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Publisher aufgepasst! Googles Chrome-Update macht Metered-Paywalls das Leben schwerer

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Schon mal was von sogenannten "Inkognito"-Detektiven gehört? Wer mit Paywalls arbeitet, ganz bestimmt. Denn bislang war es Publishern möglich, jene Nutzer herauszufiltern, die mit dem Inkognitomodus im Chrome-Browser versuchten, eine Paywall zu umgehen. Damit macht Google nun bald Schluss.

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Konkret erlaubte die FileSystem API im Chrome-Browser über Jahre das zuverlässige Erkennen von Nutzern, die eine Webseite im Inkognitomodus ihres Browsers ansteuern. Wichtigstes Features dieses Modus: Es werden keine Cookies erstellt. Für eine “reguläre” Webseite insofern ein Problem, als dass nicht mehr zielgenau Werbung ausgespielt werden kann.

Folgenschwerer ist der Geheim-Modus für Publisher mit einer Metered-Paywall. Denn eine solche Webseite erkennt eigentlich auf Basis von Cookies, wie viele Artikel ein Nutzer gelesen hat, um ihm dann nach einer bestimmten Menge den Zugriff zu verwehren und ihn vom Abschluss eines kostenpflichtigen Zugangs zu überzeugen. Mit dem Aufkommen neuer Paywalls nahm in jüngster Vergangenheit auch die Zahl von Browsererweiterungen zu, die sich den “Inkognito-Hack” zunutze machten.

Das hatten auch Publisher, darunter die “New York Times”, die “Washington Post”, der “Boston Globe” und die “Los Angeles Times”, erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen: Sogenannte Inkognito-Detektiv-Skripte waren auf Basis der FileSystem API in der Lage, jene Nutzer im Inkognitomodus herauszufiltern und ihren Zugriff zu blocken. Ein für Ende Juli angekündigtes Update für Chrome ändert das grundlegend.

So “begrüßt” der Boston Globe Nutzer im Inkognito-Modus

Was für Publisher ein Weg war, um die Zahl der Digitalabonnenten zu erhöhen, betrachtetet Google als Sicherheitslücke, die geschlossen werden muss. Getreu dem Motto: Ein Inkognito-Modus, der von anderen erkannt werden kann, ist nicht wirklich inkognito.

Aus Sicht der Publisher reißt Google damit allerdings wieder ein Loch in den Paywall-Zaun, das man mühsam geflickt hatte. Einigen Medien war es sogar möglich, über diese Inkognito-Blocker Nutzer zu Abonnenten zu konvertieren.

Tests seit Ende April

Das Chrome-Team begann laut Medienberichten Ende April damit, die Änderungen zu testen. Etliche Publisher hatten sich bereits im Februar bei Google darüber beschwert. Anlass war, dass erstmal ein Chrome-Entwickler vorschlug, die Änderung zu testen. Laut der News Media Alliance, quasi der VDZ bzw. BDVZ der USA, wusste Googles News-Partnership-Team nichts von den Tests.

Dass sich Publisher mit den Veränderungen befassen und gegebenenfalls ihr Business anpassen müssen, steht außer Frage. Denn Chrome ist mit weitem Abstand der meistgenutzte Browser weltweit: 69 Prozent verwenden die Google-Software auf dem Desktop, 59 Prozent auf dem Smartphone.

Wirklich belastbare Zahlen zur Nutzung des Inkognito-Modus gibt es hingegen nicht: Eine Studie von Duck Duck Go aus dem Jahr 2017 ergab, dass 46% der Internetnutzer mindestens einmal im privaten Browsermodus gesurft waren, aber nur etwa 11% der Befragten nutzten ihn wöchentlich – in erster Linie, um zu vermeiden, dass “peinliche Suchen” auf ihren Geräten gespeichert wurden. Stichwort: Pornografie.

Mit dem Update auf die neue Version, Chrome 76, wird sich zeigen, wie hoch die Dunkelziffer wirklich ist. Die Konsequenzen sind noch nicht wirklich abzusehen. Fakt ist aber: Die Metered-Paywall wird damit zunehmend obsolet, wenn immer mehr Nutzer den Inkognito-Modus kennenlernen und Publisher wiederum keine Möglichkeit haben, diese Nutzer herauszufiltern.

Eine Beta-Version von Chrome 76 steht bereits zur Verfügung – ebenso wie umfangreiche Guidelines, wie sich damit Paywall umgehen lassen. Piano, einer der größten Paywall-Provider weltweit, sieht dem Update aber gelassen entgegen: “Trittbrettfahrer sind nicht derart wertvoll; es ist eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sie jemals bezahlen werden, also warum nicht”, erklärt Michael Silberman, SVP Strategy bei Piano, gegenüber WNIP.

Noch ein Update in der Kritik

Ein weiteres geplantes Update für den Chrome-Browser beschert Google ebenfalls heftige Kritik – allerdings seitens der Entwickler-Community. Der Konzern hat erst kürzlich die Pläne für das neue Chrome-Manifest bestätigt. Dabei geht es Google ebenfalls vorrangig darum, die Sicherheit der Nutzer im Browser zu erhöhen. Allerdings hat das Auswirkungen auf Werbeblocker. Das sorgt in der Entwickler-Community für “erhöhten Gesprächsbedarf”.

Konkret geht es um eine neue Programmierschnittstelle, die die webRequest API ersetzen soll, die bislang von den Werbeblockern verwendet wurde. Die webRequest API erlaubte es, den Ladevorgang einer Webseite komplett zu stoppen. Währenddessen prüfte die Browser-Extention den Inhalt dieser Seite und konnte so beispielsweise Werbung entfernen. Zu diesem Zweck gewähren Nutzer der Software die Berechtigung, jegliche Netzwerkanfragen abzufangen. Das will Google unterbinden.

So soll in Folge die “Declarative Net Request API” auch die “webRequest API” ablösen. Größter Unterschied: Die neue Programmierschnittstelle stellt einer Erweiterung nicht mehr den vollständigen Inhalt einer Website zur Verfügung, sondern verfährt vielmehr nach einem Regelwerk, das der Browser liest und auf jede Website anwendet, bevor sie geladen wird. Die Folge: Die Erweiterung erhält keine Daten mehr von der Webseite, die Änderungen nimmt der Browser vor. Das greift natürlich die Kernfunktionalitäten eben jener Adblocker an. Gleichwohl spielt es dem Konzern in die Karten, der in erster Linie mit Onlinewerbung Geld verdient. Die Kritik an den geplanten Änderungen ist laut.

So sieht es ganz danach aus, als ob Google mit Blick auf den Chrome-Browser künftig weniger Daten zur Verfügung stellt – zum Vorteil der Nutzer, aber zum Nachteil ganzer Ökosysteme.

dis

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