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TikTok-Mutter Bytedance plant eigene Smartphones: Warum das keine gute Idee ist

Die Video-App TikTok auf einem Smartphone
Die Video-App TikTok auf einem Smartphone ©Foto: Picture Alliance/dpa

Amazon hat es versucht und ist gescheitert, und auch Facebooks Produkt lag nach Jahren der Planung und großer Ankündigungen wie Blei in den Regalen: Die Rede ist von einem eigenen Smartphone. Doch angeblich plant Bytedance, das Unternehmen hinter der Teenie-App der Stunde, tatsächlich ein TikTok-Handy.

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Das berichtet die „Financial Times” unter Berufung auf Insider. Demnach will das Startup ein Smartphone mit eigenen, vorinstallierten Apps auf den Markt bringen. Bislang wollte sich die Konzernmutter laut „Financial Times” (Paywall) nicht zu den Berichten äußern. Unklar ist, wie weit das Unternehmen bei der Entwicklung eigener Hardware fortgeschritten ist. Laut “FT” hat man schon eine Reihe von Patenten des Geräteherstellers Smartisan erworben und eine Reihe von Experten für das Thema eingestellt.

Wer sich nun fragt, was es mit der in Deutschland noch weitestgehend unbekannten Firma und der App mit dem komisch klingenden Namen auf sich hat: Bytedances Wert wird aktuell auf rund 65 Milliarden Euro geschätzt und ist damit eines der wertvollsten Startups der Welt. Seine App TikTok wurde bereits über eine Milliarde Mal heruntergeladen. Nutzer können hier kurze Videos erstellen und livestreamen sowie Nachrichten mit anderen Nutzern austauschen.

Analyst: Kein Platz auf dem Massenmarkt

Ausreichend Kapital und eine große Nutzerbasis: Das sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen für ein Unternehmen, dass Hardware an den Mann bzw. die Frau bringen will. Jedoch ist der Smartphone-Markt von extremen Preiskämpfen und Verdrängung geprägt: “Auf dem Massenmarkt ist für sie im Grunde kein Platz”, erklärt Jia Mo, Analyst bei Canalys, gegenüber der “FT”.

Das haben auch andere IT-Riesen schon zu spüren bekommen. Legendär gescheitert war einst Amazon mit seinem 3D-Smartphone. Angeblich fanden sich weltweit lediglich knapp über 20.000 Abnehmer für das ungewöhnliche Gerät. Ähnlich erfolglos waren auch Facebooks Smartphone-Pläne. Bereits 2011 waren Details eines Deals mit HTC bekannt geworden, wonach der Hersteller die Hardware liefern würde. 2013 stellte CEO Mark Zuckerberg dann stolz “Facebook Home” vor, eine alternative Oberfläche für Android-Smartphones. Von einigen als “Socialphone” gepriesen fand das Konzept, Facebook tief in seine Smartphone-Nutzung zu integrieren, im Mainstream keinen Anklang. Und das HTC First, auf dem Facebook Home vorinstalliert war, lag wie Blei in den Regalen.

Dennoch versuchen es Anbieter von Apps bzw. digitalen Services immer wieder, das Nutzererlebnis mit Hardware physisch zu verlängern. Snapchat sorgte mit seiner Videobrille Spectacles und dem ungewöhnlichen Vertriebskonzept für einigen Buzz in der Social-Media-Welt, und auch Spotify denkt laut immer mal wieder über eigene Streaminghardware nach. Geeignet für den Massenmarkt sind diese Devices aber keineswegs, sondern vielmehr Produkte für eine Kernnutzerschaft.

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Mission Reichweite

Laut Analyst Mo könnten Bytedances Smartphone-Pläne so doch noch von Erfolg gekrönt sein: “Wenn sie nur auf einen Nischenmarkt abzielen, haben sie möglicherweise eine Chance, Nischenkunden durch bestimmte vorinstallierte Software zu gewinnen.” Ein Geschäftsmodell gibt es bei Tiktok übrigens noch nicht. Die Plattform ist derzeit allein darauf aus, ihre Nutzerzahl zu vergrößern. Davon profitieren auch einige deutsche Medien (MEEDIA berichtete).

Die Zurückhaltung vieler Publisher ist dennoch zu spüren. Noch ist nämlich nicht ersichtlich, wie sie mit ihren Videos in dem Netzwerk Geld verdienen können. Bislang nutzen alle großen TikTok-Stars dafür primär Instagram und Youtube. Gerade erst haben sich die deutschen Zwillinge Lena und Lisa von TikTok verabschiedet. Mit 30 Millionen Followern war ihr Account selbst international der beliebteste.

Publishern bleibt daher nichts weiter übrig, als Reichweite aufzubauen und diese dann zu vermarkten, wenn TikTok entsprechende Möglichkeiten bietet. Beispiele für erfolgreiche Werbekampagnen gibt es in dem Netzwerk aber sehr wohl – wenn auch vereinzelt und immer in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. Das US-Modelabel Guess startete als erstes westliches Unternehmen eine gesponserte Challenge auf TikTok. Unter dem Schlagwort #InMyDenim zeigten sich Nutzer zuerst in Jogginghose, um dann sich dann in eleganten Guess-Styles zu präsentieren. Knapp 38 Millionen Aufrufe entfielen auf den Hashtag.

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