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Warum die Schweizer “Blick”-Gruppe Software zur Themenfindung einsetzt – und wie sich das bezahlt macht

Blick.ch arbeitet künftig mehr mit Daten
Blick.ch arbeitet künftig mehr mit Daten © Ringier

In der Schweizer "Blick"-Gruppe unterstützen Computer-Programme seit kurzem die Redakteure bei der Themenwahl. Umfangreiche Daten sollen den Journalisten zu mehr Relevanz verhelfen. Das Programm trägt bereits erste Früchte. Und für die Zukunft ist noch mehr Automatisierung geplant.

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Seit Anfang Mai hat die Schweizer “Blick”-Gruppe (Ringier-Verlag) einen neuen Begleiter. “Apollo” heißt er und nimmt den Blattmachern die Arbeit ab. Aus unterschiedlichen Datenquellen gespeist, zeigt das Analyse-Tool jedem Journalisten, wie seine Artikel gelesen wurden. Darauf aufbauend trifft er redaktionelle Entscheidungen. Das soll nicht nur dem Leser zu Gute kommen, sondern auch der Reichweite.

Verantwortlich für das neue Computer-Programm sind Katia Murmann, Chefredakteurin Digital der “Blick”-Gruppe, und Peter Wälty, Geschäftsführer Digital. Zwei Monate nach der Einführung von Apollo ziehen sie ein erstes Fazit: “Wir produzieren weniger Artikel, die jedoch besser performen”, sagt Murmann gegenüber MEEDIA.

“Relevanz und Reichweite sind kein Gegensatz”

Apollo habe die Themenfindung im Haus erheblich verändert. In jeder Sitzung sprechen die Redakteure viel mehr darüber, “was Leser tatsächlich interessiert”, erzählt Murmann weiter. “Was wir nicht mehr machen wollen sind Artikel, die nicht relevant sind und niemanden interessieren.”

Die Daten zu den Artikeln kann jeder Journalist auf einem persönlichen Dashbord einsehen. Sie stammen von Google Analystics, aber auch Sherlock, dem Ringier-internen Datentool, sowie von Ad-Servern. Jeder Redakteur erhält Pageviews, Lesedauer, Visits, aber auch die Zahl der Bilder, Links und Videos in einem Artikel. Auch der Weg eines Artikels auf der Frontseite werde dargestellt. Künftig folgen zudem Informationen wie Shares, Anzahl der Kommentare, Trafficquellen und soziodemographische Daten zum Publikum.

Dank des Tools setze sich jeder Redakteur mehr mit seinen Beiträgen auseinander, stellt Murmann fest. “Sie überlegen, warum ein Artikel, in den sie viel Herzblut gesteckt haben, nicht performt – und können daraus lernen. Dieser Prozess ist enorm wichtig.” Ein Audience Manager unterstütze die Redakteure bei der Auslese der Daten.

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Zudem habe Apollo zwei Monate nach der Einführung gezeigt, dass “Relevanz und Reichweite kein Gegensatz sind”. Es komme nur darauf an, wie man die Inhalte verkauft. Angst, dass bestimmte Themen, die möglicherweise weniger Klicks generieren, wegen Apollo hinten wegfallen, hat Murmann nicht: “Wenn ein Artikel relevant ist oder zur DNA des ‘Blick’ gehört, dann bringen wir den Artikel und die Klickzahlen spielen eine untergeordnete Rolle.” So kann es vorkommen, dass sich die Redaktion auch mal gegen die Daten entscheidet.

Aufbau einer smarten Frontpage

In Zukunft soll die zunächst interne Änderung auch für den Leser sichtbar werden: im Rahmen einer “smarten Frontpage”. Bei anderen Medienhäusern bereits gängig, testet “Blick” im ersten Schritt verschiedene Kombinationen von Headlines und Teaser-Bildern. Im automatischen Betrieb gewinnt dann diejenige Kombination, die am besten abschneidet. Später wird das Medienhaus auch die Artikelauswahl automatisieren. Ein Teil der Seite wird weiterhin von einem Blattmacher bestimmt, der andere dynamisch. Je besser das Verhältnis zwischen Sehern und Lesern einer Story, desto prominenter wird sie angezeigt.

Zudem will die “Blick”-Gruppe laut Peter Wälty Lesersegmente erstellen. Sie basieren “einerseits auf Lese-Interessen, andererseits auf Kategorien wie Loyalität, Engagement sowie der Menge an konsumierten Inhalten”. Auch danach wird sich Apollo richten und Artikel persönlich ausspielen.

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