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Werbung auf Netflix: Experten sind sich sicher, dass der Streamingdienst sein Versprechen brechen wird

Netflix passte erst kürzlich die Preise für seine Abomodelle an

Ob YouTube, Facebook oder auch Sky: Keine große Plattform, die zumindest Videos, aber auch Filme oder Serie ausstrahlt, kommt ohne Werbung aus. Netflix bildet die große Ausnahme und erklärte bislang, seine Abonnenten nicht mit Spots belästigen zu wollen. Branchenexperten bezweifeln aber, dass das Angebot auf Dauer werbefrei bleiben wird.

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Vergangene Woche fand in New York die Digital Content NewFronts statt. In einem Panel diskutierten mehrere Manager aus großen Medienkonzernen zur Frage, ob Netflix seiner Philosophie treu bleiben kann, auf On-Screen-Werbung im eigenen Angebot zu verzichten. Zum Anlass nahm man, dass der Streamingdienst derzeit wohl aktiv Personal mit Werbeexpertise sucht und einstellt. Einem Panel-Teilnehmer zufolge befasst sich das Unternehmen derzeit mit Targeting und Addressable Advertising, also der individuelle Ausspielung an jeden einzelnen Nutzer bzw. konkreten Empfänger.

Netflix braucht weitere Einnahmequellen

Laut Tara Walpert Levy, VP/Agency & Media Solutions von YouTube/Google, braucht Netflix weiter signifikantes Umsatzwachstum für die Expansion. Da sich diese nur bis zu einem gewissen Maß über Erhöhungen der Abo-Preise (MEEDIA berichtete) realisieren lässt, sei ein Werbe-Business eigentlich unausweichlich.

Kristin Lemkau, CMO von JP Morgan Chase, sagte, dass die Zuschauer offen für Werbung sein könnten, vorausgesetzt, die Optionen würden transparent kommuniziert und ein Mehrwert sei erkennbar. Ein Abo-Modell mit verschiedenen Stufen wäre dann eine mögliche Lösung sein: „Die Verbraucher wollen wählen können.“

Hulu macht’s vor

Joshua Lowcock, US Chief Digital/Innovation Officer bei der Medienagentur UM von Interpublic, merkte an, dass einige Anbieter bislang zwar Werbeeinblendungen ausgeschlossen hätten, aber eine Rückkehr zu einem werbegestützten Angebot immer wahrscheinlicher sei. „Netflix ist jetzt werbefrei. Ich kann mir keine Welt vorstellen, in der Netflix für immer werbefrei bleibt. Allein schon, wenn man sich die Kosten für die Contentproduktion ansieht. An dieser Stelle kommen adressierbare Werbung und neue Werbeformate ins Spiel.“

Einige Netflix-Rivalen, insbesondere Hulu, bieten Nutzern bereits die Wahl zwischen „mit“ oder „ohne Werbung“, mit teilweise 50 Prozent Nachlass für den werbegestützten Service. Ähnlich verfährt Amazon bei seinem Kindle-Angebot: Wer den preiswerten E-Reader kauft, bekommt auf dem Standby-Bildschirm Werbung für E-Books ausgespielt. Die werbefreie Version kostet indes mehr.

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