Partner von:
Anzeige

Ein Medium ist nicht genug: Jan Fleischhauer bei bunte.de, Gabor Steingart in der “Welt”

winterbauers-woche.jpg

YouTuber Rezo hat was über Zeitungen gesagt und die Altherren-Medien bekommen kollektive Schnappatmung. Ein "stern"-Autor findet, man soll nicht immer so "verbissen-akribisch" herumprüfen. True Fruits-Werbung verleitet zum Aktivismus und Gabor Steingart und Jan Fleischhauer sind einfach zu gut für ein einziges Medium. Die Kolumne zum Wochenende.

Anzeige

OMFG! Lol, ey usw. Er hat es schon wieder getan! Nach der CDU hat YouTube-Gott Rezo in dieser Woche “die Zeitungen” zerstört. So oder so ähnlich war es jedenfalls in diversen Artikeln zu lesen. YouTuber Rezo war zu Gast in der YouTube-Show “Space Frogs”. Die beiden Gastgeber, ein Rick und ein Steven (war in der Folge meist hinter der Kamera), konfrontierten Rezo mit einigen Ausgaben der “Bild”-Zeitung. YouTuber wagten eine Expedition ins Print-Reich und sie waren shocked! Diese Alte-Leute-Medien drucken doch tatsächlich das Fernseh- und das Kino-Programm ab! Voll linear, Alter! Und dann berichten diese Boulevardmedien auch noch über so privates Zeug wie die Hochzeit von Heidi Klum … was einschlägige Online-Medien ganz sicher nie, nie, nie machen würden. *Zwinkersmiley*

Am Ende monierte Rezo noch, dass die Printmedien sich zu wenig gegenseitig kritisieren würden, obwohl er das anscheinend gar nicht weiß, weil er sie ja bekennendermaßen nicht liest. Das Video war einerseits ganz lehrreich, weil einem als mittelalter white Dude vor Augen geführt wurde, wie fremdartig Print-Medien für Millennials tatsächlich sind. Andererseits machen Rezo und die Frogs auch genau dasselbe, was sie den Altherren-Medien vorwerfen: Sie urteilen pauschal und vorschnell, ohne die andere Seite angeschaut zu haben. Die “Frogs” haben noch ein Folge-Video veröffentlicht, in dem sie erklären, wie sie das alles gemeint haben, nämlich gar nicht so.

Alte Regel, die vielleicht auch für neue Medien gilt: Wenn man hinterher groß erklären muss, wie etwas vorher gemeint war, dann war was mit der ursprünglichen Message faul. Grüße an dieser Stelle auch an AKK und DJV-Präsi Frank Überall!

+++

Wobei mittlerweile manche Altmedienvertreter einen Ton am Leib haben, dass man meinen könnte, sie haben ihr Journalisten-Diplom an der YouTube-Akademie gemacht. Auftritt Kester Schlenz bei stern.de. Beim Gruner+Jahr-Qualitätsportal hat Herr Schlenz einen Meinungstext zu den Plagiats-Problemen der SPD-Familienministerin Franziska Giffey veröffentlicht. Die Arbeit des Online-Kollektivs VroniPlag, das schon des öfteren Politiker beim Schummeln in ihren Doktorarbeiten überführt hat, ist dem “stern”-Mann ein Dorn im Auge. Er bezeichnet die Bemühungen von VroniPlag als “Korinthenkackerei von Stubenhockern”. Er findet auch den Namen VroniPlag “saublöd” (wo der herstammt, weiß er vermutlich). Die “Fehler-Fetischisten” übten sich in “verbissen-akribischem Herumgeprüfe kleingeistig und überflüssig”. Undsoweiter undsofort. Schon klar, das ist ein Meinungsbeitrag und in diesem, unserem Lande darf jeder in gewissen Grenzen meinen, was er oder sie will. Aber dass ein Journalist fordert, man solle bei Doktor-Schummeleien von Politikern mal nicht so “verbissen-akribisch herumprüfen”, das ist in der Nach-Relotius-Ära schon… wie soll man das nennen…: bemerkenswert!

+++

Wo wir uns schon bei stern.de herumtreiben, habe ich noch was gefunden. Also, eigentlich bei Neon.de, aber das ist ja eine Unter-Marke des “stern”. Diese Woche gab es mal wieder ein Aufregerle rund um den Bonner-Smoothie-Hersteller True Fruits. Das sind die mit den hübschen Flaschen und der hässlichen Werbung. Diesmal haben sie ein Werbemotiv in Umlauf gebracht, auf dem der Uralt-Witz mit einem Sonnencreme-Pimmel zu sehen ist. Ein Gag, der selbst Luke Mockridge bei seinem “Fernsehgarten”-Stunt zu oll gewesen wäre. Bei Neon veröffentlichte nun Beatrice Frasl ebenfalls unter dem Schlagwort “Meinung” eine “Analyse” über die Werbe-Masche von True Fruits. So viel kann man sagen: Frau Frasl findet die Werbung der Saft-Menschen mindestens so schlimm, wie Herr Schlenz die Korinthenkackerei von VroniPlag. In vielen Worten leitet die “Neon”-Autorin her, dass die Werbung von True Fruits in Wahrheit rechtspopulistisch sein soll! Quasi Saft-Nazis! Braune Flaschen! Nun muss man die Werbung der Firma tatsächlich nicht gut oder lustig finden. Man kann sich vielleicht sogar darüber aufregen. Aber rechtspopulistisch? Und dann findet sich unten am Artikel noch ein Hinweis, was man alles tun kann, wenn man die True Fruits-Werbung auch so doof findet, wie Frau Frasl:

Anzeige

Kritik: ja bitte. Meinung: von mir aus. Aber konkrete Aufforderungen, eine Firma beim Werberat zu melden oder Produkte nicht mehr zu kaufen – ist das noch die berühmte Haltung oder ist das schon Aktivismus? Ich tippe mal auf Letzteres.

+++

Es gibt so ein paar Journalisten, die sind richtige Stars in der Branche, die werden von den einen geliebt und von den anderen mindestens misstrauisch beäugt. Der frisch zum “Focus” gewechselte Jan Fleischhauer gehört sicherlich in diese Kategorie und natürlich Mr. Morning Briefing, Gabor Steingart, der mit seinen Media Pioneers gerade den Journalismus von allen ökonomischen Zwängen befreit (zumindest so lange Springer die Party zahlt). Beide Herren habe ich diese Woche zusätzlich in artverwandten Medien gesichtet. “Focus”-Mann Fleischhauer hat für Bunte.de einen Video-Kommentar über die unwiderstehliche Anziehungskraft des Robert Habeck eingesprochen.

“Fleischi” ist auch weiter neben “Focus” für bunte.de im Einsatz. Am Samstag folgt dort die nächste Video-Kolumne, diesmal über Heidi Klum. Fleischhauer zu mir: “Ich finde, die Reihenfolge passt.” Und Gabor Steingart tauchte mit einer Langversion seines Interviews mit Adidas-CEO Kasper Rorsted als Autor in der “Welt” auf. Offenbar eine Art Tauschgeschäft: “Welt”-Vize Robin Alexander moderiert ja nun jeden Freitag den “Morning Briefing Podcast”, dafür darf (oder muss, je nachdem, wen man fragt) “Steini” ab und zu für die “Welt” ran. So hat jeder was davon!

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier (“Welt”) über die neuerliche Rezo-Aufregung und es geht um den gefallenen Top-Manager Thomas Middelhoff und seine Erlebnisse mit Journalisten. Der Auftritt eines gewissen Sat.1-Komikers in einer ZDF-Sendung spielt auch eine Rolle. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia