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“Ziehen Konsequenzen aus dem Fall Relotius”: Zeit legt Regeln für Autoren fest 

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© Picture Alliance

Über Fälschungsfälle hat die Medienbranche in den vergangenen Monaten zuhauf diskutiert. Nun hat der Zeit-Verlag Konsequenzen aus der Relotius-Affäre gezogen und klare Regeln für Autoren und den Umgang mit Reportagen kommuniziert. Unter anderem sind Stichprobentests geplant.

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Die Zeit und Zeit Online haben Standards und Regeln festgelegt, an die sich alle ihre Autorinnen und Autoren halten müssen. Sie sind am Dienstag unter der Überschrift “Was ist in journalistischen Beiträgen erlaubt, was nicht?” im Zeit Online-Blog “Glashaus” veröffentlicht worden.

Darin heißt es zum Beispiel, Autoren dürften dramaturgische Mittel benutzen, um die Wirklichkeit in Szene zu setzen, nicht aber, um die Darstellung der Wirklichkeit zu verfremden. Auch dürfe keine Augenzeugenschaft vorgespiegelt werden: “Schilderungen und Erlebnisse, die aus zweiter Hand stammen, weil unser Autor nicht persönlich dabei war, sind als solche zu kennzeichnen”, heißt es in dem Blogbeitrag.

Stichprobenartige Checks geplant

Außerdem sollen Artikel künftig regelmäßig stichprobenartig geprüft werden, zum einen auf sachliche Richtigkeit, zum anderen auf die Quellen, in begründeten Fällen auch mit Anrufen bei Gesprächspartnern der Recherche. “Dies gilt auch für jeden Redakteur und jede Redakteurin von Zeit und Zeit Online.” Dafür seien die jeweiligen Ressorts zuständig. Darüber hinaus prüften Redakteure im Auftrag der Chefredaktion nach dem Zufallsprinzip regelmäßig ausgewählte Beiträge. “Fallen bei den Überprüfungen von Texten gravierende Unsauberkeiten auf, die auf Täuschungsversuche schließen lassen, so ist die Chefredaktion sofort zu informieren.”

Das Regelwerk ist die Konsequenz aus der Diskussion um Fälschungen bei mehreren Medien. Unter anderem hatte der Spiegel im Dezember den Fall eines Mitarbeiters öffentlich gemacht. Der Journalist Claas Relotius hatte zum Beispiel Protagonisten erfunden. Der Zeitverlag hatte Anfang März die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter beendet, von dem sich zuvor schon die Süddeutsche Zeitung getrennt hatte.

Nach Angaben von Zeit und Zeit Online war bei der Überprüfung seiner Artikel aufgefallen, dass etwa in einer Reportage Ereignisse, die an mehreren Tagen spielten, zur Beschreibung eines einzigen Tages verdichtet worden waren (Meedia berichtete). In den jetzt veröffentlichten Regeln heißt es dazu: “In einem Text, in dem unmissverständlich von einer chronologischen Folge von Ereignissen die Rede ist, darf diese Chronologie nicht verfälscht werden.”

Erzählerischen Möglichkeiten sollen erlaubt bleiben

“Wir wollen einem Reporter keinesfalls verbieten, seine erzählerischen Möglichkeiten auszuspielen, aber es muss Grenzen geben für das, was die Beschreibung der Wirklichkeit betrifft”, sagte Stefan Willeke, Mitglied der Chefredaktion der Zeit und Leiter der Kommission, die nach dem Relotius-Fälschungsfall untersuchen sollte, welche Konsequenzen beim Zeitverlag daraus zu ziehen seien.

“Wir haben aufgeschrieben, was bei uns immer schon galt, aber so klar und so allgemeingültig noch nicht fixiert worden ist”, sagte Willeke. “Bei manchen dieser Regeln – beispielsweise nicht zwei Orte zu einem zu verschmelzen –, denke ich: Das müsste doch selbstverständlich sein. Darüber müssten wir uns doch gar nicht unterhalten. Aber offenbar, und das zeigen ja die jüngsten Fälle von Täuschungen, ist es nicht selbstverständlich.”

Zu den Stichprobentests sagte Willeke, so etwas habe es bisher nicht gegeben. “Wir haben immer vertrauensvoll mit unseren Leuten zusammengearbeitet, das tun wir auch weiterhin, aber wir ziehen Konsequenzen aus dem Fall Relotius. Wir können nicht so tun, als ginge uns das alles nichts an.” Die Tests könnten aufgrund des Zufallsprinzips den Chefredakteur genauso treffen wie einen freien Mitarbeiter.

dpa

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Alle Kommentare

  1. Ob so ein Regelwerk hilft das verlorene Vertrauen der Leser wieder zu gewinnen? Ich fürchte, dies ist alles zu wenig und vor allem viel zu spät. Aufgedeckt wurden die Fälschungen im Herbst 2018 und erst Ende Mai 2019 kommt man mit der Idee eines Regelwerks um die Ecke. Und falls ein Journalist trotzdem Seemannsgarn zusammenschreibt lese ich als einzige Konsequenz aus dem obigen Text (las allerdings auch den Blogartikel der Zeit dazu), das der Chefredakteur sofort informiert werden soll. Ui ui ui.

    1. Na ja, diese Information wird ja dann wohl auch Folgen haben, welche genau, hängt halt vom Fall und vom Chefredakteur ab.

      Insofern ist ihr “Ui,ui,ui” also (hoffentlich) nicht ganz so scherzhaft zu verstehen.

      Das find ich jetzt eigentlich nicht verkehrt.

      Wichtig ist halt, das man nicht nur ein Papier mit schönen Regeln vollschreibt und es dann nur in den Schaukasten stellt.

      Ich kann mir auch vorstellen, warum es etwas gedauert hat, bis die neuen Regeln fertig waren:

      Sie beinhalten auch Kontrolle – und das bedeutet Aufwand, also auch richtig Geld.

      Wie viel davon kann oder will man aber am Ende dafür ausgeben? Ich vermute, das war einer der wichtigeren Gründe für die Verzögerung.

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