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Umstrittene Scholz-Schalte: SPD wirft dem „Spiegel“ Falschberichterstattung vor – der bleibt bei seiner Darstellung

Der „Spiegel“ meldete am vergangenen Freitag exklusiv, dass Vizekanzler Olaf Scholz nun doch seinen Hut als möglicher neuer SPD-Vorsitzender in den Ring wirft, und bezog sich dabei auf eine Telefon-Schaltkonferenz. Laut SPD hat es diese Schalte aber nicht gegeben. Der „Spiegel“ bleibt bei seiner Darstellung.

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Im „Spiegel“ heißt es wörtlich: „Am frühen Montagmorgen wählt sich Scholz noch vor neun Uhr in eine Telefonschalte mit den drei kommissarischen Parteichefs ein, Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel. Er sagt: ‚Ich bin bereit anzutreten, wenn ihr das wollt.'“

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner Co-Vorsitzenden Malu Dreyer sagte der Interims-SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel: „Wir erleben es regelmäßig, dass es Meldungen gibt, die mit der Realität nichts zu tun haben. Beispielsweise diese angebliche Telefonkonferenz in der vergangenen Woche zwischen uns drei und Olaf Scholz: Die hat’s nie gegeben.“

Später erklärte ein Parteisprecher der SPD auf Medienanfragen: „Es hat am Montag, den 12. August, vor 9 Uhr keine Schalte der drei kommissarischen SPD-Vorsitzenden mit Olaf Scholz gegeben.“

Der „Spiegel“ indes bleibt bei seiner Darstellung. In einer Meldung „in eigener Sache“ schreibt das Nachrichtenmagazin u.a. dass auch andere Medien und die dpa über die Schalte berichtet hätten. Außerdem sei der Sachverhalt dem „Spiegel“ von zwei unabhängigen Quellen bestätigt worden: „Selbstverständlich halten wir uns an den Grundsatz des Quellenschutzes. Wir können versichern, dass wir für unsere Darstellung zwei voneinander unabhängige, vertrauenswürdige Quellen haben, wie es die journalistischen Regeln verlangen. Wir haben unsere Quellen mit den Aussagen Schäfer-Gümbels konfrontiert. Sie bleiben bei ihrer Darstellung.“

Was stimmt nun? Seltsamerweise kann beides korrekt sein. Zu beachten ist, dass die SPD in ihrer zweiten Stellungnahme auf die Uhrzeit „vor 9 Uhr“ verweist. Wer weiß: Vielleicht gab es ja kurz nach 9 Uhr eine Schaltkonferenz und die Quellen haben die Uhrzeit falsch erinnert? Unklar, aber solche Feinheiten spielen bei Statements von Politkern (und auch von Medien – dem „Spiegel“ selbst sind spitzfindige und windungsreiche Statements auch nicht ganz fremd) unter Umständen eine Rolle. Der Kern der „Spiegel“-Story – dass Olaf Scholz SPD-Vorsitzender werden will – wurde freilich nie bestritten und auch schnell offiziell bestätigt.

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