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Wochenrückblick: AKK und KKR halten die Medienwelt in Atem

Springer-Gebäude, Habeck auf dem stern-Titel, “Bild Politik”, Zeit Logo
Springer-Gebäude, Habeck auf dem stern-Titel, "Bild Politik", Zeit Logo

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer entfacht maximale Empörung. Der Finanzinvestor KKR greift nach Springer. Die frühere "Zeit"-Freundin Jany Tempel schreibt einen offenen Brief. Und die Medien arbeiten sich auf höchst unterschiedliche Weise an den Grünen ab. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Man kann nicht direkt sagen, dass in dieser Woche nix los gewesen sei in Medienhausen. Da war einmal diese Sache mit AKK und der Meinungsfreiheit. Dazu nur soviel: Dass viele Politiker und Medien aus den “Regeln”, die Frau Kramp-Karrenbauer eingefordert hat, schnell mal “Regulierung” gemacht haben, zeugt schon von einer ziemlichen Schlampigkeit im Umgang mit Sprache. Ansonsten, finde ich, trifft es die taz in dieser Sache am besten: “Annegret Kramp-Karrenbauer hat nie gesagt, dass sie in Wahlkämpfen politische Meinungen „regulieren“ will. Aber für die Empörung reicht’s.”

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Bleiben wir bei Drei-Buchstaben-Kürzeln. Die Finanzkrake KKR, formerly known as “Heuschrecke”, greift jetzt auch nach Axel Springer, dem vielleicht deutschesten unserer heimischen Medienkonzerne. Nicht genug, dass KKR auf dem TV-Markt alles wegkauft, was nicht niet- und nagelfest ist, wollen die sich jetzt auch noch Springer zu großen Teilen einverleiben! Das sorgt natürlich nicht nur an der Börse für Fantasie. Kauft Springer mit KKR-Kohle jetzt bald für zig Fantastilliarden die Kleinanzeigen-Sparte von Ebay? Zwingen die KKR-Flannellmännchen Doktor Döpfner zur Einstellung der Print-Ausgaben von “Bild” und “Welt”? Es ist gerade sehr spannend im hiesigen Medienmarkt. Ganz schön peinlich ist allerdings der Edit-War, den sich die Springer Marketingabteilung gerade im Wikipedia-Eintrag der “Bild am Sonntag” liefert. Werbe-Menschen des Konzerns versuchten da offenbar, die “BamS” in ein besseres Licht zu rücken und u.a. unliebsame Auflagen-Statistiken zu entfernen. Also bitte! Wer Weltmarktführer-Ambitionen hat, sollte so etwas eigentlich nicht nötig haben.

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Diesen Freitag findet in Hamburg ein interessanter Prozess statt. Es geht darum, ob die ehrwürdige Zeit der Schauspielerin, Jany Tempel bzw. deren Anwalt Rechtsbeihilfekosten erstatten muss. Frau Tempel war Protagonistin der Wedel-Enthüllungen des Zeit-Magazins. Sie war davon ausgegangen, dass mögliche Straftaten Wedels, die sich aus der Story ergeben könnten, verjährt seien und es also nicht zu einem Strafverfahren kommen würde. Denn das wollten die Frauen, die sich der Zeit gegenüber in Sachen Wedel öffneten, auf gar keinen Fall. Juristischen Experten, die diese Einschätzung abgaben, hatten sich offenbar geirrt, bzw. es wurde “übersehen”, dass die Verjährungsfristen 2015 geändert wurden. Stichwort: “Verjährungsfehler”. Die Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln und zu befragen.

Gut möglich, das Frau Tempel und die anderen Frauen nicht so freimütig gegenüber der Zeit geplaudert hätten, wären sie juristisch korrekt im Bilde gewesen. Frau Tempel nahm sich einen Anwalt, Kosten liefen auf und nun streitet man sich um die Erstattung dieser Kosten. Im Raum stehen immerhin Forderungen in Höhe von etwas über 30.000 Euro. Das Verhältnis zwischen Jany Tempel und den Leuten von der Zeit darf man mittlerweile wohl als zerrüttet beschreiben. Die Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen hat die ganze Geschichte hinter der Geschichte schon einmal für die Welt aufgeschrieben. Der frühere “Zeit Online”-Kolumnist und Bundesrichter a.D., Thomas Fischer hatte die Sache auch bei MEEDIA ausgeleuchtet. Frau Tempel hat nun kurz vor Prozessbeginn auf ihrer Webseite einen offenen Brief veröffentlicht. Darin klagt sie, dass nun kaum noch jemand über Wedel und ihren Fall berichtet:

Warum schreibt keiner mehr über Wedels laufende Prozesse? Keine Ahnung. Wird gewartet, bis alles wieder vergessen ist? Keine Ahnung. Wir leben in einer Zeit der Trends. Der Metoo-Trend ist „durch“, sagt man mir. Was mir und den anderen geschehen ist, scheint schon wieder egal zu sein.

Eine bittere Bilanz.

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Die Grünen und die Medien – eine Beziehung voller Widersprüche. Nach dem Wahlerfolg der Grünen bei der Europa-Wahl, machen diese Woche “Zeit” und “stern” mit der Partei der Stunde auf. Der “stern” ist ja schon länger enthusiasmiert, was die Grünen betrifft. Ich bin sehr gespannt, ob “Rocker Robert” am Kiosk ähnlich fulminant performed wie an der Wahlurne.

Weniger Grünen-taumelig zeigen sich die Medien des Springer-Konzern. Bild-Briefe-Onkel FJW mag die Partei auf einmal nicht mehr:

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Und “Bild Politik” (ja, das Hefterl gibt es noch) meint, den gemeinsamen Nenner von Grünen und AfD zu gefunden zu haben: die Emotionen.

Mal abgesehen von der absturzgefährlich steilen These, konnte dem kundigen Leser dieses Thema reichlich bekannt vorkommen. Bereits vergangenen Dienstag war das Aufmacher-Thema der Freitags-Ausgabe von “Bild Politik” schon groß in der normalen Bild:

Zweitverwertung mit dem Holzhammer. Ich glaube nicht, dass der Markttest von “Bild Politik” noch sehr lange dauert.

Schönes Sonnen-Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt auch über den “AKK-Schock”, wir nehmen nochmal den Relotius-Report des Spiegel auseinander und es gibt ein Interview mit Katja Hofem zum bevorstehenden Start des neuen Streaming-Angebots Joyn. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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