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Google will Rechte von Adblockern einschränken: Was Publisher zum Chrome-Zoff wissen müssen

Adblock auf dem Smartphone
Adblock auf dem Smartphone

Adblocker sind seit jeher ein Zankapfel in Publisherkreisen: Nutzer schätzen den erhöhten Datenschutz, Verlage kritisieren sinkende Anzeigenerlöse. Ein jüngstes Update für den Chrome-Browser beschert Google nun heftige Kritik – allerdings seitens der Entwickler-Community.

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Der Konzern hat erst kürzlich die Pläne für das neue Chrome-Manifest bestätigt. Dabei geht es Google nach eigenen Angaben vorrangig darum, die Sicherheit der Nutzer im Browser zu erhöhen. Allerdings hat das Auswirkungen auf Werbeblocker. Das sorgt in der Entwickler-Community für “erhöhten Gesprächsbedarf”.

Google hat ein Problem mit der alten Schnittstelle

Konkret geht es um eine neue Programmierschnittstelle, die die webRequest API ersetzen soll, die bislang von den Werbeblockern verwendet wurde. Die webRequest API erlaubte es, den Ladevorgang einer Webseite komplett zu stoppen. Währenddessen prüfte die Browser-Extention den Inhalt dieser Seite und konnte so beispielsweise Werbung entfernen. Zu diesem Zweck gewähren Nutzer der Software die Berechtigung, jegliche Netzwerkanfragen abzufangen.

Das will Google unterbinden. “Mit Web Request sendet Chrome alle Daten einer Netzwerkanfrage an die Erweiterung – einschließlich aller sensiblen Daten, die in dieser Anfrage enthalten sind, wie persönliche Fotos oder E-Mails”, schreibt Simeon Vincent, Developer Advocate für Chrome-Erweiterungen, im Chromium-Blog. “Da alle Anforderungsdaten der Erweiterung ausgesetzt sind, ist es für einen böswilligen Entwickler sehr einfach, diesen Zugriff auf die Anmeldeinformationen, Konten oder persönlichen Daten eines Benutzers auszuweiten.”

Google hat nach eigenen Angaben die Sicherheitsmaßnahmen im Browser schrittweise verstärkt. Die Zahl der Entwickler, die an der Aufspürung von Malware-Extensions arbeiten, hätte man um 300 Prozent erhöht, die Zahl der Reviewer sogar um 400 Prozent. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht. So konnte man die Anzahl der „böswilligen“ Extensions innerhalb eines Jahres um 89 Prozent senken. Jeden Monat werden mehr als 1.800 Extensions noch vor der Freischaltung abgelehnt.

Weniger Rechte für Adblocker

So soll in Folge die “Declarative Net Request API” auch die “webRequest API” ablösen. Größter Unterschied: Die neue Programmierschnittstelle stellt einer Erweiterung nicht mehr den vollständigen Inhalt einer Website zur Verfügung, sondern verfährt vielmehr nach einem Regelwerk, das der Browser liest und auf jede Website anwendet, bevor sie geladen wird. Die Folge: Die Erweiterung erhält keine Daten mehr von der Webseite, die Änderungen nimmt der Browser vor. Das greift natürlich die Kernfunktionalitäten eben jener Adblocker an.

Kritik regte sich zudem, weil Google in einem ersten API-Entwurf nur 30.000 Regeln pro Erweiterung akzeptieren wollte. Adblocker müssen teilweise aber Hunderttausende Adressen filtern, wenn sie mit sogenannten “Blacklists” arbeiten, die gemeldete Webseiten ausschließen – im Gegensatz zu “Whitelists”, die nur bestimmte Adresse zulassen. Developer forderten deswegen eine Obergrenze von mindestens 90.000 bis 150.000 Regeln. Einige forderten bis zu 500.000. Vincent kündigte nun an, dass man das Limit wahrscheinlich von 30.000 auf 150.000 Regeln anheben würde.

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Dass man bis dato die Schwelle relativ gering hielt, ergibt aus Sicht von Google Sinn. Denn Adblocker gefährden das Kerngeschäft des Konzerns mit Sitz in Palo Alto. Das Unternehmen betont, dass sich das “Manifest V3” noch in Entwicklung befindet. Doch zuletzt schalteten sich auch Opera, Vivaldi und Brave in die Diskussion ein.

Andere Browseranbieter wollen nicht mitziehen

Die drei Unternehmen nutzen mit ihren Browsern dieselbe Codebasis wie Chrome, wollen die geplanten Änderungen aber eventuell nicht übernehmen “Die gute Nachricht ist, egal welche Einschränkungen Google einführt, wir können sie rückgängig machen”, hieß es in einer Mitteilung von Vivaldi. Dennoch: Chrome ist der mit Abstand meistgenutzte Browser weltweit. Über die Hälfte (53%) verwenden die Google-Software. Auf Platz zwei liegt Firefox mit 7%, gefolgt vom Internet Explorer mit 4 Prozent.

Statistik: Marktanteile der meistgenutzten Browserversionen weltweit im April 2019 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Publisher dürften die Auseinandersetzung gespannt mitverfolgen, in Deutschland allen voran Axel Springer. Der Verlag geht seit Jahren juristisch gegen Eyeo, den Betreiber von Adblock Plus, vor. Vor rund einem Jahr hatte der Bundesgerichtshof (BGH) zugunsten der AdBlocker-Firma entschieden. Im April 2019 reichte das Medienunternehmen erneut Klage ein und verwies nun auf das Urheberrecht.

Dieses würde durch eine unzulässige Umarbeitung verletzt. “Internet-Werbeblocker verursachen den deutschen Verlagen jährlich Schäden in Millionenhöhe und gefährden damit die Refinanzierung von professionellem Journalismus im Internet”, erläuterte der Verlag dazu in einer Mitteilung. Man habe festgestellt, dass Werbeblocker durch eine unzulässige Umarbeitung bzw. Vervielfältigung der Webseitenprogrammierung das Urheberrecht der Medienangebote verletzten.

Eine Eyeo-Anwältin hielt dagegen, der Verlag steigere seine Erlöse im Digitalen trotz der Verbreitung von Adblockern jährlich im zweistelligen Prozentbereich (MEEDIA berichtete). Das Unternehmen partnert mit Google derzeit beim sogenannten “Acceptable Ads”-Programm. Das erlaubt das Ausspielen von bestimmter Werbung gegen Gebühr – für Eyeo angeblich die Haupteinnahmequelle. Dennoch bereite man sich auf den “Worst Case” vor, zitiert Golem einen Sprecher. Die Adblock-Company hatte zuvor eine Anhebung des Regel-Maximums auf 300.000 gefordert.

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