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taz erwägt laut internem Schreiben Einstellung der Regionalteile: “Alles Quatsch”, sagt die Geschäftsführung

taz-Geschäftsführer Karl Heinz Ruch
taz-Geschäftsführer Karl Heinz Ruch

Dass die taz-Geschäftsführung an der Umstrukturierung der Zeitung arbeitet, ist schon länger bekannt. Nun gibt ein Schreiben aus dem Intranet Einblicke darin, wie das Blatt in den kommenden Jahren aussehen könnte. Demnach wird angeblich über die Einstellung der Regionalteile nachgedacht. Die Verlagsspitze um Andreas Marggraf und Karl-Heinz Ruch widerspricht dem vehement.

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Schon der taz-Innovationsreport 2021 konnte als schonungslose Abrechnung mit der Lage der Branche im Allgemeinen und den Herausforderungen der taz im Speziellen gelesen werden. Hauptbotschaft war (MEEDIA berichtete): Wenn die taz nichts unternimmt, um sich in Zukunft finanzieren zu können, gehen dem Blatt bis 2021 die finanziellen Mittel aus, um den Betrieb im bisherigen Maß aufrecht zu erhalten. Grund dafür sind – wie bei vielen Medien – wegbrechende Einnahmen durch sinkende Zahlen bei den Print-Abos, die durch Wochenend- und E-Paper-Abos nicht kompensiert werden können.

Wie die Umstrukturierung von Print ins Digitale aussehen könnte, erfuhren die Genossen der Zeitung in einer Mitgliederinfo im August vorigen Jahres. taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch dachte dort laut über die Abschaffung der Print-Ausgabe nach. “Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter”, schrieb Ruch, der seit über 40 Jahren die Geschicke der Zeitung leitet. Er betonte, dass der tägliche Druck und Vertrieb der klassischen taz bald nicht mehr möglich sein könnte.

Damals rief der taz-Mitbegründer die Leser der Zeitung auf, dass es neue Gewohnheiten brauche, wenn die Zeitung unter der Woche nicht mehr morgens im Briefkasten liege, sondern nur noch als E-Paper bzw. auf der Homepage erscheine. Nun scheint es in Berlin etwas konkreter zu werden, wie ein Schreiben aus dem taz-Intranet nahelegt, das von den Regionalredaktionen Nord und Berlin versandt wurde und MEEDIA vorliegt. Darin heißt es, dass sich die Geschäftsführung einen “einheitlichen Auftritt” der Wochenausgabe nach Wegfall der täglichen Print-Ausgabe wünsche. Die solle bestenfalls an einem Standort gedruckt werden. Grund für den Schritt seien Sparpläne.

Streichung der Regionalteile angeblich favorisiert

Um dies zu erreichen gebe es drei Optionen, von denen die Streichung der Regionalteile Nord und Berlin von der Leitung favorisiert werde. Die Redaktionsmitglieder zeigen sich in dem Schreiben entsetzt über die angeblichen Pläne: “Die taz sollte sich sehr genau überlegen, ob eine Schwächung und Abwicklung der Lokalteile dem entspricht, wofür diese Zeitung steht: die Anbindung an die Bewegung vor Ort, die Möglichkeit, politisch Einfluss zu nehmen, der Blick im Kleinen auf die großen Entwicklungen unserer Zeit.”

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Hier die Langfassung:

Liebe KollegInnen, alle hier im Haus treibt gerade die Strukturreform um – und nun müssen wir, die Redaktionen der Regionalteile Berlin und Nord, noch einen drauf packen: Wir möchten euch mit dieser Mail darüber informieren, warum die Stimmung in unseren Redaktionen vielleicht noch eisiger ist als bei euch.

Jörg Kohn hat uns vor kurzem in seiner Funktion als Produktentwickler Wochenende mitgeteilt, dass die Geschäftsführung einen “einheitlichen Auftritt” der Wochenausgabe nach Wegfall der täglichen Printausgabe wünscht. Im ganzen Bundesgebiet soll möglichst ein und dieselbe taz erscheinen, am besten sogar an einem Standort gedruckt werden. Hintergrund seien Sparpläne, die Jörg allerdings nicht weiter transparent gemacht hat.

Nun gebe es laut Jörg drei Optionen, wobei die Geschäftsführung die erste favorisiere:

1. Die Streichung der Regionalteile Nord und Berlin als eigene Bücher.

2. Eine bundesweit gleiche Beilage mit 4 Seiten Berlin, 4 Seiten Nord und 4 Seiten Kontext. Soll heißen: Jeder in dieser Republik bekommt alle Regionalteile in reduzierter Form.

3. Eine noch nicht weiter definierte “Metropolen”-Beilage mit Geschichten aus Nord, Berlin und Kontext in einem Buch.

Wir wurden von Jörg aufgefordert uns dazu zu positionieren und – wenn wir mögen – Vorschläge zu machen. Er wies aber darauf hin, dass ihn der publizistische Aspekt dabei nicht interessiert.

Liebe KollegInnen, es geht hier um eine grundsätzliche Weichenstellung, die nicht nur die Regionalteile betrifft sondern – und davon sind wir überzeugt – auch das Gesamtprodukt taz. Den LeserInnen wird ab 2022 unter der Woche bereits die Print-Ausgabe genommen. Anstatt ihnen aber, wie bisher kommuniziert, dafür eine tolle Wochentaz zu geben, sollen ihnen zusätzlich – ganz oder teilweise – die Regionalteile genommen werden. Gleichzeitig müssen mehr zahlende LeserInnen gewonnen werden.

Diese Rechnung der Geschäftsführung wird nicht aufgehen. Wir sind entsetzt und empört über diese Art von Produktentwicklung und auch darüber, wie in diesem Haus mit uns kommuniziert wird. Die taz sollte sich sehr genau überlegen, ob eine Schwächung und Abwicklung der Lokalteile dem entspricht, wofür diese Zeitung steht: die Anbindung an die Bewegung vor Ort, die Möglichkeit, politisch Einfluss zu nehmen, der Blick im Kleinen auf die großen Entwicklungen unserer Zeit.

gez. die Regionalteile Nord und Berlin

Auf Nachfrage, was es mit den möglichen Plänen auf sich hat, antwortet die Geschäftsführung der taz gegenüber MEEDIA nur knapp: “Alles Quatsch!” Derartige Pläne gebe es überhaupt nicht.

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Alle Kommentare

  1. Kommentar der GF: “Alles Quatsch!” Derartige Pläne existierten garnicht.

    _____

    Die hätten Politiker werden sollen.

  2. Eine gedruckte Tageszeitung, die morgens in der gesamten Republik ausgetragen wird, ist sowieso ökologischer Wahnsinn. Weg damit.

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