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Ausstieg bei der Motor Presse Stuttgart: Gruner + Jahr verkauft Mehrheitsbeteiligung an die Firmengründer

G+J-Chefin Julia Jäkel: Trennung von der Motor Presse
G+J-Chefin Julia Jäkel: Trennung von der Motor Presse

Ende einer Ära: Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr zieht sich nach 14 Jahren bei der Motor Presse Stuttgart zurück, zu der als publizistisches Flaggschiff das Magazin "auto, motor und sport" gehört. G+J-Chefin Julia Jäkel verkauft die Mehrheitsbeteiligung an die Nachfolger der Gründerfamilie Pietsch. Motor-Presse-Chef Nils Oberschelp gibt die Geschäftsführung ab.

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Käufer der Gruner-Anteile an der Motor Presse sind die Nachfolger der Firmengründer, Patricia Scholten und Peter-Paul Pietsch. Der millionenschwere Deal wurde nach Informationen von MEEDIA am vergangenen Freitag unterzeichnet. Gruner +Jahr will die rund 800 Mitarbeiter in Kürze über die Maßnahme informieren. Ein Verlagssprecher will dies auf Anfrage von Meedia nicht kommentieren.

Gruner + Jahr hatte sich 2005 an dem Stuttgarter Medienhaus mit 59,9 Prozent beteiligt. Dort erscheinen unter anderem Titel wie “auto, motor und sport”, “Men’s Health”, “Woman’s Health” sowie “Runner’s World”. Die restlichen Anteile von 40,1 Prozent halten die Gründer. Dazu gehören die Familie Pietsch mit 25,1 Prozent sowie Hermann Dietrich-Troeltsch mit 15 Prozent. Sie verfügen über ein Vorkaufsrecht auf die G+J-Anteile, das sie im Zuge des Rückzugs der Hamburger nun ausüben.

Im Zuge der neuen Anteilsverhältnisse wird sich Nils Oberschelp aus der Geschäftsführung des Stuttgarter Verlagshauses zurückziehen. Er soll durch einen neuen Manager ersetzt werden, den die Eigentümer-Familien zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben wollen. Oberschelp hatte die Motor Presse in den vergangenen Jahren radikal verschlankt. Der ehemalige DPV-Chef konzentrierte das Unternehmen ganz auf das deutsche Geschäft und trennte sich zuletzt von der spanischen Tochter Motor Presse Iberia. Zugleich kurbelte er das Inlandsgeschäft mit neuen Printtiteln an – unter anderem mit dem Influenzier-Magazin “Soul Sister”.

G+J-Umsatz schrumpft
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Mit dem Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der Motor-Presse schrumpft der Umsatz von Gruner + Jahr um rund 130 Millionen Euro. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Bertelsmann-Tochter rund 1,44 Milliarden Euro umgesetzt. Mit dem Deal setzt das Magazinhaus (“stern”, “Geo”, “Brigitte”) seine Konzentrationsbemühungen weiter fort. Einst mit einem Umsatz von 2,8 Milliarden Euro in den fetten Jahren 2006 und 2007 verkleinert sich das Medienhaus seit Jahren. Nachdem der frühere Gruner + Jahr-Vorstand Bernd Buchholz mit seinen Wachstumsplänen – unter anderem dem anvisierten Zukauf des Umfrage-Institus YouGov – am Widerstand des Mutterkonzerns scheiterte und das Haus verließ, kam es am Hamburger Baumwall mit der Komplettübernahme durch Bertelsmann 2014 zu einer Kehrtwende. Die neue Vorstandschefin Julia Jäkel bereinigt das umfangreiche Portfolio um die wenig ertragreichen und weit verzweigten Geschäfte in vielen Ländern – darunter in Österreich mit der News-Gruppe sowie Spanien und Indien. Darüber hinaus konzentriert Jäkel G+J auf die Kernmärkte Frankreich mit Prisma Media sowie Deutschland. Hier stemmt sie das Haus mit neuen Titel wie “Barbara”, “JWD” oder “Guido” gegen die Erosion im Printgeschäft und treibt die digitale Transformation voran.

Verbesserte Umsatz-Rendite

Die Strategie zahlt sich für Jäkel aus. Gruner + Jahr erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn (Operating EBITDA) in Höhe von 140 Millionen Euro, knapp unter dem Vorjahr 2017 mit 145 Millionen Euro. Die Umsatzrendite (EBITDA-Marge) verbesserte sich 2018 trotz des gesunkenen Umsatzes von 9,6 auf 9,7 Prozent. Ob mit dem Ausstieg aus der Motor Presse der weitere Rückzug aus bestimmten Geschäften abgeschlossen ist, bleibt abzuwarten. Denn zugleich rückt Bertelsmann-Chef Thomas Rabe das verbliebene Verlagshaus stärker an die anderen Aktivitäten des Gütersloher Konzerns – vor allem an die TV-Tochter RTL. So gründet er die Bertelsmann Content Alliance, um mehr Synergien zwischen G+J und den anderen Firmeneinheiten zu heben, die mit Inhalten ihr Geld verdienen. Wie weit hier G+J langfristig – vor allem in die Fernsehtochter RTL – mit eingebunden wird, wird sich dabei mittelfristig zeigen.

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Alle Kommentare

  1. Besser spät als nie!

    Wer sich in Hamburg als Minderleister entpuppte, den schob Gruner gern ins Ländle ab. Ein ehemaliger Gruner-Mann schaffte es, als Verlagsleiter in Stuttgart einen ganzen Produktbereich sauerzufahren, schmiß für teuer Geld leitende Redakteure raus, weil ihm deren Nase nicht paßte und verscherbelte schlußendlich den gesamten Bereich an die Konkurrenz. Statt ihn dann endlich rauszuschmeißen schob man ihn lieber zu einer Motorpresse-Auslandstochter ab, wo er ebenfalls noch Jahre wütete. Jetzt macht er in “Consulting”…

    Lötzinn bauen konnten die Motorpresse-Eigner aber auch schon vor dem Gruner-Einstieg. Einem der Anteilseigner gehören viele der Redaktionsgebäude – da er völlig überhöhte Büromieten einstreichen will, waren kleinere Titel des Hauses auf dem Papier immer in den Miesen und kamen auf keinen grünen Zweig. Gedruckt werden mußte immer beim Eigentümer Vogel – egal, wie teuer und schlecht die arbeiteten. Die immerhin sind ja jetzt draußen…

    Aber ob die Eigentümer schlauer sind als die Gruner-Luschen – das wird sich noch zeigen müssen.

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