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Google sperrt Huawei aus: Auf was Smartphone-Besitzer sich nun einstellen müssen

Verantwortlich für Huaweis Smartphone-Sparte: Richard Yu
Verantwortlich für Huaweis Smartphone-Sparte: Richard Yu © dpa

Ein enormer Rückschlag für Huawei und schlechte Nachrichten für Besitzer von Huawei-Smartphones weltweit: Nachdem eine Reihe von Chipherstellern die Zusammenarbeit mit den Chinesen "bis auf weiteres" ausgesetzt haben, entzieht Google Huawei nun die Android-Lizenz. Was die Sperre für das Unternehmen und seine Kunden bedeutet.

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Google befolgt damit nach eigenen Angaben entsprechende gesetzliche Anordnungen.”Wir halten uns an die Anordnug und überprüfen die Auswirkungen”, zitiert The Verge einen Sprecher. Gemeint ist die jüngste Entscheidung des US-Handelsministeriums, Huawei in die sogenannte “Entity List” aufzunehmen. Eine, wie Reuters berichtet, Liste von Unternehmen, die ohne Zustimmung der Regierung keine Technologie von US-Unternehmen kaufen können. Somit auch keine Android-Lizenz von Google mit Hauptsitz im kalifornischen Palo Alto.

Auch Intel, Qualcomm und Co. beenden die Zusammenarbeit

Aufgrund der Aufnahme auf die Sperrliste beliefern auch die Chiphersteller Intel, Qualcomm, Xilinx und Broadcom die Chinesen “bis auf weiteres” nicht mehr. Zwar setzt Huawei, wie auch Samsung, immer stärker auf eigene Chips, ist aber etwa bei der Verarbeitung von Netzwerksignalen auf die Hardware von Dritten angewiesen.

Bei der Netzwerktechnik ist Huawei noch viel stärker auf Chips aus den USA angewiesen. Die Firma habe aber in Vorbereitung auf mögliche US-Sanktionen bereits Halbleiter für mindestens drei Monate eingelagert, berichtet Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Der chinesische Huawei-Konkurrent ZTE war im vergangenen Jahr von ähnlichen US-Einschränkungen so schwer getroffen worden, dass die Firma zeitweise ihr internationales Geschäft stoppen musste. Die Sanktionen gegen ZTE wurden später mit einem Deal aufgehoben.

In einem Gespräch mit Reuters bestätigte ein Google-Sprecher, dass “Google Play und die Sicherheitsvorkehrungen von Google Play Protect auf bestehenden Huawei-Geräten weiterhin funktionieren werden”. Während also Huawei-Handys auf der ganzen Welt nicht sofort von der Entscheidung betroffen sein werden, bleibt die Zukunft der Updates für diese Handys sowie für alle neuen Handys, die Huawei herstellen wird, fraglich.

Neue Handys hätten keinen Zugang mehr zum Appstore

Google ist für Huawei ein wichtiger Partner, weil bei dem Internet-Riesen das Mobil-Betriebssystem Android entwickelt wird, mit dem auch die Smartphones des chinesischen Konzerns laufen. Die fertigen Versionen des Systems werden zwar quelloffen allen zur Verfügung gestellt, außerhalb Chinas werden allerdings fast nur Android-Smartphones mit integrierten Google-Diensten wie Gmail, Google Maps oder dem Google Play Store verkauft. Diese Android-Version ist nicht Open Source, sondern muss von Google lizenziert werden. Damit dürfte ein Ende der Zusammenarbeit mit Google unter anderem die Verkaufschancen von Huawei-Smartphones in Europa drastisch verschlechtern.

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Huawei ist künftig darauf beschränkt, das Android Open Source Project (AOSP) zu nutzen. Das bedeutet aber auch, dass Huawei Sicherheitsupdates für Android erst dann auf die Smartphones bringen kann, wenn sie in AOSP verfügbar sind. Das Unternehmen, wie auch Samsung, sind seit Jahren bemüht darum, alternativ zu den beliebten Google-Apps eigene Dienste zu entwickeln. So sind die aktuellen Smartphones auch mit Browser-, Kalender- oder auch Mail-Apps ausgestattet.

Allerdings zählen Anwendungen wie Chrome, YouTube, Google Maps oder Gmail zu den beliebtesten Apps in Googles eigenem Appstore. Kritisch für Benutzer eines Huawei-Smartphones ist zudem die aus dem Lizenzentzug resultierende schlechtere Versorgung mit Updates, die unter anderem die Sicherheit der Geräte konsequent verbessern. Die nächste Generation von Huawei-Handys soll nach Angaben eines Insiders dann absolut keinen Zugang mehr zu Gmail und zur App-Plattform Google Play Store erhalten.

Konflikt schwelt seit über einem Jahr

Huawei steht seit geraumer Zeit unter zunehmendem Druck von US-Präsident Donald Trump. Die amerikanische Regierung befürchtet, dass die Technologie von der chinesischen Regierung benutzt werden könnte, um amerikanische Netzwerke auszuspionieren. Schon 2018 warnten die US-Geheimdienste vor dem Einsatz von Huawei- und ZTE-Geräten, und US-Politiker haben Huawei als “einen Arm der chinesischen Regierung” bezeichnet.

Huawei hingegen behauptet, dass es der chinesischen Regierung nicht möglich sei, ihre Technologie mit sogenannten “Hintertüren” auszustatten, und blieb bislang optimistisch in Bezug auf die Zukunft ihres Geschäftsbeziehungen mit den USA. Allerdings stellt die Zurückweisung von Google ein ernsthaftes Risiko für die Zukunft von Huaweis Kerngeschäfts dar.

Wie auch Samsung arbeitet das Unternehmen bereits an einem eigenen Betriebssysteme, falls Android und Windows nicht mehr verwendet werden durften, aber angesichts der Ängste der USA vor ausländischen Einmischungen wird ein selbst entwickeltes Betriebssystem wahrscheinlich noch genauer untersucht werden als die Google-Software.

mit dpa

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