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“Nur scheinbar ein Traumberuf”: Wie sich die IG Metall für die Rechte der YouTuber einsetzen will

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Foto: Patrick Seeger/dpa

"FairTube" heißt die Zusammenarbeit zwischen der IG Metall und "YouTubers Union", mit der die Arbeitsbedingungen für YouTuber verbessert werden sollen. Europas größte Gewerkschaft legt sich damit erstmalig mit einem der ganz großen Tech-Konzerne an.

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“Achtung YouTube: Die Frist läuft.” Mit diesem Titel ist ein Video versehen, das der YouTuber Jörg Sprave und die IG Metall vor einigen Tagen auf Googles Videoplattform hochgeladen haben. Dort legen sie in etwas mehr als 13 Minuten dar, wie sie die Bedingungen von YouTubern verbessern wollen und was das US-Unternehmen dafür tun muss. Sprave und Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, stellen der Plattform am Ende ein vierwöchiges Ultimatum. “Jetzt liegt es an euch. Sprecht mit uns, wir sind sicher: Es kann eine Lösung geben.”

Wobei geht es bei der Auseinandersetzung konkret?

Die IG Metall und die Internet-Bewegung “YouTubers Union” arbeiten seit kurzem zusammen, um die Bedingungen für alle YouTuber zu verbessern, “die ein Einkommen mit dem Hochladen von Beiträgen auf der Video-Plattform erzielen bzw. erzielen möchten”, wie in der Mitteilung zur Kooperation erläutert wird. Mehrere Tausend Menschen in Deutschland verdienen demnach mittlerweile mit YouTube-Inhalten und den Einnahmen aus Werbung haupt- oder nebenberuflich ihr Geld.

Die “YouTubers Union” ist von Sprave, selbst YouTuber mit mehr als zwei Millionen Abonnenten, im März 2018 ins Leben gerufen worden. Für ihn war eine Änderung von YouTube im Frühjahr 2017 der Auslöser, sich für die Rechte der “kleinen” Kanäle einzusetzen. Auf Druck von Werbekunden änderte die Plattform die Regeln bezüglich der Werbeeinblendungen, was zu teils zu enormen Einkommenseinbußen bei den YouTubern führte.

Projekt “Crowdsourcing” im Jahr 2015 gestartet

Die Online-Bewegung um Sprave basiert auf einer Faceobook-Gruppe, die mittlerweile über 15.000 Mitglieder hat. Sie fordert, dass es auf kleineren YouTube-Kanälen wieder Werbung geben soll, dass es einen direkten und transparenten Kontakt zwischen der Plattform und YouTube geben muss und dass es klare Regeln gibt – sowohl für das Einblenden von Werbung als auch für das Löschen einzelner Videos oder die Sperrung ganzer Kanäle. Dennoch war die Schlagkraft der Gruppe trotz Berichterstattung und kleinerer Erfolge wohl begrenzt. Dies könnte sich durch die Zusammenarbeit mit Europas größter Gewerkschaft, der IG Metall, nun ändern.

Diese hat vor vier Jahren das Projekt “Crowdsourcing” gestartet. Das Ziel: die Arbeitsbedingungen auf digitalen Plattformen verbessern. Ergänzt wird das Projekt mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung (“Code of Conduct”), die mittlerweile von neun, vergleichsweise winzigen Plattformen unterschrieben wurde. YouTube, lässt sich festhalten, ist der erste große Tech-Konzern, den die IG Metall nun herausfordert.

Christiane Benner sagt zum Vorgehen:

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“Plattformen wie YouTube ändern laufend die Regeln, um höhere Profite zu erzielen. Die Interessen der Video-Produzenten bleiben dabei zunehmend auf der Strecke. Viele YouTuber klagen unter anderem über mangelnde finanzielle und soziale Absicherung sowie über schlechte Kommunikation mit der Plattform. Es ist völlig intransparent, nach welchen Kriterien den Videos Werbung zugewiesen wird und welche Videos in Suchergebnissen und in automatischen Playlists angezeigt werden. Daran muss sich dringend etwas ändern.“

Die Gewerkschaft hat Google in Hamburg ein formelles Schreiben geschickt. Dabei geht es, wie bereits eingangs erwähnt, vor allem darum, dass sich alle Parteien an einen Tisch setzen. Bis spätestens Ende August sollen sich Vertreter von YouTube auf die Forderungen melden.

Juristische Folgen nach Ende des Ultimatums?

Dass das nicht nur heiße Luft ist, sondern es tatsächlich juristische Folgen haben könnte, betonen Benner und Sprave in dem Video. Sollte das Ultimatum ablaufen, droht die IG Metall der Plattform in zwei Punkten mit rechtlichen Verfahren. Ersten wäre da die Scheinselbständigkeit. Inhalteproduzenten seien im besonderen Maße abhängig von YouTube und könnten damit als scheinselbstständig gelten. Der im Video zitierte Arbeitsrechtler Thomas Klebe nennt als Beleg dafür unter anderem die strengen Regeln, nach denen die Partner arbeiten müssten, die regelmäßige Kontrolle und die Anzeigenakquise, die über YouTube läuft – und eben nicht über den YouTuber selbst. Unabhängige Video-Produzenten sähen anders aus, so Klebe.

Und dann sind da noch mögliche DSGVO-Verstöße: Man wolle – im schlimmsten Fall – prüfen lassen, ob YouTube die Verordnung missachte, indem die Plattform den Nutzern Informationen vorenthält, in welche Kategorien sie ihre Clips einordnet.

Auf Anfrage von MEEDIA äußerte sich ein YouTube-Sprecher wie folgt zur Situation: “Die Creator sind ein wichtiger Bestandteil des YouTube-Ökosystems. Deshalb schüttet YouTube den Großteil der Erlöse an die Creator und Partner aus.” Gleichwohl müsse sichergestellt werden, dass Nutzer und Werbetreibende auf der Plattform ein sicheres Umfeld vorfinden. Aus diesem Grund, so der Sprecher, stehe man mit allen Akteuren im ständigen Austausch, beispielsweise bei Treffen mit den Creatorn. Zum Vorwurf der Scheinselbständigkeit heißt es: “Anders als es hier behauptet wird, sind YouTube Creator aus rechtlicher Sicht keine Angestellten von YouTube.”

tb

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