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„Wir lassen uns nicht von Bord werfen“: DuMont-Mitarbeiter demonstrieren gegen Verkaufspläne

Die DuMont Unternehmenszentrale in Köln
Die DuMont Unternehmenszentrale in Köln

Gegen den geplanten Verkauf aller Zeitungen der Kölner DuMont Mediengruppe regt sich Widerstand aus der Belegschaft. Mitarbeiter des Kölner Stadt-Anzeigers und Kölner Express wehren sich gegen die Maßnahme und rügen die unzureichende Informationspolitik des Managements. Zudem kritisiert der Betriebsrat der Hamburger Morgenpost die jüngsten Umbaupläne der Chefredaktion.

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„Wir lassen uns nicht über Bord werfen“ heißt es auf dem Plakat. Gestern machten Mitarbeiter des zur DuMont Mediengruppe gehörenden Kölner Stadt-Anzeigers und des Kölner Express ihrem Unmut über den geplanten Verkauf der gesamten Zeitungssparte Luft. Sie demonstrieren gegen die Maßnahme vor dem Verlagsgebäude. „Die Beschäftigen zeigen, wie unzufrieden sie mit der Lage und Informationspolitik des Hauses sind“, twitterte der Deutsche Journalistenverband (DJV).

DuMont-Chef Christoph Bauer prüft seit Wochen, sich von der gesamten Zeitungssparte zu trennen. Bis Mitte des Jahres soll der Prozess abgeschlossen sein. Doch über den Verkauf der Print-Produkte sickert nur wenig durch. Seit einigen Wochen ist die Rede davon, dass bereits mehrere Verlage Angebote für das gesamte Zeitungspaket oder für Teile des Portfolios angegeben haben sollen. Zuletzt war im Gespräch, dass ein Großverlag dem Kölner Verlag bereits ein Angebot für alle Zeitungen über mehr als 150 Millionen Euro unterbreitet haben soll (MEEDIA berichtete). Doch das Kölner Management lässt sich nicht in die Karten schauen und hält sich zurück. Bei den Mitarbeiter hinterlässt die Hängepartie zunehmend Frust. Sie sind verunsichert und
wollen endlich Gewissheit, wie Firmenchef Bauer den Konzern neu ausrichten will.

Betriebsrat kritisiert Mopo-Pläne

Unterdessen stoßen dem Betriebsrat der Hamburger Morgenpost die jüngsten Pläne von Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier sauer auf. Kritisiert wird unter anderem die Einstellung der gedruckten Print-Beilage Plan 7. „Für die ca. zehn freien Mitarbeiter, die an der Erstellung der Beilage beteiligt sind, bedeutet das nicht nur den Verlust von Arbeit, sondern auch von Einkommen. Diese Entscheidung ist ein weiterer Schritt des Unternehmens auf dem Weg, die gedruckten Bestandteile der Mopo nach und nach einzustellen, um die Kosten zu senken“, betonen die Arbeitnehmervertreter. Mit der kürzlich vorgenommenen Preiserhöhung passe das nicht zusammen. „Auf die Reaktion der Leser, die die Zeitung besonders am Donnerstag gerne kaufen, darf man gespannt sein“, schreibt der Betriebsrat.

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Auch ein neues Schichtsystem für das geplante neue Print-Team und die Online-Redaktion kommt nicht gut an. „Neue Schichten werden ab 1. Juli sowohl für die Online-Redaktion (6, 8, 9, 12, 14 Uhr) sowie für das neue Printteam (13 bis 21 Uhr bzw. 15 bis 23 Uhr) aus sechs Redakteuren plus Layout gelten. Der Betriebsrat hat große Bedenken, ob all diese Schichten angesichts des drastisch schrumpfenden Teams noch – wie bisher – durch die freiwillige Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen besetzt werden können“, heißt es in einer Mail, die MEEDIA vorliegt. „Nicht jeder kann aus privaten Gründen um 6 Uhr hier auf der Matte stehen bzw. bis 22 Uhr arbeiten“, heißt es weiter.

Besonders groß sei die Umstellung durch das neue Schichtsystem für das neue Printteam, das täglich verbindlich bis mindestens 21 Uhr arbeiten soll. Dies stelle laut Betriebsrat einen „massiven Eingriff ins Privatleben“ dar. Das ist für den Betriebsrat nicht annehmbar. Er lässt sein Mitbestimmungsrecht nun juristisch prüfen. Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier will ein neues Print-Team schaffen, das die Berichterstattung an den Leserinteressen im Netz ausrichtet. Er hofft dadurch, den seit Jahren schleichenden Auflagenrückgang abzubremsen.

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