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Wissenschaft bei Instagram & Co? Die WDR-Marke “Quarks” zeigt, wie das funktionieren kann

Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim
Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim Bild: WDR/Linda Meiers

"Quarks" gilt seit mehr als zwei Jahrzehnten als renommierte Marke im Fernsehen – vor allem dank Ranga Yogeshwar. Auch im digitalen Raum soll das Angebot aus Sicht des WDR präsenter werden. Doch wie kann Wissenschaftsjournalismus auf Instagram, YouTube und Co. gelingen?

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Lange Zeit war die WDR-Marke “Quarks” mit einem Gesicht verbunden: Ranga Yogeshwar. Der mittlerweile 60-Jährige war über 25 Jahre die prägende Figur des TV-Formats. Doch nicht erst mit dem Abgang des promovierten Physikers Ende 2018 und dem Neuzugang von Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim wurde bei den Kölnern ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Einen ersten Schritt ging die öffentlich-rechtliche Anstalt bereits vor etwa einem Jahr: Damals entschied sich die Führungsebene, “Quarks” als neue Dachmarke zu etablieren, zu der seitdem ein Online-Auftritt, das TV-Magazin und das Radioformat “Quarks – Wissenschaft und mehr” (ehemals “Leonardo”) sowie die relevanten Plattformen von Instagram über Facebook bis YouTube gehören.

Mitbewerber im Digitalen: “Terra X”, “MrWissen2Go” und “Kurz gesagt”

Durch die Zusammenlegung sei man zu einem großen Wissenschafts-Campus zusammengewachsen, erzählt Mustafa Benali im Gespräch mit MEEDIA. Als Redaktionsleiter ist er für die Entwicklung der Netzmarke verantwortlich. “Mit diesem Konzept sind wir auch innerhalb der ARD weit vorne”, sagt er. Damit sei das Ziel klar: “Wir wollen insgesamt die größte Wissensmarke im Digitalen werden.”

Für die sozialen Netzwerke stellten sich für die verantwortlichen Redaktionsmitglieder zu Beginn zunächst einige Fragen: Wie kann Wissenschaftsjournalismus im Digitalen funktionieren? In welcher Form lassen sich hochkomplexe Themen für Formate bei Instagram & Co. aufbereiten? Und welche Konsequenzen hat die vermeintlich kürzere Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer für die journalistische Arbeit?

“In den sozialen Netzwerken gibt es ein großes Bedürfnis nach Einordnung”

“Wir hinterfragen, wir ordnen ein, wir bieten Lösungen und alles, was wir machen, basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen”, erklärt Benali das gattungsübergreifende Konzept. Die Marke bewegt sich dabei in einem digitalen Umfeld angefangen bei “Spektrum der Wissenschaft” und “National Geographic Deutschland” über “Terra X” bis hin zu “MrWissen2Go” oder “Kurzgesagt” (englisches Format: “In a Nutshell“).

Derzeit besticht vor allem der Instagram-Auftritt: In etwas mehr als 15 Monaten hat der Kanal über 255.000 Follower gesammelt (Stand: 25. Juni 2019) und sich mit seinen maximal 60-sekündigen, mehrheitlich animierten Erklärvideos – längere sind auf der Plattform außerhalb von IGTV nicht möglich – zu einem reichenweiten- und interaktionsstarken journalistischen Player entwickelt. In ähnlicher Weise tun es seit September 2018 die Redaktionen von “Spektrum der Wissenschaft” und bereits seit 2014 “Galileo“.

 

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Schwerpunkte in der Berichterstattung sind der Klimawandel, das Insektensterben, der Plastikverbrauch und grundsätzlich das Thema Nachhaltigkeit. Damit profitiert die Marke gegenwärtig sicherlich auch von der großen Nachfrage nach diesen Themen in der Gesellschaft. Der “Quarks”-Redaktionsleiter sieht einen weiteren Grund für das Wachstum: “Es gibt vor allem in den sozialen Netzwerken ein großes Bedürfnis nach Orientierung und Einordnung, gerade bei jüngeren Leuten.”

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Ob ein Beitrag auf Instagram gut gelaufen ist, wird anhand der Interaktionsrate und der Anzahl der Views beurteilt, die das Video generiert. Daten des Analysetools Crowdtangle zeigen, dass “Quarks” im Mai dieses Jahres rund 412.000 Interaktionen in Form von Likes und Kommentaren verzeichnete, hinzu kamen 4,45 Millionen Views. Bei den Abrufen platziert sich der Kanal auf Rang 3 unter den deutschen Medien, einzig die “Tagesschau” (12,78 Millionen) und “Germany’s next Topmodel” (4,66 Millionen) erreichten mehr Nutzer.

Nur rund 14 Beiträge pro Woche produzieren die Redakteure in Zusammenarbeit mit einem Netzwerk aus freien Mitarbeitern, deren Inhalte häufig auch für Facebook genutzt werden. Dort folgen der Marke knapp 400.000 Abonnenten.

Was hat Wissenschaftsjournalismus mit Pilzen zu tun?

Wachstum sei aber nicht alles, betont Benali im Gespräch: “Erfolg definiert sich bei uns vor allem durch journalistische Qualität.” Und die wird durch einen Prozess sichergestellt: Mehr Tiefe in der Recherche, um präzise und konkret zu formulieren und schließlich die Essenz eines Themas herauszuarbeiten. “Unsere Haltung ist: lieber eine Studie mehr analysieren, als eine zu wenig”, erläutert Benali.

Anfang Mai haben Redaktionsmitglieder dem Publikum bei der Digitalkonferenz re:publica ihre Arbeitsweise bildhaft erklärt: Sie nannten es das Champignon-Prinzip. Demnach sei ein Instagram-Beitrag die Frucht, die aus dem Boden ragt und die man im Wald sammeln kann. Unter der Erde verborgen erstreckt sich jedoch ein weit verzweigtes System aus Fäden, das den Pilz erst wachsen lässt. Dieses sei, um im Bild zu bleiben, die journalistische Recherche bestehend aus Studien, Fakten-Checks und Expertenmeinungen.

Communities entscheiden über Erfolg

Plattformübergreifend kommt ein Community-Team hinzu, das sich um den Austausch mit den verblüffend sachkundigen Nutzern kümmert, wie ein Blick in die Kommentarspalten der sozialen Netzwerke zeigt. “Menschen, die uns beispielsweise wegen unserer Inhalte zum Klimawandel abonnieren, sind mit dem Thema bereits recht gut vertraut, kennen womöglich selbst Studien und haben eine Haltung dazu”, bestätigt Benali.

Um dort nicht auf verlorenem Posten zu stehen, werden die Community-Manager von den Autoren mit mehrseitigen Recherchepapieren gefüttert. Darin enthalten: verwendete Quellen, weiterführende Studien und Links sowie antizipierte Kritikpunkte der Nutzer und mögliche Erwiderungen darauf. Die Communities auf den einzelnen Kanälen nehme man sehr ernst, da “sie im Grunde darüber entscheiden, wie erfolgreich die Marke wird”, sagt der Redaktionsleiter.

Plattformgerechte YouTube-Formate in Planung

Ein Hauptfokus soll zukünftig auf der Konzeption plattformgerechter Formate für YouTube liegen. Diesen Kanal bespielt die WDR-Redaktion gegenwärtig größtenteils mit Wiederverwertungen der TV-Inhalte. Über 195.000 Abonnenten hat “Quarks” ein Jahr nach dem Start bereits. Das Potenzial dürfte mit Blick auf vergleichbare Angebote längst nicht ausgeschöpft sein. Das bereits erwähnte “MrWissen2Go” mit über eine Millionen Abos und der Kanal “Kurzgesagt” (über 500.000) zeigen das mögliche Wachstum. Aktuell arbeite die Redaktion an Produkten, so Benali. Welche das konkret sind, wollte er aber nicht verraten.

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