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Der neue SWR-Intendant Kai Gniffke will die Hälfte der Führungspositionen mit Frauen besetzen

Der neue SWR-Intendant Kai Gniffke (l.) und seine Konkurrentin Stefanie Schneider
Der neue SWR-Intendant Kai Gniffke (l.) und seine Konkurrentin Stefanie Schneider © Patricia Neligan / Montage: MEEDIA

Der Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, ist zum neuen Intendanten des Südwestrundfunks (SWR) gewählt worden. Der 58-Jährige erhielt am Donnerstag in Stuttgart im zweiten Wahlgang eine Mehrheit im Rundfunk- und Verwaltungsrat des Senders.

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Der künftige SWR-Intendant Kai Gniffke will alle Führungspositionen in der zweitgrößten ARD-Anstalt je zur Hälfte mit Männern und Frauen besetzen. Das kündigte der bisherige Chefredakteur von ARD-aktuell am Donnerstag bei der gemeinsamen Sitzung des Rundfunk- und des Verwaltungsrats des SWR in Stuttgart an. Gniffke wurde am heutigen Donnerstag im zweiten Wahlgang zum Nachfolger von SWR-Intendant Peter Boudoust gewählt.

Gniffkes Gegenkandidatin war die SWR-Landessenderdirektorin Baden-Württemberg, Stefanie Schneider. In seiner Bewerbungsrede sagte Gniffke, der SWR müsse zum “Innovationstreiber Nummer 1 werden”. Er wolle in Baden-Baden ein Labor dafür aufbauen. Es gehe darum, neue Videoformate zu entwickeln, sich mit der Startup-Szene zu vernetzen sowie die digitalen Kanäle und sozialen Medien besser zu bespielen. Das SWR-Fernsehen sollte eine Serie produzieren, die mit dem Streamingdienst Netflix konkurrieren könne, schlug Gniffke vor. “Wir müssen auch sehen, dass wir Fernsehen effizienter produzieren.” Denn eine deutliche Erhöhung des Rundfunkbeitrags sei nicht in Sicht.

Geteilter erster Wahlgang

Im ersten Wahlgang stimmten die baden-württembergischen Gremienmitglieder mehrheitlich für Schneider, die rheinland-pfälzischen für Gniffke. Daher war ein zweiter Wahlgang erforderlich. Der Staatsvertrag der Zwei-Länder-Anstalt legt fest, dass im ersten und im eventuellen zweiten Wahlgang mindestens die Hälfte der Gremienmitglieder sowohl aus Baden-Württemberg als auch aus Rheinland-Pfalz für den neuen Intendanten stimmen muss.

Gniffke arbeitete von 1993 bis 2003 beim SWR in Rheinland-Pfalz, unter anderem als Reporter und landespolitischer Korrespondent. Als Chefredakteur von “Tagesschau”, “Tagesthemen” und “tagesschau.de” in Hamburg ist er innerhalb der ARD eng vernetzt, hat zu Baden-Württemberg bisher aber nicht so viele Bezüge. Auch 21 Jahre nach der Fusion von Südwestfunk und Süddeutschem Rundfunk zum SWR “sprechen wir immer noch über Ländergrenzen und Standorte”, beklagte Gniffke. Dies müsse aufhören. “Ich bin ein Kind des SWR. Ich bin ein Kind der Fusion.” Damals habe er im neuen Sender seine erste Festanstellung bekommen. Sein Schwäbisch sei noch “nicht perfekt, aber ich lern’s gerade”.

Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm gratulierte Gniffke zur Wahl. “Mit ihm rückt ein erfahrener Programmmacher an die Spitze der Zwei-Länder-Anstalt, der für den Anspruch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht”, teilte Wilhelm mit.

Vorauswahl in der Kritik
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Die Vorauswahl für die Nachfolge Boudgousts war in den vergangenen Monaten auf viel Kritik gestoßen. In den Monaten vor der Wahl hatte es bei der Anstalt einige Unruhen gegeben: Von den ursprünglich fünf Kandidaten, die sich um die Nachfolge von Noch-Boss Peter Boudgoust bewarben, seien zwei deutlich bevorzugt worden. Jan Büttner hatte seine Bewerbung entnervt zurückgezogen und den SWR heftig kritisiert. Mitte Mai hatte es dann anonyme und lächerliche Sexismus-Vorwürfe gegen den nun gewählten Gniffke gegeben, weil er bei einer Abschiedsfeier für eine Kollegin im Jahr 2014 die Wetter-Moderatorin Claudia Kleinert mit blonder Perücke parodiert hatte.Grund für die Beschränkung auf zwei Kandidaten war nach Angaben des SWR-Verwaltungsrats-Vorsitzenden Hans-Albert Stechl das komplizierte Wahlverfahren: Wenn sich auch im zweiten Wahlgang keiner der beiden Bewerber durchgesetzt hätte, hätte es erst frühestens sechs Wochen später einen dritten Anlauf geben können.

Die beiden Aufsichtsgremien des Senders, Rundfunk- und Verwaltungsrat, haben zusammen 92 Mitglieder. Sie sind aus Vertretern der Gesellschaft, also von Verbänden, Vereinen, Parteien, Kirchen und Gewerkschaften, zusammengesetzt. Bei der Wahl anwesend waren 88 Mitglieder. Gniffke erhielt im zweiten Wahlgang 56 Stimmen. Von den 63 baden-württembergischen Vertretern stimmten 34 für ihn, von den 25 rheinland-pfälzischen 22.

tb/dpa

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Alle Kommentare

  1. Ich halte diese ganze, gerade zu gequälte Quotenmeierei (in sämtlichen Bereichen, nicht nur TV) für unsinnig. Wer am besten geeignet ist, sollte auf dem entsprechenden Stuhl sitzen und nicht ob grad im Durchschnitt der Besetzung Männlein oder Weiblein zu wenig vertreten ist. Schon die Diskussionen darüber, das Hervorkehren, was man alles will und möchte … denn soll man es machen aber nicht ständig betonen! Das schürt Unmut, denn das Rollenbild Mann-Frau wird dadurch nicht ausgeglichen sondern in seiner Rolle umgekehrt … und das ist genau so schlimm als eine dem Manne unterstellte Frau, wenn dadurch vermittelt wird, man wolle hin zu der Frau unterstelltem Manne. So kommt das rüber! Und das passiert hauptsächlich durch das ganze Betonen “man wolle” … machts und nervt nicht damit. Dann wird sich schon eine ausgeglichene Waage finden, von ganz alleine. In erster Linie steht “Fähigkeit” und nicht, was der Mensch in seiner Hose verpackt hat oder ob er einen Büstenhalter braucht oder nicht braucht! Denken macht der Mensch gewöhnlich mit dem Kopf und dem ist es egal, was unter ihm noch dran hängt. Diese ganze Quotenmeierei macht das alles so langsam lächerlich. Bin ich frauenfeindlich? Ich denke nicht! Für jeden Bewerber wie Bewerberin zählt das Zeugnis und nicht ob er oder sie ein hübscher Anblick ist. (so sollte es jedenfalls sein)

  2. Bedauerlicherweise wurde wieder einmal ein Mann einer kompetenten Frau vorgezogen, nicht weil er qualifizierter ist, sondern weil er alt und besser in der ARD-Szene vernetzt ist, weil er von Gremien gewählt wurde, in denen mehrheitlich ebenfalls alte Männer sitzen. Erneut hat die ARD eine Chance auf Besserung ihrer Programmeinfalt vertan. Wie viele der Intendantenstellen der ARD sind mit Frauen besetzt? Wie wäre es, wenn sich die ARD-Sender selbst verpflichten würden, mindestens 50% ihrer Intendantenstellen mit Frauen zu besetzen?

  3. Es hat vielleicht auf Dauer tatsächlich Vorteile, wenn die inkompetentesten, unwahrhaftesten, liebdienerischsten Gestalten in Führungspositionen gelangen.

    Irgendwann wird der Leidensdruck hoch genug, so daß selbst die Dümmsten genug haben.

  4. Gniffke hat aus der Tagesschau die Propagandaschau gemacht, den SWR bekommt er sicher qualitativ auch ruiniert, so viel Inkompetenz traue ich es zu

  5. Gratulation! Das ist eine gute Nachricht!

    Jeder Intendant und jede Intendantin sollte auch gut intersexuell und interkulturell parodieren können, zeigt das doch größte innere Unabhängigkeit, menschliche Empathie und Humor!

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