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DuMonts Mopo ändert Print-Strategie: Boulevardblatt folgt bei Zeitungsthemen den Leserinteressen im Netz

Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier

Nach dem Aus der Print-Nachtausgabe will die Kölner DuMont Mediengruppe die gedruckte Hauptausgabe der Hamburger Morgenpost stärken. Ab Juli plant die Boulevardzeitung, hierzu ein festes Print-Team unter Führung von Chefreporter Olaf Wunder zu schaffen. Es soll einen neuen Kurs verfolgen, um den gravierenden Auflagenschwund der gedruckten Zeitung abzubremsen. Zudem steht Termin-Beilage Plan 7 vor dem Aus. Die Veranstaltungen sollen die Leser künftig in einer interaktiven Datenbank abrufen.

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Wenige Monate vor einem möglichen Verkauf ihrer Zeitungstitel plant die Kölner DuMont Mediengruppe, die Redaktion der Hamburger Morgenpost umzubauen. So soll die Boulevardzeitung ab Juli ein festes Print-Team unter Führung von Mopo-Chefreporter Olaf Wunder bekommen, um den seit Jahren schleichenden Auflagenrückgang der gedruckten Tageszeitung abzufedern. Die Aufgabe des neuen Teams: Es soll explizit gut geklickte Geschichten aus dem Netz suchen, um sie für die gedruckte Zeitung aufzubereiten.

Mit dieser Strategie will der Verlag stärker die Leserinteressen treffen, um hiermit das gedruckte Blatt für den Verkauf attraktiver zu machen. Damit geht die Mopo neue Wege: Bislang recherchieren die Redakteure tagsüber eigens Geschichten für das Print-Produkt. Doch damit wussten die Journalisten in der Regel nicht, ob sie mit ihren Themen wirklich den Nerv der Leser treffen. Dies soll sich nun mit der neuen Digital First-Strategie ändern, die der Verlag Mitte des Jahres anschiebt.

Mit dem Print-Team hofft die Mopo, den jahrelangen Rückgang der gedruckten Auflage abzubremsen. Sie sank im 1. Quartal 2019 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um fast 15 Prozent auf 48.660 Exemplare. Besonders der Einzelverkauf brach um mehr als 13 Prozent ein. Denkbar ist, dass die neue Strategie auch bei anderen Titeln der Kölner Zeitungsgruppe zum Zuge kommt, falls der Verkauf der Zeitungstitel am Ende nicht erfolgt. Eine DuMont-Sprecherin betont hierzu auf MEEDIA-Anfrage: „Ab dem 1. Juli stellt die Hamburger Morgenpost alle Weichen in Richtung „Digital First“. Um künftig die Inhalte für die Digitalkanäle der Mopo optimal produzieren zu können, wird die Arbeitsweise der Redaktion konsequent darauf abgestimmt“, heißt es. Weitere Informationen hierzu wolle DuMont zu einem späteren Zeitpunkt bereitstellen.

Wochenbeilage Plan 7 wird eingestellt und durch eine digitale Datenbank ersetzt

Im Zuge der neuen Digital First-Strategie beabsichtigt der Verlag zudem, an anderer Stelle das gedruckte Angebot der norddeutschen Boulevardzeitung weiter einzudampfen. Nach dem Aus der gedruckten Nachtausgabe soll nun die wöchentlich erscheinende Termin-Beilage Plan 7 ab Juli eingestellt werden. Sie umfasst 20 Seiten. Sie wird von zwei Redakteuren und mehreren freien Mitarbeitern erstellt.

Künftig sollen die Leser die Terminankündigungen über eine Online-Datenbank abrufen. „Im Rahmen ihrer Digitalstrategie überführt die Hamburger Morgenpost die wöchentliche Termin-Beilage „Plan7“ (erschien bisher donnerstags) ab dem 1. Juli in eine interaktive Online-Datenbank.

Dazu wurde der Veranstaltungsbereich auf Mopo.de überarbeitet und optimiert“, erklärt eine DuMont-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage. Hier sollen Leser jeden Tag aus rund 300 Terminen und Veranstaltungen mit individuell einstellbaren Filtern ihr ganz persönliches Hamburg-Programm zusammenstellen. „Die Veranstaltungs-Datenbank bietet ein deutlich größeres Terminangebot und ist mit ihren interaktiven Funktionen konsequent auf Nutzerfreundlichkeit ausgerichtet“, betont eine DuMont-Sprecherin. In der gedruckten Mopo-Ausgabe soll es hingegen ab 1. Juli täglich redaktionell ausgewählte Veranstaltungsempfehlungen geben und jeden Donnerstag eine Doppelseite mit den Kino-Neustarts.

Damit macht Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier die Zeitung fit für die Zukunft, falls sich ein Verkauf der Titels nicht realisieren sollte. Denn der Kölner Verlag erwägt seit Längerem, sich aus dem Zeitungsgeschäft zurückzuziehen. So will sich DuMont möglichst im Paket von allen Regionalzeitungen trennen. Angeblich zeigen an dem umfangreichen Portfolio mehrere Investoren Interesse. Sie sollen CEO Christoph Bauer bereits unverbindliche Kaufangebote vorliegen, unter anderem für alle Titel im Höhe von 150 Millionen Euro. Zum Kölner Zeitungsreich gehören die drei Boulevard-Titel Express, Berliner Kurier sowie die Mopo und die drei Regionalzeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Berliner Zeitung und Mitteldeutsche Zeitung. Bis Mitte des Jahres wollen die DuMont-Eigentümer entscheiden, ob man sich von den Zeitungen trennt.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass die Beilage Plan 7 sechs Seiten umfasst, dies ist nicht korrekt. Die Beilage umfasst tatsächlich 20 Seiten. Der Fehler wurde korrigiert und wir bitten, dies zu entschuldigen.

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