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Wut bei Belegschaft von Burdas “TV Spielfilm”: Erste Funke-Ausgabe soll bereits Mitte November erscheinen

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Der Redaktion der zur Funke Mediengruppe gehörenden TV-Titel am Hamburger Standort, die künftig "TV Spielfilm" produzieren soll, bleibt wenig Vorbereitungszeit: Bereits am 15. November soll die erste Ausgabe der Fernsehzeitschrift von Funke als neuem Dienstleister erscheinen. Am Standort Hamburg, der nach jüngsten Personaleinschnitten bei "Fit for Fun" jetzt den zweiten Schlag verkraften muss, will Burda aber festhalten.

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Einen Tag nach der Meldung, dass Hubert Burda Media die Redaktion von “TV Spielfilm” mit 53 Mitarbeitern auflösen will (MEEDIA berichtete), sitzt der Schock in der Belegschaft tief. Die Arbeitnehmer trifft die Entscheidung der Münchener Konzernleitung völlig unvorbereitet. Ihr bisheriger Arbeitgeber will die redaktionellen Inhalte von “TV Spielfilm”, “TV Today” und “TV Schlau” künftig vom Konkurrenten Funke Mediengruppe als Dienstleister produzieren lassen. “Wir wurden völlig übertölpelt”, empört sich ein Mitarbeiter aus der “TV-Spielfilm”-Redaktion und setzt nach: “Das ist keine Art mit langjährigen Mitarbeitern umzugehen.”

Bislang hat noch niemand Kündigungen erhalten. “Über den Zeitpunkt der Kündigungen werden wir in den nächsten Tagen mit dem Betriebsrat verhandeln. Im Juli werden keine Kündigungen ausgesprochen”, erklärt eine Burda-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Zu Gerüchten, wonach die Münchner eine Massenentlassungsanzeige bei der Agentur für Arbeit stellen wollen, macht sie keine Angaben. Der Verlag betonte gestern, dass man für die Betroffenen “möglichst sozialverträgliche Lösungen” finden will.

Erstes Heft mit Funke-Redaktion am 15. November

Philipp Schulze, Chefredakteur von “cinema”, der als Chefredakteur künftig auch die Programmies verantworten soll, bleibt nicht viel Zeit. So soll “TV-Spielfilm” bereits in wenigen Monaten durch Funke als Dienstleister produziert werden. “Die erste von Funke als externen Dienstleister erstellte Ausgabe wird Heft 24/19 sein, das am 15. November erscheint”, erklärt eine Burda-Sprecherin. Dabei will Schulze die Titel mit einem “Kernteam” weiterführen. Ob die Essener Funke Mediengruppe am Hamburger Standort zusätzliche Personalkapazitäten aufbauen will, um die drei Burda-Titel herzustellen, ist hingegen fraglich. Hier erstellen bereits rund 100 Mitarbeiter TV-Magazine wie das frühere Springer-Blatt “Hörzu”.

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In Gewerkschaftskreisen befürchtet man, dass unter der Maßnahme vor allem die verkaufte Auflage von “TV Spielfilm” leiden könnte. Das Magazin hebt sich vor allem durch seine detailgetreue Kommentierung von TV-Sendungen aus der Flut von Titeln auf dem hart umkämpften Markt der Programmies ab, heißt es. So befürchten Gewerkschaftler, dass diese journalistische Handschrift nun verloren gehen könne. Dies weist eine Burda-Sprecherin zurück: “Die Marke wird sich nicht verändern. Funke arbeitet als Dienstleister nach Vorgabe von Burda.”

Die Auflösung der “TV Spielfilm”-Redaktion trifft den Burda-Standort Hamburg hart. Erst im Januar hatten die Münchner hier die komplette Printredaktion von “Fit for Fun” entlassen (MEEDIA berichtete). Betroffen hiervon waren 24 Mitarbeiter, jetzt kommt die “TV Spielfilm”-Redaktion hinzu. Trotz des massiven Personalexodus will Burda an dem norddeutschen Standort festhalten. “Die Entscheidung hat aktuell keine Auswirkungen auf den Standort Hamburg”, betont eine Unternehmenssprecherin. Fragen, ob auch der Redaktion von “cinema” langfristig ein ähnliches Schicksal wie “TV Spielfilm” drohen könnte, weist sie zurück.

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Alle Kommentare

  1. Kleiner Spoiler: Groenewold spendiert niemandem mehr was, mangels Puls. Mit 46 gestorben. Unlängst. Lesen hilft.

    Den Hörzu-Schreibern Unkollegialität vorzuwerfen, hinkt. Was sollen die machen? Die Barrikaden bemannen? Ich kenne sie – anständige Leute, die Mitgefühl haben, aber auch nur bestmöglich Entscheidungen anderer umsetzen. Gewiss ohne Triumphgefühl. So geht das Spiel.

    Apropos. Es gibt keinen Sieger. Auch bei diesem Spiel wird am Ende der Thron eingeschmolzen. Nicht durch Drachenfeuer, sondern Ersterben der Darbietungsform. Alles hat einen Lebenszyklus.

    Reise nach Jerusalem. Klagen. Mauern. Wieder einer weg.

    Wir sind alle nicht mehr Teil der kommenden Welt. Bloß verraten wir uns das selbst noch nicht.

    Seelige Ignoranz.

  2. Bei der Burda News Group wurden allein in diesem Jahr rund 100 Mitarbeiter abserviert und eiskalt auf die Straße geschmissen – Fit for Fun, Playboy, TV-Spielfilm. Jahre zuvor schrumpfte Burda den Focus von über 300 Mitarbeitern auf nur noch rund 70. Die Verlegermoral ist auf den Nullpunkt gesunken. Menschen zählen nicht.
    Wird nun die gerne moralisch hochstehende Maria Furtwängler alias Kommissarin Charlotte Lindholm über moralisch verkommene Zustände im Hause ihres Gatten Hubert Burda ermitteln? Ach, was! Beim Oktoberfest wird wieder im Bierzelt Champagner aus Seideln getrunken. Leider kann der jetzt klamme Filmhändler Groenewold die Rechnung des Milliardärspaares nicht mehr übernehmen.
    PS: Moral im Journalismus ist übrigens auch verkommen. Die Mitarbeiter von Funkes Hörzu arbeiten nun künftig für die Entlassung der TV-Spielfilm-Kollegen. Solidarität predigen Journis nur für Flüchtlinge, aber sie kennen keine, wenn es um ihren eigenen Arbeitsplätze geht.

  3. Hubert Burda gehört zu den Verlegern, die den – früher international gerühmten und hoch geachteten – deutschen Journalismus ins Grab stoßen. Und das konsequent seit mindestens zwei Jahrzehnten.

  4. Die Mitarbeiter sind mir, sorry, egal. Mir hilft auch niemand. Ich soll da als Käufer Geld für Infos berappen, die es online für umme gibt. Und für Bewertungen durch Menschen, die ich nicht kenne. Das ist der Deal.

    Ist ein Scheißdeal. Gerade bei Funkes Minitexten. Wahrscheinlich von Praktikanten. Fehler, öde, arrogant, null Passion.

    Spielfilm hatte echte Lesestrecken, auch bei obskurem Scheiß. Oft interessanter als der Film. Beste Filmredaktion. Die waren Filmfreaks und standen dazu. Mir waren sie mitunter fast zu hart. Das hätte man regulieren können. Hat bestimmt auch Leute geärgert. Aber war gut gewesen.

    Ich werde genau eine Ausgabe testen.

  5. Funke hat bei vielen Titeln nur eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.
    TV Spielfilm war mit der kritischen und ausführlichen Analyse auch von B-Movies, Western und Low Budget Filmen eine Ausnahme, bezweifle daß dies unter der neuen “Funke Produktion” so bleibt, wenn ich mir anschaue wie sich andere Titel nach deren Übernahme so entwickelt haben.

    Am Ende jammert man wieder über fallende Auflagen.
    Wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird spottet auch jeder Beschreibung.

  6. Aus Solidarität mit der Hamburger Redaktion werde ich mein TV-Spielfilm-Abo kündigen, wenn es zu Kündigungen kommt.

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