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“Der Spiegel” und sein “Projekt Orange”: neue Struktur, neuer Markenauftritt, neues Redaktionssystem

Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann
Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann

Der geplante Relaunch des digitalen Auftritts des "Spiegel" rückt näher. Bereits zur Dmexco im September will das Verlagshaus den frisch renovierten Online-Auftritt der Medienöffentlichkeit präsentieren – unter anderem mit neuen Formaten. Auch die Arbeit der Redaktion verändert sich. Erstmals sollen Print- und Web-Redakteure gemeinsam in ein neues Redaktionssystem schreiben, um Artikel bei Bedarf schneller online zu stellen.

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Tropische Temperaturen, blauer Himmel – die Voraussetzung für das heutige Sommerfest des Hamburger Spiegel-Verlags könnten nicht besser sein. Noch ein Grund zum Feiern für die mehr als 900 Teilnehmer: Seit einem Jahr arbeiten sie beim “Spiegel” an der integrierten Print/Online-Redaktion. Online- und Printredaktion stehen nun kurz davor, zur neuen Gemeinschaftsredaktion zu verschmelzen. Dazu will das Unternehmen im September seine Organisation umkrempeln. Alle Ressorts des Print-“Spiegel” und von “Spiegel Online” werden zusammengelegt – eine historische Zäsur, hatten die beiden Sparten doch jahrelang – zu unterschiedlichen Bedingungen – eher nebeneinander statt miteinander gearbeitet. Doch jetzt ist Projekt “Orange”, das die Redaktion hausintern scherzhaft auch “Agent Orange” nennt, zumindest in einer ersten Ausbaustufe abgeschlossen. Dazu gehört, dass die Onliner Teil der Mitarbeiter-KG werden. So steigen bereits die ersten 30 Redakteure zum 1. September zu stillen Gesellschaftern auf.

Mit der Neuausrichtung rücken der gedruckte Spiegel und das Webportal enger zusammen – auch optisch. So verschwindet künftig Spiegel Online als Name. An die Stelle tritt “Der Spiegel”. Damit bekommen das Printprodukt und das Webportal einen einheitlichen Markenauftritt. Zugleich plant Chefredakteur Steffen Klusmann, den Online-Auftritt zu relaunchen. Die für 2020 geplante Frischzellenkur nimmt schon konkrete Formen an. Bereits am 11. September will der Verlag an der Ericusspitze das neue Webportal der Medienöffentlichkeit und Werbetreibenden präsentieren. Dies kündigte gestern Vermarktungschef Andre Pätzold unter anderem gegenüber Werbekunden an. Experten erwarten diverse Neuerungen – darunter neue Formate. Erstmals gibt es zudem ein gemeinsames Impressum. Gesellschaftsrechtlich jedenfalls gibt es bereits seit einigen Tagen die Spiegel Online GmbH & Co. KG nicht mehr. Jetzt firmiert der Unternehmensteil laut Handelsregister unter Der Spiegel GmbH & Co. KG.

Chefredakteur Klusmann hat zudem die Struktur in der Redaktion geändert. So wurden vier Ressorts (Politik Berlin, Wirtschaft, Kultur und Sport) innerhalb des Hauses zusammengezogen. Sie haben jetzt gemeinsame Büros. Mit der Verschmelzung ändert sich auch die Arbeitsweise in der Redaktion. Künftig sollen die Journalisten in ein neues Redaktionssystem schreiben. Damit will Klusmann leichter auf aktuelle Geschehnisse reagieren, um Berichte wenn möglich schneller online abzusetzen. Zugleich sind mit dem neuen Contentsystem wohl auch die Printredakteure stärker gefordert, mehr Artikel für den digitalen Auftritt zu schreiben, heißt es in “Spiegel”-Kreisen. Damit setzt der frühere “FTD”-Chefredakteur seine Ankündigung um, die “Spiegel”-Produkte “härter und nachrichtenstärker” zu machen. Dieser Anspruch könnte den Absatz des gedruckten Mediums beflügeln. Hier war die hart verkaufte Auflage (EV + Abo) im 2. Quartal 2019 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal leicht auf 530.324 Exemplare gesunken.

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Eine Spiegel-Sprecherin bestätigt auf Anfrage von MEEDIA, dass der Verlag den Online-Relaunch im September auf der Dmexco vorstellen will. “Öffentlich wird der Neuauftritt tatsächlich Anfang 2020, wie ja bereits angekündigt”, so eine Unternehmenssprecherin. Und fügt hinzu: “Im Zuge der Fusion der Redaktionen von ‘Der Spiegel‘ und Spiegel Online planen wir für das Frühjahr 2020 einen einheitlichen Auftritt unter der Dachmarke ‘Der Spiegel‘. Dieser Schritt ist auch folgerichtig, weil wir publizistisch Heftinhalte und Online-Inhalte weiter verzahnen wollen und weil wir die Markenfamilie insgesamt neu aufsetzen werden.“ Zu einem neuen Redaktionssystem äußerte sich die Sprecherin nicht.

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Alle Kommentare

  1. Dass zum 1.9. 30 Onliner stille Gesellschafter werden, ist nicht wahr. Bitte besser recherchieren, danke!

  2. Ach so………………..und der ganze, weitere Relotiusspaß bleibt so?

    Gute Nacht Marie

    1. Der Spiegelleser checkt das eh nicht. Der will das auch alles gar nicht so genau wissen. Spiegel kauft man um Haltung zu zeigen, liest ein bis zwei Artikel drauß und legt ihn dann auf dem Klo aus:D

  3. Nach allen Erfahrungen wird das “Projekt Orange” bzw. “Agent Orange” beim Spiegel wieder in einer “(Medien-) Blase Orange” enden…..

  4. Ich sehe den Spiegel auf einem guten Weg. Wenn er Kontente und Formate kraftvoll relaunscht, wird das eine Supersache. Hoffentlich schreiben ganz viele Redakteure diversester Gender ganz viel über ihren spannenden Alltag und äussern ihre persönlichen, höchst interessanten Meinungen, die vielen Menschen inzwischen historische Leitsterne auf allen Wegen sind. Über das Frau-Sein, über geile Tricks bei Bewerbungsgesprächen, über Trump, Trump & Trump, überhaupt maximal viel über Amerika (denn was sind 50 bei einem Attentat ermordete afghanische Hochzeitsgäste gegen 21 abgeknallte US-Bürger), über nervende WG-Bewohner und die Karrierepläne unserer lieben Politiker. Und natürlich über Faltencremes und heisse Autos, die sie nie gefahren haben („Tom Grünweg: Was sagt der Hersteller?“).

    Ich erinnere mich an den Wortlaut eines lebensnahen, mitreissenden Textes aus der Feder ihres in Ehren (sagt man so?) ergrauten Weltklasse-Reporters Fichtner: „Eine fürchterliche alte Hexe in Gestalt einer gut situierten Hamburger Rentnerin trat vor ihre Haustür, als ich gerade wieder eine unverschlossene Mülltonne ,befüllt’ hatte. Sie krächzte: ,Sie haben da was reingetan!‘“ (14. Juni 2016)

    Ja, sie haben da was reingetan: So könnte auch das kontentmäßig formatierte Erfolgsrezept des Spiegel 2.0 lauten. Das Heft ,befüllen‘ und zugleich mit avancierten Systemen eine personell verzahnte Online-Füllung in Echtzeit mit Gewinnbeteiligung bewerkstelligen. Ich zumindest bin sehr optimistisch.

    1. Wenn Sie sich an einzelne Sätze aus 2016 erinnern müssen … Sie haben da eine recht stramme Obsession, oder?

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