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Kartellamts-Chef Mundt fordert mehr Befugnisse im Umgang mit Vergleichsportalen

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Rolf Vennenbernd/dpa

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, fordert mehr Befugnisse im Umgang mit Vergleichsportalen. Seine Behörde habe viele Dinge festgestellt, die man gerne abstellen würde, sagte er gegenüber dem "General-Anzeiger". Einige Plattformen erweckten den Eindruck, dass sie den Markt gesamt abbilden, kritisierte Mundt.

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Der Präsident des Bundeskartellamts würde mit seiner Behörde gerne aktiv gegen Internetvergleichsportale vorgehen – ist dazu laut eigener Aussage aber nicht berechtigt. “Bei Internetvergleichsportalen haben wir viele Dinge festgestellt, die wir gerne abstellen würden”, sagte Andreas Mundt in einem Interview mit dem “General-Anzeiger”.

“Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass Vergleichsportale mit großer Sorgfalt informieren”

Einige Plattformen erweckten etwa den Eindruck, sie würden einen Markt komplett abbilden. Unter anderem bei Versicherungen oder Hotelportalen sei das aber oft nicht der Fall. Bei Telekommunikation- und Energietarifvergleichen könnten Firmen ganz oben in der Liste erscheinen, wenn sie dafür zahlten.

Grundsätzlich wünsche er sich für das Kartellamt beim Thema Verbraucherschutz weitreichendere Befugnisse, erklärte Mundt. “Wir möchten gerne Defizite, die wir auf einem Markt feststellen, auch beheben.” Bislang könne die Behörde in diesem Bereich lediglich Untersuchungen durchführen. Er betonte: “Wir sind keine Marktwächter, wir sind Rechtsdurchsetzer.”

Bereits im Februar dieses Jahres hatte der Bundesverband Verbraucherzentrale einen Vorstoß gewagt, als es um die Pleite des bayerischen Billigstromanbieter BEV ging (MEEDIA berichtete). “Verbraucher wären besser geschützt, würden Vergleichsportale beim Ranking der Energieanbieter stärker berücksichtigen müssen, ob diese nur kurzfristig oder dauerhaft günstige Tarife anbieten”, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband. “Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass Vergleichsportale mit großer Sorgfalt und Transparenz informieren.”

Wichtiges Werkzeug, solang sie objektive Ergebnisse liefern
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Dem Vorstoß der Verbraucherschützer war eine sogenannte “Sektoruntersuchung” des Bundeskartellamts unter dutzenden Vergleichsportalen im Dezember 2018 vorausgegangen. Vergleichsportale seien ein wichtiges Werkzeug, solange sie objektive und unverfälschte Ergebnisse liefern würden. Viele Vergleichsinformationen seien dabei auch “zutreffend” und “seriös”.

Die Untersuchung offenbarte allerdings auch eine Anzahl von möglichen Rechtsverstößen: “Es fehlt oft an einer Aufklärung der Verbraucher darüber, wie die Reihenfolge der Suchergebnisse und die Empfehlungen der Vergleichsportale im Einzelnen zu Stande kommen. Dies kann zu Fehleinschätzungen der Verbraucher führen. So werden bei Versicherungsvergleichen zum Teil wichtige Anbieter nicht einbezogen”, sagte Mundt damals.

Viele Vergleichsportale setzten zudem Hinweise auf angeblich begrenzte Verfügbarkeiten, kaum realisierte Vorteile oder vermeintliche Exklusivangebote. Außerdem würden zahlreiche Portale keinen eigenständigen Vergleich, sondern lediglich auf die Datensätze und/oder Tarifrechner anderer Portale zugreifen. Das grundlegende Problem sei mangelnde Transparenz. “Die Verbraucher werden über diese Praktiken der Vergleichsportale häufig nicht angemessen informiert”, lautete das Fazit des Berichts.

tb

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