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Wegen mäßigem Interesse Externer an DuMont-Titeln: Verlagsspitze könnte auf Management Buy-outs setzen

DuMont-Vorstandschef Christoph Bauer will das Medienhaus neu ausrichten und sich vom Zeitungs-Portfolio trennen
DuMont-Vorstandschef Christoph Bauer will das Medienhaus neu ausrichten und sich vom Zeitungs-Portfolio trennen

Die zum Verkauf stehenden DuMont-Regionalzeitungen stoßen bei externen Investoren eher auf verhaltenes Interesse. Vor allem Großverlage wie Madsack und Funke sollen abgewunken haben. Lediglich für die Berliner Titel soll es einen externen Interessenten geben. In Branchenkreisen wird deshalb kolportiert, dass DuMont-Chef Christoph Bauer jetzt auf Management-Buy-Outs setzen könnte.

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Beispiele für Management-Buy-Outs gibt es in der Medienbranche viele. Als Verlagsleiterin des Hamburger Großverlags Gruner + Jahr hatte die Juristin Katarzyna Mol den Frauentitel “Emotion” 2006 mit entwickelt und an den Markt gebracht. Doch das Magazin entwickelte sich unter der Ägide von G+J nicht wie gewünscht. Überraschend kaufte deshalb die Geschäftsfrau die Zeitschrift 2009 Gruner + Jahr ab – im Rahmen eines Management-Buy-outs (MBOs), also den Kauf eines Unternehmens oder Firmenteilen durch die Geschäftsführung oder Belegschaft.

In der Medienbranche sind solche Geschäfte keine Seltenheit. Auch der Chefredakteur Nikolaus Förster erwarb von Gruner + Jahr 2013 das Wirtschaftsmagazin “Impulse” im Zuge eines MBOs. Nach einer kleinen Verlustphase schreibt der Verlag seit einigen Jahren schwarze Zahlen – auch wegen seiner unternehmerisch mutige Neuausrichtung. Erfolgreich am Markt behaupten sich auch die beiden Qualitätstitel “Cicero” und “Monopol” in Deutschland. Im Mai 2016 hatten “Cicero”-Chefredaktor Christoph Schwennicke und Alexander Marguier die Titel im Rahmen eines MBOs übernommen. Und auch ein aktuelles Beispiel zeigt, dass MBOs für die Titel eine Zukunftschance bergen könnten. Jüngst gab Burda die “Playboy”-Lizenz an das langjährige Führungsduo Myriam Karsch und Florian Boitin ab.

Externer Interessent für Berliner Titel

Jetzt könnten MBOs auch beim Kölner Medienhaus DuMont ein Thema werden. Das Haus will seine Regionaltitel – von “Hamburger Morgenpost” bis “Berliner Zeitung” – loswerden. In Branchenkreisen wird kolportiert, das bei einem möglichen Verkauf MBOs als Option zum Zuge kommen könnten. Damit könnte DuMont auf das mäßige Interesse externer Investoren reagieren. So sollen Madsack Mediengruppe, die Essener Funke Mediengruppe und auch die “Rheinische Post” inzwischen abgewunken haben, hieß es zuletzt in Branchenkreisen. Lediglich für die Berliner Titel soll ein externer Interessent parat stehen: der in der Branche weitgehend unbekannte Medienunternehmer Detlef Prinz, der unter anderen in der Hauptstadt die englischsprachige “The Berlin Times” und “Der Hauptstadtbrief” herausgibt.

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Interesse an einem MBO bei der “Hamburger Morgenpost” wird seit Längerem Martin Stedler nachgesagt. Er ist seit 2016 Geschäftsführer der Hamburg First Medien & Marketing GmbH. Der Verkauf an das Management könnte für viele DuMont-Zeitungen ein Befreiungsschlag sein. Neue Eigentümer aus den eigenen Reihen der Zeitungen müssten künftig keine Konzernumlagen leisten, die Großverlage wie Funke und Madsack den Blättern auferlegen würden. Dies würde die Titel deutlich rentabler machen. Ein weiterer Vorteil: Geschäftsführer, die die Zeitungen erwerben, können leichter und schneller entscheiden, wie sie die Printprodukte fit für den Wettbewerb machen. Sie müssen keine komplexen Entscheidungshierarchien wie bei Großverlagen beachten. Wirtschaftlich wäre der Verkauf der Regionalblätter an die Belegschaften und/oder Manager für DuMont allerdings weniger attraktiv. Hohe Kaufsummen sind bei einer Veräußerung an das Management kaum zu erwarten.

Eine DuMont-Sprecherin betont auf Anfrage von MEEDIA: “Wie Sie wissen, arbeiten wir gerade an der Ausrichtung unseres künftigen Gruppenportfolios. Dabei überprüfen wir verschiedene Optionen für unser Geschäftsfeld Regionalmedien. Dieser Prozess ist absolut ausgangsoffen: Die Möglichkeiten, die wir uns anschauen, reichen vom Behalten des gesamten Portfolios, über Verkaufsszenarien bis zu Kooperationen, Fusionen oder andere Formen der Zusammenarbeit mit Dritten.” DuMont hatte jüngst die Belegschaft darüber informiert, dass man für die Neuausrichtung des vielschichtigen Zeitungsportfolios mehr Zeit benötigt. Jetzt soll der gesamte Prozess bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Ursprünglich wollte der Verlag bereits Mitte des Jahres Fakten schaffen.

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