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Local Hero und “Champion of Choice”: So will Joyn den deutschen Streamingmarkt aufrollen

Katja Hofem und Alexandar Vassilev sind die Geschäftsführer von Joyn
Katja Hofem und Alexandar Vassilev sind die Geschäftsführer von Joyn © Picture Alliance/ Media Tech Con/ Montage: MEEDIA

Joyn, das Streaming-Joint-Venture von ProSiebenSat.1 (P7S1) und Discovery, wird im Juni zunächst in einer reduzierten Version starten. In München wurde das Produkt, auf dem große Hoffnungen ruhen, Journalisten vorgestellt. Joyn wird zunächst als Gratis-Version gelauncht, die kostenpflichtige Premium-Variante folgt im Winter.

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Katja Hofem, verdiente ProSieben-Sat.1-Kämpin und neben dem bisherigen 7TV-Geschäftsführer Alexandar Vassilev, eine der beiden Joyn-Chefs, hatte während der Präsentation des neuen Streaming-Services ein wenig mit ihrer Stimme zu kämpfen. Sie kam frisch von den LA Screenings, und die Kombi aus US-Klimaanlagen-Belüftung (Hofem: “Minus 5 Grad!”) und Münchner Fühjahrs-Sudelwetter forderte ihren Tribut.

Präsentation am Schnürchen

Die Präsentation des Beta-Produkts vor Journalisten klappte aber am Schnürchen. Bei den ausgeteilten Test-Handys ruckelte und zuckelte nix, die Joy-App lief flüssig und stabil. Auch aus Usability-Sicht gibt es nix zu meckern – wer schon einmal Netflix, Maxdome oder einen anderen der einschlägigen Streaming-Services genutzt hat, findet sich auch bei Joyn schnell zurecht.

 

Vertrauter Look: die Beta-Version der Joyn-App

Hier kommt freilich hinzu, dass es auch “Live-TV” gibt. Enthalten sind die Sender der Discovery Gruppe und die von ProSiebenSat.1 – logisch, denn die beiden Partner betreiben ja den Dienst. Außerdem an Bord sind ARD und ZDF. Warum man jetzt “Soko Weimar” oder die “Tagesthemen” in der Joyn-App gucken soll, statt in der Mediathek der Öffis oder im TV, das ist eine der doch recht zahlreichen Fragen, die Joyn noch beantworten muss.

One-Stop-Shop

Man will der “Champion of Choice” sein, eine Art One-Stop-Shop für TV-Hungrige und sei offen für Alle, betonen die Macher. Dass nun aber die RTL Group (die mit TV Now eigene Streaming-Pläne verfolgt), Sky oder Netflix in die Arme von Joyn sinken, darf zumindest leise angezweifelt werden. Ein deutsches Hulu soll Joyn werden. Diese Devise hat P7S1-CEO Max Conze ausgegeben, wohl nicht zuletzt um der Börse die dringend benötigte Wachstums-Fantasie zu liefern. Dabei hat das Vorbild Hulu in den USA auch seine liebe Mühe, mit den finanzstarken Giganten Netflix, Prime Video (Amazon), bald noch Apple TV+ und Disney+ (auch Hulu gehört zu Disney) mitzuhalten. Aber sei’s drum.

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Joyn bietet also Live-TV (über 50 Sender decken 67 Prozent des Marktes ab), Catch-up-TV (also praktisch Mediatheken-Dienste) für elf Sender und sogenannte Previews, bei denen die beiden Joint-Venture-Partner eigene Sendungen eine Woche vor der linearen TV-Ausstrahlung bei Joyn zur Verfügung stellen.

Zehn “Originals” in der Pipeline

Ein bisschen schwer tut man sich noch mit dem wichtigen Thema “Originals”. Zum Start werden vier solcher exklusiver eigener Serien bereitstehen. Neben der bereits von Maxdome bekannten Comedy-Reihe “Jerks” mit Christian Ulmen und Fahri Yardim sind das die Serien „Die Läusemutter“, “Single Diaries” und “Technically Single”. Zum Start des Premium-Dienstes im Winter kommen zwei weitere “Originals” hinzu: “Check Check” mit Klaas Heufer-Umlauf und “Frau Jordan” mit Katrin Bauerfeind. Insgesamt seien zehn Originals “in der Pipeline”. Der Gratis-Dienst wird über Werbung finanziert, dabei soll der Nerv-Faktor mit einem Preroll-Spot und maximal einer Unterbrechung gering bleiben.

Ein wichtiges Verkaufsargument für den Premium-Dienst wird sicherlich die Fußball-Bundesliga werden, die Discovery über Eurosport beisteuert. In der späteren Ausbaustufe sollen Zuschauer mit eine Gratis-Folge einer Serie angefüttert werden und den Rest dann im Premium-Dienst gegen bares Geld weg-bingen können.

Punkten will Joyn auch mit explizit lokalen Inhalten. Während Netflix & Co. bei ihren deutschen Produktionen stets auch den internationalen Vertrieb im Blick haben, darf es bei Joyn hemmungslos deutsch zugehen. So sollen Städte wie München oder Hamburg deutlich erkennbar in den Eigenproduktionen auftauchen. Ein Alleinstellungsmerkmal sollen auch kuratierte Themenkanäle sein, zum Start sind “Motor Trend” und das “Food Network” angekündigt.

Offene Fragen

Ob das alles ausreicht, muss sich zeigen. Das Betaprodukt schaut gut aus und scheint zu funktionieren – das klingt vielleicht trivial, ist es aber nicht (Gruß an dieser Stelle an die Telekom mit ihrem Magenta TV). Es fällt aber schon auf, dass zumindest in dieser frühen Phase Joyn nicht mit der überbordenden Inhaltsfülle von Prime Video oder Netflix mithalten kann. Auch das Thema 4K hat man auf dem Zettel, einen Starttermin für ultrahoch auslösende Inhalte gibt es aber noch nicht. Die eigenen Sender wird es auch in HD nur in der Premium-Variante zu sehen geben.

Zum Start kommt Joyn laut Unternehmensangaben auf 3,3 Mio. Nutzer. Die stammen vom Vorgänger-Dienst 7TV, dem Eurosport Players und von Maxdome. Das Unternehmen hat derzeit rund 250 Mitarbeiter, bis zu 50 Mio. Euro wollen die beiden Partner investieren. Über den Preis für das Abo will man noch nix verraten, nur dass er “attraktiv” sein wird. Die RTL Group ruft für ihren TV Now-Streaming-Dienst vergleichsweise günstige 4,99 Euro auf. Ebensowenig wird bei Joyn kommuniziert, wie viele zahlende Abonnenten man sich erhofft (das sagen die anderen auch nicht) und in welchem Verhältnis Werbung und Abo-Erlöse künftig stehen sollen. Das Business ist noch jung und wild.

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Alle Kommentare

  1. Gehen wir das Ganze noch einmal durch:

    Anstatt wie vorgesehen(!!!) einen vorübergehenden Notstand schnellstmöglich abzuarbeiten, haben..

    ..stattdessen die allermeisten Medienvertreter beschlossen, für sich selbst persönlich oder für dritte Personen MITTELS des durchschaubaren Ersatzenkeltrick “Flüchtlinge” dauerhaft politische und finanzielle Vorteile dauerhaft zu ergangstern, und die weiterhin rechtstreuen Bürger als Gegner dieser extrakonstitutionellen Notstandsmassnahme und somit auch Gegner des durchschaubaren Ersatzenkeltrick “Flüchtlinge” dauerhaft SELBST zu bekämpfen!

    Und wer erwiesenermaßen(!!!) die Ndrangheta noch nicht einmal von einer tadellos funktionierenden Parteiendemokratie unterscheiden kann, disqualifiziert und diskreditiert sich OHNEHIN nur SELBST für höhere Führungsaufgaben in Zeiten des demographischen Wandels!

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