zeiten also für den “Weser-Kurier”, bei dem es ohnehin schon länger kriselt – nicht nur wegen des branchentypischen Auflagenrückgangs, sondern auch, weil die beiden Eigentümerfamilien untereinander verfeindet sind.

Zumindest bei einer Sparte des Unternehmens geht es spürbar aufwärts: Mitte 2018 führte der “WK” einen Fahrradverleih ein: “WK Bike”. Kurz nach dem ersten Geburtstag wurde bereits die 100.000. Ausleihe registriert. Bald dürfte die Zahl der gebuchten Fahrten pro Jahr die tägliche Auflage des Blattes überholen.

UPDATE, 28.8.19: Am Mittwoch berichtete der “Weser-Kurier”, dass Hellwig als “journalistisch profilierte Chefredakteurin” zum 1. September auch die presserechtliche Verantwortung übernehme. Ob dies als Dauerlösung gedacht ist, ließ die Zeitung offen.

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