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Anklage wegen versuchter Anstiftung zum Mord – Prozess gegen den Stadtplan-Erben Alexander Falk beginnt im August

Alexander Falk
Alexander Falk

Vor dem Frankfurter Landgericht muss sich demnächst der einstige New Economy-Star Alexander Falk wegen versuchter Anstiftung zum Mord und Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung verantworten. Es dürfte einer der spektakulärsten Prozesse des Jahres werden. Falks Co-Anwalt Ralf Höcker appelliert im Vorfeld an die Medien, den Vorwürfen keinen Glauben zu schenken. Vor allem wegen eines fragwürdigen Tonband-Mitschnitts, der Falk belasten soll. Dort hätten seine "Erpresser ihn Dinge sagen lassen, die man nur als menschenverachtend bezeichnen kann", so Höcker.

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In Hamburg nennen ihnen Freunde kurz “Sascha”: Alexander Falk. Hier ist der Mann mit der sportlichen Statur und dem leicht gekräuselten Haar allen gut bekannt. Denn als Erbe des Stadtplan-Verlags Falk hatte er mit viel unternehmerischen Geschick jahrelang Millionenbeträge verdient. Zeitweise zählte er zu den 100 Reichsten in Deutschland.

Doch die Sonnenseiten des Lebens sind für ihn derzeit passé. Seit September vergangenen Jahres sitzt Falk in Untersuchungshaft. Am 21. August muss sich der 50-Jährige vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Shooting-Star der New Economy versuchte Anstiftung zum Mord und Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung vor. So soll er vor knapp einem Jahrzehnt einen Mord an einem Frankfurter Wirtschaftsanwalt in Auftrag gegeben haben. Der Jurist, der damals eine Millionenklage gegen Falk vorbereitet hatte, war 2010 vor seinem Haus angeschossen worden.

Fahndung durch “Aktenzeichen XY… ungelöst”

Die Ermittlungen der Polizei liefen ins Leere. Auch eine Fahndung über die ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY … ungelöst“, brachte keinen Erfolg. Doch jetzt ist plötzlich ein Zeuge aufgetaucht und der belastet den Unternehmer schwer. Konkret soll Falk laut Anklageschrift vom 13. Dezember 2018 “im Jahre 2009 in einem Hamburger Restaurant einen gesondert Verfolgten Mittelsmann mit der Tötung des Rechtsanwaltes beauftragt und hierzu einen Umschlag mit Bargeld übergeben haben”. Die Rede ist laut Medienberichten von 200.000 Euro. Und weiter: “Im weiteren Verlauf sollen unbekannte Täter am 8. Februar 2010 dem Opfer vor seiner Wohnanschrift in Frankfurt am Main aufgelauert und es durch einen gezielten Schuss in das linke Bein verletzt haben”, so die Anklageschrift.

Für den einstigen Sonnyboy geht es um viel. Dem Angeklagten droht eine “Freiheitsstrafe bis zu 15 Jahren”, teilt die Staatsanwaltschaft auf MEEDIA-Anfrage mit. Für den Prozess sind achtzehn Verhandlungstage angesetzt. So sollen mehr als 20 Zeugen und Sachverständige vernommen werden, heißt es beim Frankfurter Landgericht. Das Strafverfahren gegen den früheren Multi-Millionär dürfte in den nächsten Wochen ein erhebliches mediales Echo auslösen.

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Appell von Medienanwalt Ralf Höcker

Falks Rechtsanwälte weisen die Vorwürfe der Staatsanwälte allerdings energisch zurück. “In diesem Fall ist wirklich nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Wir haben es mit geschickt manipulierten Beweismitteln und einem Belastungszeugen aus dem Bereich der organisierten Kriminalität zu tun, der nachweislich gelogen hat, um durch eine Falschbeschuldigung Geld zu verdienen”, erklärt sein Strafverteidiger Björn Gercke gegenüber MEEDIA. Falks Medienanwalt Ralf Höcker fordert die Öffentlichkeit auf, den Anschuldigungen keinen Glauben zu schenken. “Den Erpressern der Familie Falk ist es durch eine simple Täuschung gelungen, dass Herr Falk im heimlich aufgenommenen Gespräch Dinge sagte, die sie ihm zuvor in den Mund gelegt hatten: Kein falsches Geständnis zwar, denn es hätte ihn misstrauisch gemacht, wenn sie das von ihm verlangt hätten. Dennoch haben seine Erpresser ihn Dinge sagen lassen, die man nur als menschenverachtend bezeichnen kann. Ich kann nur an Medien und Öffentlichkeit appellieren, sich von diesen Worten nicht auf eine falsche Fährte locken zu lassen, sondern ganz genau hinzusehen. Der Mandant ist unschuldig.”

Für Falk ist es nicht der erste Gerichtsverfahren in seinem Leben. Anfang des Jahrzehnts macht man ihm wegen versuchten Betrugs den Prozess. Dafür musste er mehrere Jahre ins Gefängnis. Hintergrund: Falk hatte von seinem Vater den bekannten und gleichnamigen Stadtplan-Verlag geerbt, der wegen seiner speziellen Falttechnik bei Autofahrern besonders beliebt ist. Doch der Geschäftsmann wollte höher hinaus. So verkaufte er das Unternehmen an den Gütersloher Medienriesen Bertelsmann, um vom Hype der New Economy zu profitieren. Mit den Geld gründete er mehrere Unternehmen, darunter die Ision AG. Mit dem Verkauf der Gesellschaft wollte er Kasse machen. Um einen möglichst hohen Preis zu erzielen, schönte er den Wert der Gesellschaft durch Scheingeschäfte. Er veräußert die Firma für 812 Millionen Euro an ein britisches Unternehmen.

Doch dieses ging kurz darauf pleite und verklagte Falk wegen Bilanzfälschung und Betrug. Das Amtsgericht Hamburg verurteilte ihn zu vier Jahren Haft. 2011 kam er nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe vorzeitig frei. In einem Zivilprozess wurde Falk zudem zur Zahlung von mehr als 200 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt. Ob der Streit um Ision mit dem angeblichen Mordauftrag zusammenhängt, dürfte auch eine der wesentlichen Fragen bei dem nun anstehenden Prozess gegen ihn sein.

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