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Vapiano & Co.: Wenn Unternehmen Journalisten von Hauptversammlungen ausschließen

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Foto: Fabian Sommer/dpa

Die Restaurantkette Vapiano hat auf ihrer Hauptversammlung am Mittwoch Medienvertreter nicht zugelassen. Journalisten- und Aktionärsvereinigungen sind entsetzt. Sie meinen, dass die Pizza- und Pasta-Kette mit der Maßnahme ihrem Unternehmensimage mehr schade als durch die negative Berichterstattung über die schlechte Geschäftsentwicklung. Vapanio ist aber kein Einzelfall.

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Hohe Verluste, ein abrupter Wechsel an der Vorstandsspitze, der Aktienkurs im freien Fall – die kriselnde Restaurantkette hat es derzeit schwer, bei Anlegern und Investoren Vertrauen zu schaffen. Doch auch in der Öffentlichkeitsarbeit gibt die börsennotierte Gesellschaft kein gutes Bild ab. Sie verbot Pressevertretern am Mittwoch, an der Hauptversammlung im Kölner Dorint Hotel teilzunehmen. Vapiano selbst rechtfertigt den Schritt vor allem mit einem überfüllten Konferenzsaal. “In den letzten Tagen direkt vor der Hauptversammlung, in denen Änderungen hinsichtlich der Planung bereits nicht mehr möglich waren, haben wir viele kurzfristige Anfragen für Presse- und Gästekarten erhalten. Um einen ordnungsgemäßen Ablauf der Hauptversammlung für alle rechtzeitig angemeldeten Aktionäre garantieren zu können, hat sich die Gesellschaft dazu entschieden, alle Anfrage gleichermaßen zu behandeln und diesen nicht nachzukommen”, erklärt eine Vapiano-Sprecherin auf Anfrage von MEEDIA.

“Kein closed Shop”

Bei den Journalisten- und Aktionärsvereinigungen kommt die Maßnahme allerdings nicht gut an. “Die Hauptversammlung eines Unternehmens mit großer Außenwirkung ist kein closed shop. Deshalb sollte für Vapiano das gleiche gelten wie für andere Unternehmen auch: Journalisten müssen die Gelegenheit zur Berichterstattung bekommen“, sagt Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalistenverbands (DJV), gegenüber MEEDIA. Nach Ansicht von Zörner schadet das Unternehmen mit dem Vorgehen seinem Image “auf jeden Fall dann, wenn Medien die restriktive Haltung von Vapiano gegenüber Journalisten thematisieren”.

Auch die Aktionärsvereinigungen halten den Schritt der Pizza- und Pasta-Kette für falsch. Darunter die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): “Die DSW hält nichts davon, Journalisten von einer Hauptversammlung auszuschließen. Zwar ist eine AG zu einem solchen Schritt rechtlich durchaus berechtigt, doch eine transparente Firmenpolitik sieht eindeutig anders aus”, so ein Sprecher gegenüber MEEDIA. Vor allem für den Ruf des Unternehmens ist dies nicht förderlich. “Eine solche Maßnahme hat durchaus das Potenzial, das Firmenimage zu schädigen. Neben die Berichterstattung über den (im Falle von Vapiano alles andere als erfreulichen) Geschäftsverlauf tritt ja zusätzlich die öffentliche Thematisierung des Ausschlusses der Presse. Aus einer schlechten Nachricht werden so im Handumdrehn zwei”, erklärt er und fügt hinzu: “Und während die Zahlen sind wie sie sind, kann über die eigentlichen Gründe des Ausschlusses zudem noch munter spekuliert werden.”

“Keine Persönlichkeitsrechte bedroht”

Ähnliche Töne schlägt auch die SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. an: “Wir halten in dem Fall gar nichts davon, da keinerlei schützenswerte Rechte beziehungsweise Persönlichkeitsrechte bedroht worden wären, hätte man die Presse zugelassen. Die Gesellschaft ist eine öffentlich gelistete Gesellschaft und benötigt somit auch die Öffentlichkeit, um neue Investoren zu gewinnen. Ferner hätte man die Veranstaltung auch nutzen können, um Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten zu beruhigen“, so ein Sprecher. Dieses Vorgehen wirke sich daher schlecht auf das öffentliche Bild des Unternehmens aus: “Die negativen Berichte gibt es sowieso, da einige Pressevertreter immer anderweitig Zugang bekommen. Und der Ausschluss der Presse öffnet damit ein weiteres Fass für negative Berichterstattung.”

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Vapiano ist kein Einzelfall. Immer wieder untersagen börsennotierte Gesellschaften Pressevertretern, an Aktionärstreffen teilzunehmen. Dazu gehörte die börsennotierte LEG Immobilien AG, mit mehr als 130.000 Einheiten einer der größten Bestandshalter von Wohnimmobilien in Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen schloss erst im Mai Journalisten von ihrer Hauptversammlung aus. Die Begründung der Öffentlichkeitsarbeit: “Wir freuen uns immer über das Medieninteresse an unserem Unternehmen, und eine transparente Kommunikation gehört selbstverständlich dazu. Bisher haben wir Journalisten daher schlicht aus mangelnder Nachfrage nicht zu unserer HV eingeladen”, so eine Sprecherin. So habe es in den Jahren seit Börsennotierung der LEG lediglich eine Anfrage gegeben, über die HV zu berichten. “Unsere Erfahrung zeigt insgesamt, dass die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen von Journalisten aus Zeit- und Kostengründen leider zurückgegangen ist. Sollte sich dieser Trend wieder einmal umkehren, werden wir unser Angebot gerne entsprechend erweitern”, so die Sprecherin. Zwei Tage vor der HV hatten allerdings noch Mieter gegen den Kurs des Unternehmen öffentlich protestiert. Sie warfen dem Konzern vor, dass die LEG Immobilien AG die Mieten nach oben treibe, um den Aktionären eine überzogene Dividende zu zahlen.

Einschränkungen für Ton- und Filmaufnahmen

Auch andere Branchen sind betroffen. Erstmals hat in diesem Jahr der Waffenhersteller Heckler & Koch Journalisten erlaubt, die Hauptversammlung zu besuchen. Bisher hatte das Unternehmen die Teilnahme von Medienvertretern untersagt, bestätigt ein Sprecher des Unternehmens. Im vergangenen Jahr wollte die Fluggesellschaft Ryanair Journalisten nicht bei der Hauptversammlung in Dublin dabei haben, was sich hierzulande in der Medienberichterstattung niederschlug. “Journalisten bei Aktionärsversammlung von Ryanair ausgeschlossen” titelten Online-Seiten beispielsweise der “Schweriner Volkszeitung”.

Besonders gern schränken Dax-Unternehmen die Berichterstattung ein. “Vor allem Dax-Unternehmen verweigern Fernsehteams gern den Zugang zu Hauptversammlungen und bieten ihrerseits Medien Bildmaterial an. Jedoch dürfen Journalisten an den Veranstaltungen teilnehmen, nur eben nicht filmen. Das ist schon schlimm genug”, so DJV-Sprecher Zörner. Der Bayerische Journalistenverband hatte bereits vor Jahren in einer Umfrage festgestellt, dass fast jedes der 30 Mitgliedsfirmen im Deutschen Aktienindex (Dax) die Berichterstattung über Hauptversammlungen einschränkt, vor allem für Ton- und Bildaufnahmen.

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Alle Kommentare

  1. Eine Aktie kaufen (in Zahlen: 1), schon ist man drin. Die kostet bei diesen Losern keine zehn Euro. Dafür gibt’s dann sogar noch einen Kaffee umsonst.

  2. Ach, man kann sich doch mit einer gewissen Genugtuung darauf einstellen, dass der Markt diese Angelegenheit in nichtallzu langer Zeit bereinigen wird.

    Lausiges Konzept, ewiges Schlangestehen wie in Kasachstan 1951, dafür satte Preise, Kantinenatmosphäre, obendrein noch schlechte Bezahlung der Mitarbeiter und ein Management, das entweder selbstbegeistert ist oder hilflos oder beides. Was soll den aus so einem Unternehmen noch werden? Das will ja nicht einmal jemand übernehmen.

    Schade für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber die werden wohl schnell etwas Neues finden und sich dabei nicht verschlechtern. Nicht so besonders schade für die Eigentümerinnen und Eigentümer, denn die haben den Globalgrößenwahn für viele Jahre zugelassen oder sogar gestärkt. Wenn’s dann weg ist – ab und zu funktioniert er mal, der Kapitalismus.

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