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Update zum Facebook-Medien-Report: Interaktionsraten brechen insgesamt nicht mehr ein, doch es gibt Ausnahmen

Facebook-Chef Mark Zuckerberg
Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Ende 2018 hat MEEDIA in einer siebenteiligen Analyse dargelegt, wie die Algorithmus-Änderungen von Facebook die Interaktionsraten der Medien-Seiten zum Absturz gebracht haben. Rund ein halbes Jahr später blicken wir in Form eines Updates auf die neuesten Entwicklungen. Die gute Nachricht: Noch weiter nach unten geht es für die Medien bei Facebook offenbar nicht. Aber: Zurück nach oben auch nicht.

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Das Hauptergebnis des Facebook-Medien-Reports, den MEEDIA im November und Dezember 2018 veröffentlicht hat, war der deutliche Absturz der Interaktionsraten: Die 1.500 von MEEDIA untersuchten Pages deutschsprachiger Medien verloren zwischen dem Rekordmonat März 2017 und dem Oktober 2018 mehr als die Hälfte der Likes, Reactions, Shares und Kommentare für ihre Posts. Aus 122,6 Mio. wurden 56,8 Mio. “Ein klares Indiz für die Auswirkungen der Algorithmus-Änderungen: Wenn Posts von Seiten seltener in den Timelines auftauchen, kann auch seltener mit ihnen interagiert werden”, schlussfolgerten wir damals.

Sechs Monate später soll ein Update des Reports nun überprüfen, ob die Verunsicherung durch weitere Ankündigungen Mark Zuckerbergs berechtigt ist – oder ob die Gefahr gebannt ist. Rauschen die Interaktionen für die Medien-Posts also weiter nach unten oder steigen sie wieder. Das Ergebnis: weder noch. Seit den damaligen Tiefstwerten für den September und Oktober 2018 gab es keine weiteren Einbrüche in Sachen Likes & Co., aber auch keine Anstiege.

Stagnation in den jüngsten Monaten

Die neuesten Zahlen, die wir ermittelt haben, sind nicht mehr direkt mit denen des ursprünglichen Facebook-Medien-Reports vergleichbar. Durch eine weitere Erhöhung der Grundgesamtheit – von 1.500 auf über 2.000 Facebook-Seiten – liegt die Gesamt-Interaktionsrate je nach Monat 7% bis 9% über der von damals. So ergibt sich für den Rekordmonat März 2017 nun ein Wert von 131,8 Mio. Likes & Co., für den September 2018, den vorläufigen Tiefpunkt des Absturzes, einer von 61,9 Mio.

Seit Oktober, für den wir nun 63,6 Mio. Interaktionen ausweisen, schwanken die monatlichen Zahlen zwischen 61,9 Mio. (nach dem September gab es auch im Dezember 2019 noch einmal diesen Wert) und 69,7 Mio. Likes, Reactions, Shares und Kommentare. Seit vergangenem August übersprangen die 2.000 untersuchten Facebook-Seiten deutschsprachiger Medien also nie wieder die 70-Mio.-Marke. Eine Zahl, die zuvor zwischen Frühjahr 2015 und Frühjahr 2018 drei Jahre lang immer übertroffen wurde.

Ähnlich verhält es sich mit den Views für Videos der Medien. Gab es im Jahr 2017 einzelne Monate, in denen die 2.000 Pages mit ihren bis zu 30.000 Videos mehr als 2 Milliarden Views generierten, waren es inzwischen seit Juni 2018 in keinem Monat mehr als 1 Milliarde.

Gewinner und Verlierer

Gab es im Original-Facebook-Medien-Report einige Genres und Segmente, die zu den besonders großen Verlierern gehörten – Promi-News, Frauenmagazine und Seiten mit Kino-Nachrichten zum Beispiel – und Medien, die sich weniger negativ entwickelten – einige Qualitätsmedien etwa – sieht es diesmal komplizierter aus. In allen Segmenten gibt es Positiv- und Negativ-Beispiele. Einige der größten Nachrichtenmedien beispielsweise lagen im April 2019 leicht unter dem Vorjahr: Bild mit 1,53 Mio. Interaktionen 10,5% unter dem April 2018, Spiegel Online mit 0,98 Mio. 9,0% darunter und ZDF heute verlor mit 0,72 Mio. 5,5%. Andere jedoch sind bei Facebook erfolgreicher als vor einem Jahr: Die tagesschau gewann 6,9% hinzu und liegt nun bei 1,32 Mio. Interaktionen, Focus Online steigerte sich um 9,0% auf 0,58 Mio. und die Facebook-Seite der Welt gewann sogar 22,9% hinzu und erreichte im April nun 0,54 Mio.

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Schaut man auf den Verlauf der jüngsten 16 Monate, so zeigen sich allerdings immer wieder Schwankungen – je nach Nachrichtenlage. Neue Tiefst- oder Bestwerte erreichten die großen Nachrichtenmedien in der jüngsten Zeit allesamt nicht. Ausnahme: Spiegel Online sackte mit seiner Facebook-Page im April auf 0,98 Mio. Interaktionen – zum ersten Mal seit Ewigkeiten auf weniger als 1 Mio.

Auch in anderen Segmenten zeigen sich sowohl Gewinner als auch Verlierer. Beispiel Sport: Sky Sport DE gehört mit einem Plus von 43,4% im Vergleich zum April 2018 zu den großen Gewinnern, die Sportschau legte sogar 62,5% zu und der kicker gewann 55,4%. Auf der anderen Seite gehört sport1 mit einem Minus von 54,7% zu den ganz großen Verlierern. Wie bei Spiegel Online gab es auch hier mit 0,48 Mio. Likes & Co. den schwächsten Wert seit langer Zeit. Ebenfalls dick im Minus im Sport-Segment: Spox.com, das 49,0% verlor.

Extrem viele Interaktionen verloren hat zwischen April 2018 und April 2019 auch noch das österreichische Frauenmagazin miss, das zwar weiterhin zu den Facebook-Giganten gehört, einst aber noch viel erfolgreicher war als jetzt. Aus 2,30 Mio. wurden hier 1,52 Mio. Interaktionen. Völlig zusammengebrochen ist der einstige Facebook-Riese Transfer Ticker, der nach den starken Rückgängen inzwischen weitgehend aufgegeben hat und nur noch Werbung für die App DeinUpdate macht. Auch BuzzFeed Deutschland hat gigantische Summen an Interaktionen eingebüßt, krachte innerhalb eines Jahres von 374.000 auf 15.000 nach unten. Weitere große Verlierer: RT Deutsch, Wunderweib, Heftig, ProSieben-Magazin taff und auch die “heute-show” – Seiten aus unterschiedlichsten Segmenten.

Deutlich nach oben ging es in Sachen Interaktionen u.a. für Promiflash, das sich um 28,3% auf 0,97 Mio. Likes & Co. steigerte, die erwähnten Sport-Pages Sky Sport DE und Sportschau, sowie RTL.de, das nach dem Relaunch der Website auch das Konzept seiner Facebook-Seite aktualisierte, und die F.A.Z., die sich um 72,6% auf 407.000 Interaktionen steigerte. Bei den Regionalmedien, die Facebook immer wieder pushen wollte, zeigen sich ebenfalls diverse Gewinner (z.B. die Ostsee-Zeitung, BR24 und die Augsburger Allgemeine), genau so aber auch Verlierer (u.a. Bayern 1, Hit Radio FFH und DerWesten).

Die Verunsicherung bleibt

Insgesamt lässt sich also sagen, dass es für Medien keineswegs Grund für Entwarnung gibt – und auch keinen übermäßigen Grund dafür, die eigene Facebook-Aktivitäten wieder deutlich zu stärken. Gewinner und Verlierer im gleichen Segment zeigen, dass es keinerlei Sicherheit gibt, dass es für die eigene Facebook-Seite, die sich womöglich derzeit positiv entwickelt, nicht in Kürze deutlich nach unten gehen könnte. Die Unsicherheit, die Mark Zuckerberg mit seinen Algorithmus-Änderungen und regelmäßigen Ankündigungen ausgelöst hat, wird so schnell nicht verschwinden.

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Alle Kommentare

  1. Mit allen bisherigen Aktionen bestätigt FB das Geschäftsmodell FB.

    Wieviele Kriegstote [mehr als 500.000 Kriegstote] Facebook zu verantworten hat,
    steht indes so garnicht in den Annuals dieser feinen Gesellschaft

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