Anzeige

Betriebsrat bei Axel Springer befürchtet Einschnitte durch US-Investor KKR, Frist für Übernahmeangebot endet

Springer-Chef Mathias Döpfner – Foto: Axel Springer

Der Betriebsrat von Axel Springer sorgt sich, dass der US-Finanzinvestor KKR bei einer erfolgreichen Übernahme seine bisherigen strategischen Pläne für Axel Springer ändern könnte. Denn das Angebot von KKR enthält eine Klausel, die den Investor aus New York einen solchen Schritt erlaubt. Die Arbeitnehmervertreter fordern deshalb eine konzernweite Regelung, um die Arbeitsplätze abzusichern.

Anzeige

Heute endet das Übernahmeangebot des US-Finanzinvestors KKR für das Berliner Medienhaus Axel Springer. Erst im Laufe der nächsten Woche weiß der Investor aus Manhatten, ob er sein Ziel erreicht hat. Dem Vernehmen nach könnte dies Dienstag oder Mittwoch sein. Ein KKR-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. KRR strebt mindestens 20 Prozent an Springer an. Erreicht hatte das Unternehmen aus New York bis Donnerstag 15,45 Prozent.

Klausel im Übernahme-Angebot

Sollte den Amerikanern der Deal glücken, könnten Axel Springer tiefe Einschnitte drohen. Davor warnt zumindest der Konzernbetriebsrat in einer Stellungnahme, wie jetzt bekannt wurde. Denn für die Arbeitnehmervertreter ist das vorliegende Angebot, den Berliner Medienkonzern im digitale Rubrikengeschäft und digitalen Journalismus zum Weltmarktführer auszubauen, eine „Momentaufnahme“. So weist der Betriebsrat auf eine Klausel im Übernahmeangebot vom KKR hin, die die bisherigen Versprechen des US-Investors obsolet machen könnten. „Es ist möglich, dass die Bieterin ihre in dieser Angebotsunterlagen geäußerten Absichten und Einschätzungen nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage ändert“, heißt es dort.

Der Betriebsrat bedauert deshalb, dass KKR die Vereinbarung nicht vollständig offengelegt hat, die er mit Verlegerin Friede Springer und dem Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner traf. Dazu gehören beispielsweise mögliche Strukturmaßnahmen, die die Belegschaft treffen könnten. In Branchenkreisen kursieren seit längerem Gerüchte, wonach das Medienhaus seine digitalen Aktivitäten in einer Einheit bündeln und die klassische Zeitungsgeschäft mit den Druckereien abspalten und das Personal hier zusammenschrumpfen könnte. Daher fordert der Springer-Betriebsrat von KKR, eine „konzernweite Regelung zur Beschäftigungssicherung“, den „Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen“ sowie eine „Sicherung der Standorte“.

Betriebsrat sieht sich als „neutral“

Trotz der Bedenken ist der Betriebsrat des Berliner Medienunternehmens nicht gegen die Pläne des Amerikaner. Er bezeichnet seine Haltung als „neutral“. Dennoch ist das Misstrauen der Arbeitnehmervertreter verständlich. Denn KKR ist in der Vergangenheit immer wieder durch seine so genannten Leverage Buyouts aufgefallen. Danach kaufte die Gesellschaft mit geliehenem Geld unterbewertete Firmen, lastete ihnen den bei der Übernahme entstandenen Schuldenberg auf, entließ anschließend Mitarbeiter und zerlegte die Gesellschaft in Einzelteile, um mit Profit wieder auszusteigen. Nach ähnlichem Muster verfuhr KKR zuletzt in Deutschland bei der Münchener TV-Gruppe ProSiebenSat.1.

Anzeige