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Nach umstrittenen Aussagen beim OMR Festival: Bahlsen-Erbin wehrt sich gegen Zwangsarbeiter-Kritik

Foto: Screenshot youtube/omr

„Ich will Geld verdienen und mir Segel-Jachten kaufen“: Für dieses Statement erfährt Verena Bahlsen nun Gegenwind. Die 25-jährige Erbin hatte beim OMR Festival über neue Formen des Kapitalismus gesprochen. Gegenüber der Bild-Zeitung hat sie sich nun dagegen gewehrt, mit ihren Aussagen beim Marketing-Kongress in Zusammenhang mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern durch den Bahlsen-Konzern im 2. Weltkrieg kritisiert zu werden.

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In ihrem Vortrag auf der Big Picture Stage des OMR Festivals machte sich Verena Bahlsen für einen Kapitalismus stark, der die Gesellschaft voranbringen soll. Wachstum und Profitstreben sollten nicht die einzigen Treiber sein, stattdessen würden Nachhaltigkeit und Gesundheit immer bedeutender.

Die 25-jährige Bahlsen-Erbin sagte vorigen Mittwoch: „Ich bin überhaupt nicht gegen Kapitalismus. Mir gehört ein Viertel von Bahlsen und ich freue mich auch drüber. Es soll mir auch weiterhin gehören. Ich will Geld verdienen und mir Segel-Jachten kaufen von meiner Dividende und sowas. Ich glaube nur wirklich, dass ich langfristig mit dem Weltverbessern mehr Geld verdienen kann.“

„Segel-Jacht“-Aussage verursacht Kritik

Sie glaube, dass „Weltverbessern“ wirtschaftlich werde und forderte, dass Wirtschaft, Digitalisierung und Innovation in den Dienst der Gesellschaft gestellt werden müssen. Es sollte sich um Vehikel handeln, die die Allgemeinheit nach vorne bringen.

Für ihre Rede – die als eine Art Kontrapunkt zu den Forderungen von Juso-Chef Kevin Kühnert nach Verstaatlichung von Großkonzernen interpretiert werden kann – gab es in den sozialen Medien einige Kritik, vor allem der Satz mit den „Segel-Jachten“ sorgte für Unmut. Diverse Nutzer stellten eine Verbindung zu Bahlens NS-Vergangenheit her.

Das Unternehmen hatte ab 1940 rund 200 Zwangsarbeiter, vorwiegend Menschen aus der Ukraine und Polen, für sich arbeiten lassen. Im Jahr 2000 klagten 60 Osteuropäer und forderten eine Entschädigung zwischen 9.000 und 50.000 Mark. Damals wies das Landgericht Hannover die Entschädigungsklage ab, weil die Ansprüche inzwischen verjährt waren.

Bahlsen engagierte sich in der Folge in der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, in der deutsche Unternehmen die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern regelten. Laut Stiftung sind die Zahlungen zum Jahresende 2006 abgeschlossen worden.

„Wirtschaft steht nicht für Ausbeutung“

Gegenüber der Bild hat sich die Erbin nun gegen die Vorwürfe gewehrt. Sie sagte: „Es ist nicht in Ordnung, meinen Vortrag damit in Verbindung zu bringen. Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt. Das Gericht hat die Klagen abgewiesen. Heute liegen keine Forderungen mehr gegen Bahlsen vor.“ Das Unternehmen habe sich „nichts zuschulden kommen lassen.“

Außerdem erklärte sie: „Ich war noch nie auf einer Segel-Jacht. Mein Ziel ist es auch nicht, eine zu kaufen.“ Das Unternehmen könne „den Ärger der Menschen auf die Wirtschaft verstehen.“ Allerdings wolle sie beweisen, „dass Wirtschaft nicht für Ausbeutung steht, sondern etwas für die ganze Gesellschaft leisten muss.“

(Der Auftritt von Verena Bahlsen beim OMR Festival ist ab 01:31:00 zu sehen.)

tb

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