Anzeige

Sorge um die Print-Ausgabe: Mopo-Belegschaft wehrt sich gegen Verkaufspläne von DuMont

Gegen die geplante Veräußerung aller Zeitungen der Kölner DuMont Mediengruppe regt sich zunehmend Widerstand aus der Belegschaft. Jetzt haben Mitarbeiter der Hamburger Morgenpost gegen die mögliche Maßnahme demonstriert. Sie befürchten laut Gewerkschaftsvertretern, dass bei einem Besitzerwechsel die Print-Ausgabe der Boulevardzeitung eingestellt werden könnte.

Anzeige

„Wir sind die Mopo! Wir sind ein Team! Wir lassen uns nicht zerschlagen“ – mit diesem Slogan machten Mitarbeiter der zur DuMont Mediengruppe gehörenden „Hamburger Morgenpost“ ihrem Unmut über den möglichen Verkauf der gesamten Zeitungssparte Luft. Sie demonstrierten am heutigen Dienstag mittags gegen die Maßnahme vor dem neuen Verlagsgebäude in der Barnerstraße in Hamburg. „Die Mitarbeiter der ‚Mopo‘ befürchten, dass bei einem möglichen Verkauf der Zeitung die Printausgabe eingestellt wird und die ‚Mopo‘ nur noch digital erscheint“, erklärt Verdi-Fachbereichsleiter Martin Diekmann gegenüber MEEDIA. Kritik äußerte auch Stefan Endter, Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbands (DJV) in Hamburg, an der Informationspolitik von DuMont. Die Mitarbeiter seien verunsichert, weil sie ihr Arbeitgeber seit Monaten über seine Zukunftspläne im Unklaren lässt.

Entscheidung Mitte des Jahres

Hintergrund der Aktion ist, dass sich DuMont-Chef Christoph Bauer von der gesamten Zeitungssparte trennen will. Dazu gehören neben der „Mopo“ auch Titel wie die „Berliner Zeitung“ und der Kölner „Express“. Angeblich verhandelt der DuMont-Chef mit verschiedenen Interessenten intensiv. So sollen bereits mehrere Verlage Angebote für das gesamte Zeitungspaket oder für Teile des Portfolios angegeben haben, heißt es aus dem Branchenumfeld. Zuletzt war im Gespräch, dass ein Großverlag dem Kölner Verlag bereits ein Angebot für alle Zeitungen über mehr als 150 Millionen Euro unterbreitet haben soll. Bis Mitte des Jahres will Bauer entscheiden, ob es tatsächlich zu einem Verkauf kommt.

Trotz der millionenschweren Transaktion sickern wenig Details über die Veräußerung des vielschichtigen Print-Portfolios durch und das Kölner Management hält sich mit Äußerungen sehr zurück. Dies frustriert die Mitarbeiter zusehends. Sie sind verunsichert und wollen Gewissheit, ob ihre Zeitung den Besitzer wechselt. Auch wenn es nicht dazu kommt, stehen der „Mopo“ schwere Zeiten bevor. Denn das traditionsreiche Boulevardblatt hat in dem hart umkämpften Branchenumfeld schwer zu kämpfen. Seit Jahren sinkt die Auflage des Blattes rapide. Verkaufte DuMont von dem Titel im 1.Quartal 2018 noch mehr als 59.500 Stück, waren es im 1. Quartal dieses Jahr nur noch 52.180 Exemplare.

Pläne der Chefredaktion

Um die Kosten in den Griff zu bekommen, verabschiedet sich die Chefredakteur Frank Niggemeier von der gedruckten Nachtausgabe und stellt die Termin-Beilage Plan 7 in gedruckter Form ein. Ab Juli will er zudem ein festes Print-Team aufbauen. Es soll explizit gut geklickte Geschichten aus dem Netz suchen, um sie für die gedruckte Zeitung aufzubereiten. Mit dieser Strategie will der Verlag stärker die Leserinteressen treffen, um hiermit das gedruckte Blatt für den Verkauf attraktiver zu machen.

Kritisiert wurde bei der Demo auch das künftige Arbeitszeitmodell. Der Verlag plant, ein neues Schichtsystem für die Print- und Online-Redaktion einzuführen. So sollen ab Juli neue Schichten sowohl für die Online-Redaktion (6, 8, 9, 12, 14 Uhr) sowie für das neue Printteam (13 bis 21 Uhr bzw. 15 bis 23 Uhr) gelten, das aus sechs Redakteuren plus Layout besteht.
Der Betriebsrat ist skeptisch, ob das neue Schichtsystem personell umgesetzt werden kann.

Anzeige