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WhatsApp down? Warum Huawei-Handys möglicherweise bald ohne den Messenger auskommen müssen

Verantwortlich für Huaweis Smartphone-Sparte: Richard Yu
Verantwortlich für Huaweis Smartphone-Sparte: Richard Yu © dpa

Die US-Sanktionen gegen China haben weitreichende Auswirkungen für Huawei-Kunden: Nachdem Google dem Smartphone-Hersteller die Android-Lizenz entzogen hatte und mehrere Chiphersteller die Zusammenarbeit aufgekündigt hatten, könnten Huawei-Smartphones künftig auch ohne WhatsApp auskommen müssen. Das hat mehrere Gründe.

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Zum einen ist WhatsApp de facto ein Tochterunternehmen von Facebook und wäre damit ebenso als US-Unternehmen betroffen von der Entscheidung des US-Handelsministeriums. Die Behörde hatte Huawei vergangene Woche auf eine Sperrliste gesetzt. US-Unternehmen ist es in Folge untersagt, mit dem chinesischen Konzern Geschäftsbeziehung zu unterhalten. So verbietet die US-Regierung Huawei nicht nur den Kauf und Einsatz von US-Hardware, sondern auch die Nutzung von “Kommunikationstechniken und Services”. Darunter würden neben dem Facebook Messenger oder Instagram auch WhatsApp fallen.

Huawei will Android-Alternative im nächsten Jahr launchen

Zum anderen erklärte Richard Yu, Geschäftsführer von Huaweis Privatkunden-Sparte, am Donnerstag, dass man eine eigene Version eines Handy-Betriebssystems bis zum ersten oder zweiten Quartal 2020 für den internationalen Markt fertigstellen könnte. Damit wäre Huawei thereotisch unabhängiger von Einschränkungen durch die mangelnde Android-Unterstützung. Der große Haken: Bestehende, beliebte Apps müssten für das neue Betriebssystem entwickelt werden.

Allerdings ist eine neue Plattform für Developer erst interessant, wenn sie genug Nutzerinteresse auf sich zieht. Ansonsten lohnt sich der Aufwand, für eine neue Plattform zu entwickeln und künftig Support zu liefern, häufig nicht. Gleichzeitig ist eine Plattform für Nutzer nur interessant, wenn sie auch ihre beliebten Apps nutzen können. Dieses Dilemma wurde einst Microsoft mit seinen Lumia-Smartphones zum Verhängnis. Und es dürfte auch einer der Hauptgründe sein, warum Samsung sein eigenes Betriebssystem tizen nicht auf seinen Smartphones installiert und weiterhin auf Android setzt.

Millionen Handynutzer betroffen – auch in Deutschland
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In Deutschland wäre von einem WhatsApp-Aus auf Huawei-Smartphones immerhin jeder achte Smartphone-Besitzer betroffen. Hierzulande schaffen des die Chinesen hinter Samsung und Apple auf den dritten Platz bei den meistverkauften Smartphones. International hat Huawei sogar noch weiter aufgeholt liegt auf Platz zwei vor Apple.

Infografik: Huawei ist in Deutschland Nummer 3 | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Chinas Regierung hat gegen die Sanktionen der USA hat offiziell Beschwerde bei den USA eingelegt. Der Sprecher des Handelsministeriums in Peking sprach von “wirtschaftlicher Schikane”. Huawei steht seit geraumer Zeit unter zunehmendem Druck von US-Präsident Donald Trump. Die amerikanische Regierung befürchtet, dass die Technologie von der chinesischen Regierung benutzt werden könnte, um amerikanische Netzwerke auszuspionieren. Schon 2018 warnten die US-Geheimdienste vor dem Einsatz von Huawei- und ZTE-Geräten, und US-Politiker haben Huawei als “einen Arm der chinesischen Regierung” bezeichnet.

Huawei hingegen behauptet, dass es der chinesischen Regierung nicht möglich sei, ihre Technologie mit sogenannten “Hintertüren” auszustatten, und blieb bislang optimistisch in Bezug auf die Zukunft ihrer Geschäftsbeziehungen mit den USA. Allerdings stellt die Zurückweisung von Google ein ernsthaftes Risiko für die Zukunft von Huaweis Kerngeschäft dar. Wäre zudem WhatsApp als meistgenutzter Messenger weltweit künftig nicht mehr auf den China-Smartphones verfügbar, dürfte das viele potenzielle Kunden vom Kauf eines Huawei-Modells abhalten.

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Alle Kommentare

  1. Huawei wird schon Apps für WhatsApp und Co selber entwickeln. Im Vergleich zu den Smartphones von Microsoft ist es für developer auf jedenfall interessant, weil ja Huawei ja viel mehr genutzt wird.

  2. und dann nehme ich Telegram und FDroid……auf meinen Android Smartphone der neusten Generation sind alle Google Apps deaktiviert bis auf eines……kann sein das das Android nicht mehr aktualisiert wird….aber das wird 2 Jahre auf jedenfalls alles funktionieren und dann bin ich eh schon geil auf einen neuen China Kracher.
    Huawei kann auch eine eigenes System aufsetzen und App Shops….die Frage wird seit wie die EU den Marktzugang zulassen wird….da die USA sicherlich nicht amüsant drauf reagieren werden. Aber auch eine Chance der EU…Herrn Trump die rote Karte zu zeigen und sich China, Seidenstrasse anzunähern. Wird Zeit zu einer 3. Alternative neben Google und Apple.

  3. Der Artikel ist Blödsinn und basiert anscheinend auf einem Clickbait von chip.de. Fakt ist, dass bestehende Geräte, also verkaufte und “gelagerte” Huawei-Telefone, auch weiterhin voll funktions- und updatefähig mit den kompletten Google-Apps ausgestattet sind. Das gitl auch für den App-Store, aus dem sich etwa WhatsApp ziehen lässt. Außerdem werden alle verfügbaren und noch erscheinenden Sicherheitsupdates auch Huawei-Handys erreichen, wenn auch nicht von Google direkt, so doch aus der lizenzfreien “Open Source”-Variante.

    Sollte beim G20-Gipfel kein Kompromiss mit China erreicht werden (wovon ich aber zu 66% ausgehe), würde Huawei das Recht verlieren, Google-Apps auf zukünftig produzierten Geräten zu nutzen und zukünftige Android-Versionen (ab 10 aufwärts) von Google zu installieren. Da ich als Nutzer aber selbst entscheide, mit wem ich “Geschäftsbeziehungen” eingehe, könnte ich WhatsApp und Co per Sideloading nachinstallieren. Das würde übrigens auch für Huawei-Notebooks gelten: Die werden dann zwar nicht mehr mit Windows ausgeliefert, aber das installiert man sich dann halt selbst. Kleiner Unsicherheitsfaktor: Google könnte Sideloading zumindest der eigenen Apps über die Geräte-ID unterbinden.

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