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Viel Geld von der VG Wort bekommen? So ist die einmalige Ausschüttung korrekt zu versteuern

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Dieser Tage freuen sich viele Journalisten über üppige Nachzahlungen der VG Wort. Einige planen bereits den Großurlaub, andere wollen ihren Studienkredit auf einmal abbezahlen – oder sich gleich in die Karibik absetzen. Doch herrscht aktuell große Unkenntnis, wie diese "Sonderzahlung" korrekt zu versteuern ist. MEEDIA hat mit mehreren Finanzämtern und der VG Wort gesprochen. Kurzum: Die eine, klare Regelung, nach der garantiert entschieden wird, gibt es nicht.

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Disclaimer: Dieser Artikel stellt keine Empfehlung dar, wie Sie mit ihren Finanzen umgehen sollten. Die Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Alle hier zur Verfügung gestellten Informationen dienen allein der Bildung und der privaten Unterhaltung.

Am Mittwoch berichteten wir über den aktuellen “warmen Geldregen” bei vielen Autoren, die bei der VG Wort gemeldet sind. Uns erreichten viele Fragen, wie die mitunter hohen Summen denn steuerlich zu behandeln seien. Kurzum: Wie viel Netto bleibt vom Brutto?

Dass die Informationslage so schlecht ist, verwundert nicht. Denn die Informationen zur korrekten Versteuerung der VG-Wort-Ausschüttungen sind selbst auf den Seiten der VG Wort relativ spärlich. Dort heißt es zur Steuerpflicht zunächst nur:

Die Zahlungen der VG WORT an Urheber und Verlage sind steuerpflichtig. Die Empfänger von Ausschüttungsbeträgen sind dazu verpflichtet, diese im Rahmen der Steuererklärung ordnungsgemäß anzugeben.

Auf einem einseitigen Merkblatt informiert man zudem darüber, wie mit der Umsatzsteuer zu verfahren sei. Ein Hinweis, der in erster Linie Freiberuflern helfen soll. Wichtiges Detail für Freelancer: Waren in der Ausschüttung nicht die Umsatzsteuer enthalten, kann man diese gegen Vorlage der passenden Dokumente nachträglich bei der VG Wort einfordern. Doch generell ist die Lage für freie Journalisten mit Blick auf die VG Wort relativ einfach: Es sind Mehreinnahmen, die sich auf die Einkommens- und Umsatzsteuerlast auswirken.

Für VG Wort ist der Fall klar

Doch wie verhält es sich bei festangestellten Redakteuren bzw. Journalisten in der Regel? Für die VG Wort ist das eindeutig geregelt: “Es handelt sich um Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit”, heißt es auf Anfrage. Wer jetzt denkt “Moment, aber die Einkünfte entstehen doch aus meiner hauptberuflichen Tätigkeit”: Das ist korrekt, allerdings wären die Zahlungen der VG Wort letzten Endes nur Einkünfte aus einer nicht-selbstständigen Tätigkeit, wenn man bei der VG Wort angestellt wäre. Für alle anderen gilt: Es handelt sich um Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit.

Diese sind in der Steuererklärung unter der sogenannten “Anlage S” aufzuführen – und entsprechend der eigenen Steuerklasse zu versteuern. Gerüchte, wonach Festangestellte, die bis dato nicht umsatzsteuerpflichtig waren, etwa vom Finanzamt aufgefordert werden, künftig Umsatzsteuervorauszahlungen zu tätigen, kann man entkräften: Solange man auf die erbrachten Leistungen keine Umsatzsteuer aufgeschlagen und die VG Wort keine Umsatzsteuer mitausgeschüttet hat, wird man auch nicht umsatzsteuerpflichtig. Egal, wie hoch die aktuelle Ausschüttung auch sein mag.

Sind die aktuellen Mehreinnahmen Sondereinkünfte – oder nicht?

Doch mit Blick auf die deutlich höheren Ausschüttungen in diesem Jahr stellt sich die Frage, wie mit dieser “Ballung” steuerlich zu verfahren ist. Denn im schlimmsten Fall ist auf die Summe der Spitzensteuersatz anzuwenden. Da fiele der geplante Urlaub dann plötzlich deutlich kleiner aus. Nach Rücksprache mit mehreren Finanzämtern lässt sich feststellen: Es gibt mehr als eine Lesart, wie diese einmalige Ausschüttung zu besteuern sein wird. Dabei kann die von der VG Wort selbst angemerkte “Einmaligkeit” eine wichtige Rolle spielen.

So schreibt die VG Wort in einer Mitteilung zur Hauptausschüttung:

Die Auszahlungen setzen sich aus zwei Bestandteilen zusammen: Aus der jährlich stattfindenden Verteilung der Einnahmen des Vorjahres (2018) sowie einmalig aus der außerordentlichen Verteilung der aufgelösten Rückstellungen, die im Zusammenhang mit der in den Jahren 2012 bis 2016 fraglichen Verlegerbeteiligung gebildet
wurden.

Das Wort “einmalig” ist dabei gefettet.

Szenario 1: geringere Steuerlast

Eine Lesart ist: Weil es sich um eine einmalige Zahlung handelt, ist es als außerordentliche Einkunft zu versteuern. Zu den außerordentlichen Einkünften zählen  beispielsweise Veräußerungsgewinne aus der Veräußerung von Betrieben, Teilbetrieben, Mitunternehmeranteilen ebenso wie Entschädigungen, Nutzungsvergütungen sowie Zinsen, wenn sie denn für ein Zeitfenster von mehr als drei Jahren ausgezahlt wurden.

Diese außerordentlichen Einkünfte zählen zu den tarifbegünstigten Einkünften. Die Steuerlast auf derlei Einnahmen ist also geringer. Sie werden in der Regel über einen längeren Zeitraum erwirtschaftet und dann zu einem bestimmten Zeitpunkt realisiert. Bei der Berechnung der Steuerlast greift dann die sogenannte “Fünftelregelung”.

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Dabei teilt der Sacharbeiter die außerordentlichen Einkünfte zunächst durch 5 und addierte dieses Fünftel zum regulären Jahreseinkommen hinzu. Dann berechnet er, wie hoch dieses Gesamteinkommen versteuert werden müsste. Diesen Wert vergleicht er mit der Steuer, die auf das Jahreseinkommen ohne das Fünftel zu zahlen wäre. Die Differenz zwischen beiden Beträgen ergibt die Mehrbelastung, die für diese Sondereinkünfte zu zahlen wäre. Diese steuerliche Mehrbelastung wird zum Schluss mit 5 multipliziert. So lässt sich die Steuerlast insgesamt mindern.

Szenario 2: gleiche Besteuerung wie bei regulären VG-Wort-Zahlungen

Auf Nachfrage bei einem weiteren Finanzamt erhielten wir folgende Auskunft: De facto hätten die nun nachträglich ausgeschütteten Tantiemen den Autoren sowieso zugestanden. Somit sei die nun nachträgliche Auszahlung nicht als einmaliger Bonus zu werten – sondern vielmehr als eine Nachzahlung, die den Schreibern in den Jahren sowieso zugestanden und entsprechenden in diesen Jahren auch versteuert worden wären. Insofern handle es sich nicht um Sondereinkünfte, der Betrag sei regulär zu versteuern. Sprich: Jahreseinkommen plus die nun höhere VG-Wort-Ausschüttung. Dafür spricht auch, dass die Tantiemen nicht über Jahre erwirtschaftet und nun erst ausgezahlt wurden, sondern über all die Jahre bereits ausgezahlt wurde – nur eben zu wenig.

Unterschiedliche Einzelfallentscheidungen sind wahrscheinlich

In beiden Fällen handelt es sich aber aktuell um reine Ansichtssache. Eine Beamtin erklärte auf Nachfrage, dass es zudem wahrscheinlich ist, dass unterschiedliche Finanzämter zunächst einmal unterschiedlich in Einzelfällen urteilen werden.

Zum besseren Verständnis: Wenn eine Person in ihrer Steuererklärung auf Sondereinkünfte pocht, bekommt der verantwortliche Sachbearbeiter in jedem Fall einen Hinweis, diesen Fall zu prüfen.

Diese Dokumente sollten Sie parat halten:

So kann es zunächst sein, dass der eigene Antrag auf steuerliche Begünstigung nach der Fünftel-Regelung abgelehnt und der eines Kollegen mit ähnlicher Sachlage problemlos durchgeht. Kommt es zu einer Ablehnung, besteht die Möglichkeit, dagegen Einspruch einzulegen und den Fall nochmals zu schildern. Haben Sie deswegen zum einen den eigenen Ausschüttungsbrief (im TOM-Portal unter “Dokumente” abrufbar) sowie die Mitteilung der VG Wort zur Hauptausschüttung griffbereit, um sie auf Nachfrage dem Finanzamt zukommen lassen zu können.

Überzeugt das ihren Sacharbeiter immer noch nicht, können Sie zusätzlich noch einen vergleichbaren Vorfall der VG Bildkunst aus 2018 anführen. Mitglieder aus den Bereichen Fotografie, Illustration, Grafik und Design profitierten zum einen vom BGH-Urteil, das auch für die VG Wort greift, zum anderen kamen jahrelange Verhandlungen mit der Geräteindustrie über Einigungen über die Höhe der zu leistenden Geräteabgaben für PC, Drucker, Tablets und Mobilfunkgeräte zu einem glücklichen Ende für die Kreativen. In Folge wurde in 2018 für die Jahre 2001 bis 2015 nachgezahlt. In einer Mitteilung hieß es:

Die Ausschüttungen dieser Vergütungen können daher zu einer Zusammenballung von Einkünften führen. Bei den Nachausschüttungen und Sonderausschüttungen für vergangene Nutzungsjahre liegt nach Ansicht der VG Bild-Kunst ein Sachverhalt vor, für den die Steuerermäßigung nach § 34 Abs. 1 EStG in Betracht kommt.

Allerdings, und deswegen kann dieser Artikel nur ein Anreiz sein, obliegt die endgültige Entscheidung über das Vorliegen oder Nicht-Vorliegen der Voraussetzungen des § 34 Abs. 1 EStG der zuständigen Finanzbehörde des Zahlungsempfängers. Insofern gilt: Wenden Sie sich im Zweifeln an ihren Steuerberater und das zuständige Finanzamt und bitten Sie, falls möglich, um eine schriftliche Stellungnahme, wie bei der Steuererklärung für 2019 zu verfahren ist.

Fiskus im Austausch mit VG Wort

Wer übrigens denkt, dass er die Einnahmen komplett an der Steuer vorbeischleusen kann: Auf Nachfrage erklärten die Finanzämter, dass sie die entsprechenden Mitgliederdaten bei der VG Wort abrufen können. Wenn dann im Abgleich herauskommt, dass eine Person die Einkünfte aus der VG Wort nicht gemeldet hat, wird umgehend Steuerhinterziehung festgestellt und die Steuerfahndung eingeschaltet.

Insofern gilt: Bewahren Sie alle wichtigen Dokumente zur Ausschüttung auf und hinterfragen Sie am besten vor der Steuererklärung für 2019, wie ihr Finanzamt entscheiden würde. Anschließend können Sie auf eine Steuerermäßigung nach § 34 Abs. 1 EStG in ihrer Steuererklärung pochen. Eine Garantie, dass der Antrag durchgeht, gibt es aktuell aber nicht. Vor allem aber: Geben Sie den wohlverdienten Zuschuss nicht komplett auf einmal aus, sondern bilden entsprechende Rücklagen bis zum Steuerbescheid für 2019.

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