Partner von:
Anzeige

Wochenrückblick: die heiße Wut der Hardcore-Fans auf die “Game of Thrones”-Macher

Diese Woche im Rückblick: Alice Schwarzer, Queen D., Twitter, Steve Bannon Fotos: France24/YouTube, HBO, Twitter, ABC/YouTube
Diese Woche im Rückblick: Alice Schwarzer, Queen D., Twitter, Steve Bannon Fotos: France24/YouTube, HBO, Twitter, ABC/YouTube

Die Macher der Megaserie "Game of Thrones" spüren die Wut der Hardcore-Fans. Der Alt-Right-Superstar Steve Bannon präsentiert sich in der NZZ. Alice Schwarzer wird als "alter, weißer Mann" beschimpft – und Twitter bekommt es mal wieder nicht gebacken. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

Anzeige

Haben Sie sich auch so über die jüngste “Game of Thrones”-Folge (“GoT”) diese Woche aufgeregt wie Hunderttausende Unterzeichner dieser Petition bei Change.org? Dort wird gefordert, die aktuelle letzte Staffel des Fantasy-Hits neu zu drehen, aber mit “kompetenten Autoren”. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich hier erwähne, dass vor allem die Wandlung der einst heiß geliebten “Dany” von der Queen of Hearts zur bösen Frau die Gemüter erhitzt. “GoT” ist hier in einer Zwickmühle. Die Serie ist bekannt dafür, mit der Erwartungshaltung der Zuschauer zu brechen. Wenn die Macher die Erwartungen dann aber anders durchkreuzen, als die Fans sich das gewünscht haben … lasst die Höllenhunde des Internets frei!

Eine Million Unterstützer sind das Ziel der Petition, über 790.000 haben schon “gezeichnet”, und sekündlich werden es mehr. Wenn man sich die Kommentare unter der Petition durchliest, bekommt man eine Ahnung davon, wie aufgewühlt das Fan-Herz sein muss. Es ist vermutlich eine eher undankbare Aufgabe, ein solches Mammut-Projekt wie “GoT” überhaupt zu Ende zu bringen. Der Autor der Buch-Vorlage, George R.R. Martin, hat seit dem TV-Erfolg jedenfalls bis auf weiteres die Waffen gestreckt. Was er genau macht, ist unklar. Vermutlich essen. Insofern muss man den Serienchefs David Benioff und D.B. Weiss dankbar sein, dass sie die Geschichte überhaupt zu Ende erzählen – auch wenn es zugegebenermaßen in den letzten beiden Staffeln recht hopplahopp zugeht. Mir hat die jüngste Folge trotzdem wieder sehr gut gefallen. Die Petition war auch Thema im heutigen #trending-Letter von Meedia.

+++

Steve Bannon, der einstige Wahlkampfchef und Top-Stratege von Donald Trump ist ein Superstar in rechten Kreisen. Neben diversen anderen Nationalisten berät Bannon aktuell die deutsche AfD und hat sich in Berlin von der Schweizer NZZ interviewen lassen. Das Interview finde ich lesenswert, weil es deutlich macht, wie Bannon denkt.

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier machte sich bei Twitter darüber lustig, dass die NZZ (das Interview geführt hat deren Berlin-Korrespondent Marc Felix Serrao) Bannon an einer Stelle akademisch korrigiert:

Dadurch wird freilich der Eindruck erweckt, das ganze Interview sei eine servile Speichelleckerei, was definitiv nicht stimmt. Warum aber dieser schräg anmutende “Professor”-Einwurf? Der frühere ProSiebenSat.1-Sprecher Julian Geist hat eine Idee:

Könnte was dran sein. Das Interview auf diese eine Stelle mit dem “Professor” zu reduzieren, ist meiner Auffassung nach aber schon ein bisschen unfair.

+++

Alice Schwarzer musste sich schon einiges anhören in ihrem Leben. Diese Woche kam es auf Twitter für sie mal wieder besonders dicke. Schwarzer nahm an der Konferenz „Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?“ an der Frankfurter Goethe-Universität teil (hier ein Artikel aus der FAZ zur Konferenz).

Die Konferenz war schon im Vorfeld sehr umstritten, es gab eine Protestkampagne von Studierenden, die die Konferenz verhindern wollten, bzw. deren Organisatorin, die Ethnologin Susanne Schröter, von der Uni entfernt sehen wollten. Über die Rolle des Kopftuches nur zu diskutieren, erschien diesen Leuten als rassistisch. Doch die Konferenz fand statt und Alice Schwarzer suchte als Teilnehmerin in einer Kaffeepause das Gespräch mit einigen Protestierenden.

Dabei fasste sie im Gespräch eine junge Frau am Arm an, worauf diese wohl stark ablehnend reagierte und angeblich mit einer Anzeige drohte (weswegen eigentlich?). Schwarzer riss in gespielter Empörung den Arm hoch und rief ironisch “Ich dachte, nur Männer dürfen Sie nicht anfassen!” Was dann folgte, verdiente wirklich den Begriff “Shitstorm”. Der Ausschnitt wurde als Video im Netz verbreitet und Alice Schwarzer als rassistisch und sexistisch beschimpft, als “Abfall” tituliert und – vielleicht der schärfste Vorwurf von allen – als “alter weißer Mann”.

Anzeige

Was für ein Gekeife wegen einer läppischen, vermutlich freundlich gemeinten Geste. Man kann sich natürlich mit Alice Schwarzers Thesen zum politischen Islam kritisch auseinandersetzen, sie selbst ist die Letzte, die sich hier einer Diskussion verweigert. Aber doch nicht derartig unflätig und, ja, hasserfüllt! Schlimm auch, dass gerade einige Millennial-Medien wie Vice oder Ze.tt, der Ableger der so honorigen Zeit, sich den Rassismusvorwurf zu eigen gemacht haben. So tragen auch Medien zur Verrohung der Debattenkultur bei, die sie sonst gerne bejammern.

+++

Wo wir gerade bei Twitter sind: Diese Woche gab es eine nicht-öffentliche Anhörung einer Twitter-Mitarbeiterin im Bundestag. Hintergrund war, dass Twitter die Konten einiger prominenter Menschen und Medien, u.a. der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli, des SPD-Politikers Sven Kohlmeier und der “Jüdischen Allgemeinen” kurzzeitig gesperrt hatte. Grund waren jeweils angebliche Verstöße gegen neue Richtlinien gegen Wahlmanipulationen, die Twitter vor der Europawahl in Kraft gesetzt hat.

Bloß: Wer genau diese Richtlinien wie anwendet, ist komplett unklar. Von Twitter selbst gab es nach Tagen lediglich eine wachsweiche Blabla-Stellungnahme, die sich das Unternehmen auch hätte sparen können:

Wenn offensichtlich zulässige Meinungsäußerungen, wie von den oben genannten Personen, für Sperrungen sorgen, andererseits ebenso offensichtlich menschenverachtende Äußerungen ungeahndet bleiben, dann wird klar, dass Twitter hier ein großes Problem hat und offensichtlich nicht willens und/oder in der Lage ist, das in den Griff zu bekommen. Bei der Anhörung kam übrigens heraus, dass Twitter auch satirische Äußerungen zur EU-Wahl sperrt, sollten diese nicht von einem offensichtlich als Satire oder Parodie erkennbaren Account stammen. Der vermutlich treffendste Kommentar zu diesem hanebüchenen Unsinn ist das hier:

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” gibt es ein Telefon-Interview mit Alice Schwarzer zu dem oben beschriebenen Shitstorm. Außerdem spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt über die unseligen Twittersperren, es geht um Ärger bei der Süddeutschen, anonyme Anwürfe gegen “Tagesschau”-Chef Kai Gniffke, und wir lassen einen Hörer zu Wort kommen – es würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Böse Alice Schwarzer…! Ein Trost: lieber alte weiße Männer als junge bunte Frauen 🙂

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia