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Geheimnisvolle Tonaufzeichnung: Streit zwischen “Financial Times” und Wirecard eskaliert

FT-Redakteur Dan McCrum berichtete über den vermeintlichen Wirecard-Skandal
FT-Redakteur Dan McCrum berichtete über den vermeintlichen Wirecard-Skandal

Der Streit zwischen dem Finanzdienstleister Wirecard und der "Financial Times" (FT) eskaliert: Nachdem die Zeitung mehrfach negativ über das Unternehmen geschrieben hatte, erhebt Wirecard nun schwere Anschuldigungen. Man habe "unwiderlegbare Beweise" dafür, dass Journalisten der "FT" mit Shortsellern zusammengearbeitet hätten, die auf fallende Kurse wetten. Die "FT" dementiert.

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Im Zentrum der Anschuldigungen steht eine ominöse Tonaufzeichnung, die Wirecard angeblich besitzt. Laut dem “Handelsblatt” soll darauf ein Gespräch zwischen einem britischen Geschäftsmann und dem Vertrauten eines anderen Investoren zu hören sein. Der Geschäftsmann habe von einem bevorstehenden “FT”-Artikel erzählt, der den Kurs von Wirecard fallen lassen könnte. Er selbst habe bereits eine Short-Position im Wert von fünf Millionen Pfund aufgebaut und damit auf fallende Kurse gewettet. Woher der Geschäftsmann die Info hat, ist unklar.

Das Audio-Material ist nicht verifiziert. Dem “Handelsblatt” liegt lediglich ein Brief vor, den Wirecard an die Zeitung gerichtet hat. Das Blatt solle aufgrund des belastenden Materials “von jeder Veröffentlichung absehen, die direkt oder indirekt zu Marktmanipulation oder Insiderhandel im Zusammenhang mit Wirecard-Aktien führen könnte“, ist darin zu lesen. Die Aufzeichnung habe man bereits Strafbehörden in Deutschland und Großbritannien übergeben.

Zeitung betont Unabhängigkeit

Die “FT” recherchiert laut dem “Handelsblatt” tatsächlich an einem weiteren kritischen Artikel über das Unternehmen. Seit Beginn des Jahres hat das Blatt mindestens fünf Mal über ominöse Zahlungsströme und Vorgänge in der Wirecard-Niederlassung in Singapur berichtet. Fast alle Artikel führten in der Folge zu heftigen Kursverlusten. Behörden ermitteln bereits seit Februar gegen potentielle Shortseller, die vorab von Veröffentlichungen der “FT” gewusst haben könnten. Ein Börsenhändler hatte im Januar versichert, vorab informiert worden zu sein. Im April stellte auch die Bundesfinanzaufsicht Bafin Anzeige gegen diverse Personen, darunter wohl auch einen Journalisten der “FT”. Die Bafin hatte im Februar zudem ein befristetes Leerverkaufsverbot für Aktien des Konzerns festgelegt.

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Die Zeitung betont ihrerseits jedoch ihre Unabhängigkeit. “Es gab keinerlei geheime Absprachen von Journalisten der ‘FT’ mit Shortsellern oder anderen dritten Parteien was den Inhalt oder den Veröffentlichungszeitpunkt von ‘FT’-Artikeln über Wirecard angeht“, sagt eine Sprecherin dem “Handelsblatt”.

rt

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