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Burda lässt “TV Spielfilm” künftig von Funke produzieren – eigene Redaktion wird aufgelöst

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Bittere Nachrichten für die "TV Spielfilm"-Redaktion: Burda lässt die Zeitschrift – und die Beiboote "TV Today" und "TV Schlau" – künftig vom eigentlichen Konkurrenten Funke produzieren. Die "TV Spielfilm"-Redaktion wird komplett aufgelöst, 53 Mitarbeiter sind betroffen. Auch Chefredakteur Lutz Carstens geht nach 20 Jahren an der Spitze der Redaktion.

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Es ist ein dramatischer Satz inmitten der Burda-Pressemitteilung mit der eigentlich undramatischen Headline “Burda und Funke bauen ihre Zusammenarbeit aus”. Der Satz lautet: “Die bestehende ‘TV Spielfilm’Redaktion wird aufgelöst.” Für die 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden “möglichst sozialverträgliche Lösungen gefunden”, so Burda weiter.

Ab Oktober lässt Burda die redaktionellen Inhalte seiner Titel “TV Spielfilm”, “TV Today” und “TV Schlau” von der Funke Mediengruppe produzieren. Zwar wolle man “unverändert die konzeptionelle Hoheit über die journalistische Ausrichtung der Titel” behalten und “neben der Produkt- und Preisgestaltung” auch “die Vermarktung der Programmzeitschriften weiter in der Hand haben, doch eine Redaktion brauche man dafür eben dann nicht mehr.

Künftig arbeitet Philipp Schulze, Chefredakteur von “cinema”, auch als Chefredakteur der Programmies: “Gemeinsam mit einem Kernteam wird er die Steuerung der Marken und die Zusammenarbeit mit Funke verantworten.”

Mit “TV Spielfilm” begründete Dirk Manthey 1991 das Genre der 14-täglichen Programmies, indem er das zunächst ab Herbst 1990 als monatliche Filmzeitschrift erscheinende Magazin zu einer vollwertigen TV-Programmzeitschrift umbaute. 2005 verkaufte Manthey seine Verlagsgruppe Milchstrasse dann an Burda.

Die verkaufte Auflage wuchs in den ersten Jahren extrem rasant: Nach 881.857 laut IVW verkauften Exemplaren im ersten Quartal 1991 wurde die Mio.-Marke schon im vierten Quartal 1991 übersprungen und im ersten Quartal 1994 dann sogar die 2-Mio.-Marke. Seinen Höhepunkt erreichte “TV Spielfilm” im zweiten Quartal 1996 mit unglaublichen 2.763.276 verkauften Exemplaren.

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Durch die größer werdende Konkurrenz – auch durch günstigere Titel – ging es danach aber Stück für Stück nach unten: 2003 wieder unter die 2-Mio.-Marke, 2007 unter 1,5 Millionen verkaufte Exemplare und im dritten Quartal 2013 erstmals seit 1991 wieder unter die Million. Seit einiger Zeit macht auch der schwindende TV-Konsum zugunsten von Streaming-Diensten den Programmzeitschriften Probleme. Die aktuelle verkaufte Auflage von “TV Spielfilm” liegt nur noch bei 666.271 Exemplaren. Hinzu kommen 192.460 Exemplare “TV Today” und 124.721 des vierwöchentlichen “TV Schlau”.

Laut Horizont hat es zuletzt Verkaufsgerüchte um die Burda-Programmies gegeben: “Als möglicher Käufer wurde Funke ins Spiel gebracht. Ein Verkauf wäre aber kartellrechtlich wohl kaum möglich gewesen.” Diese Probleme umgeht man nun, indem man nicht verkauft, sondern “nur” die Produktion auslagert.

Burkhard Graßmann, Geschäftsführer Burda News zu der Entscheidung: “Es muss gelingen, qualitativ hochwertige Magazine auch unter völlig veränderten Marktbedingungen marktwirtschaftlich zu produzieren. Wenn wir in Zukunft in diesem Bereich erfolgreich sein wollen, müssen wir rechtzeitig unsere Kräfte bündeln. Deshalb haben wir uns entschieden, im TV-Segment mit Funke neue Wege in der Zusammenarbeit zu gehen. Ich bedaure aufrichtig, dass damit im Fall von ‘TV Spielfilm‘ der Verlust von Arbeitsplätzen verbunden ist.”

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Alle Kommentare

  1. Eine der letzten Eskalationsstufen im Niedergang des Programmie-Segments. Bei Movie und Direkt tickt die Uhr auch schon. Sie schreiben halt über Transformer, sind aber keine. Ratlose alte Männer, in Ohnmacht erstarrt, von der Bugwelle einer neuen Ära weggefegt.

    Die erwartbare Zusammenschaltung der Texte wird auch Grund für mich sein, der Spielfilm fortan zu entsagen. Habe die aus nostalgischen Gründen gekauft, nachdem selbst die Movie nur noch halbsteif wurde. Man hat Programmies ja selbst mal geliebt. Funkes 08/15-Gewäsch, das zwischen naiver Ahnungslosigkeit und Filmwissenschafts-Trockenbau rumkrebst, hat mit Kompetenz und klarer Kante der SPIELFILM nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Was kommen wird? Ein “Relaunch”, der das einst stolze Schiff nicht etwa in neue helle Sphären pustet, sondern wie ein Zäpfchen in den Anus des Vergessens rammt.

    Plopp, weg isses.

  2. Gelesen. Abo gekündigt.
    Aus Solidarität und weil ich von einem Funke-Nachfolger gar nichts erwarte, was das Lesen lohnen würde.
    Gerade TV Spielfilm lebt(e) von der Fachkenntnis und Besonderheit der Redaktion.
    Schade.

  3. Man kann ja wirklich das Gefühl bekommen, daß Gedrucktes keine Zukunft mehr hat.

    Wobei mich das bei diesen Programmblättern nicht wundert. Arte, Phoenix & 3Sat haben sehr gute Internetauftritte. Die restlichen Sender sind sowieso uninteressant.

  4. Das ist nicht nur für die Redaktion bitter, sondern auch für die Leser. Die überaus geistreichen bis bissigen Kommentare zu den Sendungen im Programmteil sind ein Markenzeichen der Zeitschrift, die sie aus dem üblichen Allerlei heraushebt. Und die kommen nun mal von den Autoren, die jetzt geschasst werden. Ob das Niveau gehalten werden kann, ist angesichts des Nachfolgers mehr als zweifelhaft. Aber Qualität im Journalismus ist für Verlagsobere nicht mehr wichtig. Worauf es ankommt, ist Rendite. Wie bei der Funke-Mediengruppe, die einen Chefredakteur für ein Dutzend Tageszeitungen beschäftigt.

    1. Ob man das, was da in Legebatterien produziert wird, noch Zeitungen im Sinne eines journalistischen Produkts nennen kann? Ich habe da meinen Zweifel.
      Und letztlich ist die anhaltende Verschlechterung der Publikationen ein Hauptgrund, warum sie dem Untergang entgegen driften. Und die Rendite wird dann auch bald passé sein – dann wenn die bis zur Erbärmlichkeit runtergesparten Objekte nund wirklich keine Käufer mehr finden

  5. Burda geht mit der Kettensäge durch seine Burda-News-Group. Nach Fit For Fun und Playboy, dort wurden auch alle Redakteure gefeuert, ist jetzt TV-Spielfilm dran. Die übrig gebliebenen Kollegen von Focus in Berlin sollten sich schon einmal Anwälte besorgen. Sie sind zum Herbst bestimmt die nächsten, die ihre Kündigungen erhalten, wenn der Focus dann nur noch als ePaper unter Leitung von Focus Online aus München erscheint. Auflage und Werbung rauschen bei Focus ebenfalls in den Keller – siehe Meedia-Daten.
    Wann wird eigentlich der verantwortliche Burda-News-Geschäftsführer Burkhard Graßmann gefeuert? Besser noch: Wann muss endlich der erfolglose Burda-Print-Vorstand Philip Welte gehen?

    1. Oft reichen eine Handvoll Entlassungen aus, um eine Struktur oder eine gesamte Arbeitsgruppe zu retten. Je weiter man allerdings in der hierarchischen Pyramide nach unten geht und dort die Umstellung vollziehen möchte, umso sicherer sind es mehr und mehr Entlassungen, leider oft mit mäßigem Erfolg. Weiter oben ist der Effekt meist effektiver.

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