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“Der Spiegel” und der Fall Buschmann: Dokumentation soll fehlende Belege vorab moniert haben

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Die "Welt" hat neue Details zu einem zweifelhaften "Spiegel"-Artikel aus dem Jahr 2014 veröffentlicht. Demnach soll die "Spiegel"-Dokumentation zu dem Text "Faule Äpfel", in dem es um eine angebliche Spiel-Manipulation währen der Fußball-WM in Brasilien ging, noch vor der Veröffentlichung schriftlich vermerkt haben, dass Belege fehlen. Der Fall ist mittlerweile zu einem Politikum für das Nachrichtenmagazin geworden.

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Stefan Niggemeier hatte bei “Übermedien” detailliert beschrieben, welch massiven Zweifel es an der Richtigkeit einer Enthüllungsgeschichte des “Spiegel”-Reporters Buschmann aus dem Jahr 2014 über angeblich manipulierte Spiele bei der Fußball-WM in Brasilien gibt. Die Story beruhte offenbar auf einem Chat Buschmanns mit dem berüchtigten Matchfixer Wilson Raj Perumal, der laut dem “Spiegel”-Artikel “Faule Äpfel” Ergebnisse von WM-Spielen korrekt vorhergesagt haben soll.

Es gibt allerdings zahlreiche Aussagen und Indizien, dass der Chat, auf dem die “Spiegel”-Story beruht, erst nach den betreffenden Spielen stattgefunden haben soll. Der Fall wurde auch von der Relotius-Kommission untersucht, die die Fälschungen des ehemaligen “Spiegel”-Reporters Claas Relotius aufdecken sollte und dabei auch bei anderen Geschichten Ungereimtheiten, Nachlässigkeiten und Falschbehauptungen fand. Die Kommission konnte jedoch nach eigenen Angaben bei “Faule Äpfel” keine Fälschungen feststellen, wollte sich bei der Pressekonferenz, auf der ihre Ergebnisse vorgestellt wurden, auf explizite Nachfrage aber auch nicht darauf festlegen, dass die Geschichte “sauber” sei.

“Der Spiegel” hat auf Fragen zu dem Artikel “Faule Äpfel bislang stets nur ausweichend reagiert und darauf verwiesen, dass es keine Belege für eine Fälschung gebe. Außerdem verwies das Magazin immer wieder auf eine “nach wie vor gültige Beleglage mit Unterlagen und Zeugen”. Diese “Beleglage” wurde aber bislang vom “Spiegel” nicht offengelegt. Laut “Übermedien” sollte Buschmann sogar zum Leiter des Investigativteams gemacht werden. Die Personalie sei aber wegen der neuerlichen Berichterstattung zu den Zweifeln an der “Faule Äpfel”-Geschichte vorerst gestoppt worden, berichtete Kai-Hinrich Renner unlängst in seiner Medienkolumne. Auf Nachfragen wollte sich der “Spiegel” nicht zu Personalien äußern.

Dass die “Welt” nun berichtet, dass die “Spiegel”-Dokumentation fehlende Belege für die “Faule Äpfel”-Geschichte sogar schriftlich monierte, erhöht den Druck auf den “Spiegel”, die Belege, auf die mehrfach verwiesen wurde, offenzulegen.

Update: Auf Fragen zu der Veröffentlichung der “Welt” ging der “Spiegel” wie üblich nicht konkret ein, sondern antwortete in der gewohnten Art und Weise folgendermaßen:

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“Die Aufklärungskommission zum Fall Relotius ist seit Beginn des Jahres zahlreichen Hinweisen zu verschiedenen Artikeln nachgegangen und setzt ihre Arbeit bekanntlich bis heute fort. Auch zum Artikel ‘Faule Äpfel’ aus dem Jahr 2014 sind – wie Sie wissen – Hinweise eingegangen, und es wurden und werden weitere Recherchen durchgeführt. Bis heute hat die Kommission keine Belege für Fälschungen gefunden. Der Spiegel schaut sich den ganzen Vorgang noch einmal genau an und wird sich in Kürze ausführlich äußern.

An Personaldiskussionen, da bitten wir um Ihr Verständnis, wollen und werden wir uns auch weiterhin nicht beteiligen. Wenn es etwas zu vermelden gibt, wird es der Spiegel – schon aus Respekt seinen Mitarbeitern gegenüber – selbst tun.”

swi

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Alle Kommentare

    1. Vielleicht in Ruhe abwarten, was die Prüfung dieses fünf Jahre alten Vorgangs ergibt. Nach meiner bescheidenen Meinung sollte man den Ball flach halten, ebenso die Hierarchie. Egal wie Buschmann hinterher dasteht, ein derart kleines Rechercheteam braucht keinen Häuptling.

    1. Als “Matchfixer” bezeichnet man jemanden, der von sich behauptet, den Ausgang von Sport-Begegnungen beeinflussen zu können, bzw. vorher zu wissen, wie Begegnungen ausgehen, weil diese manipuliert sind.

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