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Medien zur Kapitalismus-Kritik: “Kevin Kühnert funktioniert wie ein Spürhund. Er rettet nicht, aber er schlägt an”

Kevin Kühnert polarisiert mit steilen Thesen immer wieder – in der Gesellschaft, aber auch in der eigenen Partei
Kevin Kühnert polarisiert mit steilen Thesen immer wieder – in der Gesellschaft, aber auch in der eigenen Partei

Keiner hat vergangene Woche in Deutschland für so viel Wirbel gesorgt wie Juso-Chef Kevin Kühnert mit seiner Forderung nach Enteignung von Spekulanten und Konzernen. Zuletzt sorgten seine Thesen am Sonntagabend bei Anne Will für Emotionen. Darf ein Studienabbrecher die Grundsätze der Wirtschaftsordnung derart massiv in Frage stellen? Selbst die Medien scheinen von der Provokation überrumpelt. Kommentatoren schwanken zwischen Verachtung und Bewunderung. Kühnert, schreibt der Publizist Gabor Steingart sei "wie ein Spürhund im Erdbebengebiet. Er rettet nicht, aber er schlägt an".

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Gabor Steingart, Steingarts Morning Briefing: “Wo immer der Nachwuchspolitiker Kühnert derzeit auftaucht (…), räumt er ab. Für ihn rührten sich auf dem Marktplatz von Saarbrücken mehr Hände als für die drei Vertreter des SPD-Establishments. Die Parteiführung hat wenige Tage vor der Europawahl die geistige Führung der SPD verloren. (…) Natürlich muten Kühnerts Kollektivierungsphantasien vulgär an, aber die Hervorbringungen des real existierenden Kapitalismus sind oft nicht minder obszön. (…) Der versprochene ‘Wohlstand für alle’ erweist sich angesichts der globalen Wertschöpfungsketten für Millionen von Beschäftigten, auch in Deutschland, als Hochstapelei. So gesehen funktioniert Kevin Kühnert wie ein Spürhund im Erdbebengebiet. Er rettet nicht, aber er schlägt an.”

Hugo Müller-Vogg, Focus Online, über eine Republik nach Wunschbild des Juso-Chefs: “Kevin Kühnert, der geistige Vater des neuen Deutschlands, lehnt es grundsätzlich ab, dass ‘Leute Rendite erwirtschaften mit etwas, was andere zum Leben brauchen’. (…) Nunmehr wird in den Rot-Rot-Grün nahestehenden Think Tanks die Frage erörtert, ob nicht nur Vermieter, sondern auch andere Berufsgruppen Geld damit verdienen, dass sie die Grundbedürfnisse ihrer Mitmenschen befriedigen. So verdienen Bäcker und Metzger skrupellos am Hunger ihrer Mitmenschen, ebenso Landwirte, die über den Eigenbedarf hinaus produzieren. Ganz zu schweigen von den Ärzten, deren Einkommen und Vermögen umso höher sind, je schlechter es um die Volksgesundheit bestellt ist.”

Fritz Esser, Bild-Zeitung: “Kühnert ist nicht bloß der Posterboy der links-romantischen Partei-Jugend. Er spricht für viel mehr SPD-Genossen als die Partei-Minister zugeben wollen. 2018 hatte er bei seinem Kampf gegen die Neuauflage GroKo ein Drittel der Partei hinter sich. Enteignungen gehören weit über Berlin hinaus zum Standard-Thema an den SPD-Stammtischen.”

Stefan Stahl; Augsburger Allgemeine: “Das Leben ist vielen zu kompliziert geworden, um noch zu differenzieren. Menschen wie Kevin Kühnert scheinen nicht gewillt zu sein, lange im Fluss der Erkenntnis zu baden, um am Ende etwa klüger hinauszusteigen. Eine solch anstrengende Prozedur wirkt in Zeiten seichter Dauer-Googelei und manischer Smartphone-Zapperei vielen zu antiquiert, ja fast reaktionär.”

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Tobias Schmidt, Neue Osnabrücker Zeitung: “Das Heer der Niedriglöhner und Familien ohne Eigenheim sind die Verlierer des Wirtschaftsbooms der letzten Jahre. Kein Wunder, dass Union und FDP auf Kühnert eindreschen, weil der den Finger in die Wunden legt, für die sie selbst mitverantwortlich sind. (…) Natürlich sind Kühnerts Ideen eine Provokation. Natürlich hat der Sozialismus ausgedient. Aber ein deftiger Parteienstreit über die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft würde den Europawahlkampf spannender machen und dem Bürger mehr bringen als Hysterie auf der einen und Verzagtheit auf der anderen Seite.”

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