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“Wir bauen Brücken in eine Welt, die viele Männer interessiert”: Wie Ex-GQ-Chefredakteur José Redondo-Vega Focus Style ein neues Gewand verpasst

José Redondo-Vega hat “Focus Style” neu gestaltet
José Redondo-Vega hat "Focus Style" neu gestaltet © Petra Rühle/ Montage: MEEDIA

Das S-Magazin, Lifestyle-Supplement des Spiegel, bekommt Konkurrenz. Gefaltet in einem neuem Format liegt Focus Style am Samstag erstmals in optisch und inhaltlich neuer Aufmachung dem Focus bei. Im MEEDIA-Interview erklärt Redaktionsleiter José Redondo-Vega, wie er den „Style Guide des modernen Mannes“ stärker mit dem Hauptheft verbunden hat.

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José Redondo-Vega, Sie sind Redaktionsleiter von Focus Style, das als Supplement im neuen Gewand dem wöchentlich erscheinenden Focus beiliegt. Die Zeitschrift gilt als „Style-Guide für den modernen Mann“. In der ersten Ausgabe unter ihrer Ägide haben sie Ryan Reynolds auf das Cover gehoben. Verkörpert der US-Schauspieler den neuen Style-Typ des Heftes?
Ryan Reynolds ist die perfekte Projektionsfläche für den modernen Mann. Er hat einen souveränen Stil, ohne ein Model sein zu müssen. Dazu eine natürliche Selbstsicherheit, Humor und sehr viel Bodenhaftung. Man merkt, dass er in Hollywood schon deutlich schlechtere Tage erlebt hat. Das hat ihn reifer und erwachsener gemacht. Ein Überlebender, der sich mit seiner Rolle als Deadpool neu erfunden hat. Andere haben Lebensläufe, er hat eine Biografie. Genau richtig, um die Haltung von Focus Style zu verkörpern.

Was ist die Zielgruppe, die Focus Style ansprechen will?
Focus ist eine Marke, die mit ihrer Leserschaft breit aufgestellt ist. Wir wollen mit unserem Style-Supplement Brücken in eine Welt bauen, die viele Männer fasziniert, wo allerdings auch – vor allem in Deutschland – noch Berührungsängste existieren. Unser Angebot: Wir präsentieren dem Leser potenzielle Vorbilder, hochwertig inszeniert, mit denen er sich auseinandersetzen kann. Dazu Nutzwert in einer Lebenswelt, die attraktiv und luxuriös, aber dennoch erreichbar ist.

Gehören zur Zielgruppe mehr wohlhabende Bürger?
Die überwiegende Mehrheit der Focus-Leser verfügt in der Tat über ein überdurchschnittliches Haushalts-Nettoeinkommen. Doch  wir haben nicht nur das monatliche Einkommen der Leserschaft im Blick.

Sondern?
Focus Style ist ein klassisches Modemagazin. Hier soll sich der Mann mit seinem individuellen Stilempfinden wiederfinden. Dabei werden wir stets auf der Höhe der Zeit sein, ohne jedem Modetrend hinterherzulaufen. Unser Ansatz ist klassischer, reifer und zeitloser. Wir wollen Lesern eine Orientierungshilfe sein, um den persönlichen Stil zu finden und weiterzuentwickeln. Kann ich mich so kleiden? Entspricht dies meiner Rolle und meinem Selbstverständnis? Fragen, auf die wir Antworten geben.

Sie haben mit Ryan Reynolds einen amerikanischen Schauspieler auf den Titel gehoben. Sind auch deutsche Akteure möglich?
Es spricht nichts dagegen – wie in der Vergangenheit auch – deutsche Prominente auf den Titel zu nehmen.

Die Modestrecke entstand in einem ansprechenden Ambiente in Italien. Wollen Sie mit Focus Style mehr eine Art Lebensgefühl transportieren?
Ja, und das ganz bewusst. Wir haben die Modeaufnahmen etwa auf einem Landgut in der italienischen Weinregion Franciacorta aufgenommen – mit einem attraktiven Paar, dazu eine passende hochwertige Automarke. Ein klassisches Szenario, das sich viele Männer erträumen und das weit weg ist von der teilweise grenzwertigen Inszenierung üblicher Nischenmagazine in diesem Segment. Ein großer gemeinsamer Nenner, um Schwellenängste bei modeinteressierten Männern abzubauen.

Ist das alles?
Wir haben auch darauf geachtet, Elemente einzufügen, die den Markenkern von Focus transportieren und unterstreichen. Beispielsweise ein umfangreicher, nutzwertiger Sommer-Guide, mit Kultur-Events, Ausgeh- und Stil-Tipps für die wichtigste Zeit des Jahres.

Ob Kleidung oder Uhren – Sie präsentieren in Focus Style viele Tipps für das geeignete Outfit. Teil der ersten Ausgabe ist aber auch ein Interview mit dem Star-Designer Paul Smith. Sind Berichte über Einrichtung und Architektur Teil des Heftkonzepts?
Hintergrund für das Interview war, dass Paul Smith in Deutschland seinen dritten Shop eröffnet, diesmal in München. Doch Paul Smith, besser: Sir Paul Smith, ist mehr. Ein Mann, der mit Haltung, zäh, aber lässig und mit großem Understatement seinen Weg gegangen ist. Dies zeigt sich auch in seinen Shops. Sie sind englisch eingerichtet, stets originell, inspirierend, aber nie abgehoben. Kurz: Keine Geschäfte, die den klassischen Fluchtreflex bei Männern auslösen. Ob außen oder innen – Architektur und Mode harmonieren hier perfekt und transportieren den typischen Smith-Stil.

Finden sich im Heft auch andere Themen – beispielsweise die richtige Einrichtung für das perfekte Zuhause?
Die Klammer des Heftes wird immer Mode sein. Ob Architektur oder Interieur zu einer erweiterten Themenpalette gehören könnten, schließe ich nicht aus, hängt aber – wie alles andere auch – von der passenden Idee ab.

Der Spiegel hat sein Lifestyle-Magazin S geknickt dem Haupt-Spiegel beigelegt. Auch Focus Style erscheint in einem größeren Format. Ragt dies aus dem Heft heraus?
Auch wir haben uns für ein neues Format entschieden, das – ähnlich wie beim S-Magazin – gefaltet dem Hauptheft beiliegt. Mit diesem größeren Format wollen wir Lesern ein opulenteres Heft bieten, aber auch für Anzeigenkunden eine größere optische Plattform schaffen.

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Beim S-Magazin waren die Anzeigenkunden zunächst skeptisch, ob die Seiten gefalzt ankommen. Wie ist dies bei Ihnen?
Das S-Magazin mag anfangs möglicherweise auf Skepsis gestoßen sein, allerdings hat es dieses Format salonfähig gemacht. Es bietet graphisch schlichtweg mehr Gestaltungsoptionen, die Wirkung ist grösser. Und bei Anzeigen von Lifestyle-Kunden gilt außerdem: Je größer das Motiv ist, desto besser. So gewinnen alle Seiten.

Und wie ist die Erstausgabe bei den Anzeigenkunden angekommen?
Die Resonanz bei Werbekunden ist durchweg positiv. Focus Style gibt es zwar schon seit zwei Jahren, diese aktuelle Weiterentwicklung spricht allerdings auch Marken an, die in der Vergangenheit das Heft nicht wirklich im Blick hatten. Wir sind für die Zukunft optimistisch.

Bislang sind bei Lifestyle-Magazinen die Modestrecken relativ am Anfang. Sie setzen diese ans Ende. Ist dies gewollt, damit der Leser durch das Heft blättert?
Modestrecken sollten in einem Lifestyle-Heft – das ist meine Erfahrung – nie an den Anfang platziert werden. Zudem haben wir es bei Focus Style mit einer männlichen Leserschaft zu tun, die sich in ihrem Leserverhalten von Frauen deutlich unterscheidet. Männer wollen eine gute Mischung aus qualitativ hochwertigen Lesestücken und großen optischen Strecken. Abwechselnd, der Heftrhythmus muss dabei stimmen und ohne die übliche massive Anzeigenplatzierung im vorderen Teil. Das wird als störend empfunden.

Gibt es neue Rubriken?
Neu sind unter anderem der Stil- Fragebogen oder unser Essay. Außerdem neu: das Layout, die Schriften und das Cover-Design.  

Sie drucken auf hochwertigem Papier. Ist dies wichtig für das Heftkonzept?
Wir haben uns bewusst für ein hochwertiges Papier entschieden, um den Lesegenuss zu unterstreichen. Papier und Haptik sind hierfür entscheidende Faktoren.

Ist ein Digital-Ableger abwegig?
Alle Medienformen haben ihre Berechtigung, natürlich abhängig von der Nutzungssituation. Man muss dabei zwischen schnellem News-Konsum und profunder Auseinandersetzung mit hochwertigen Inhalten unterscheiden. Und das in einem bewusst gewählten Umfeld, ein oft privater Moment. Printprodukte sind dabei Medien, die Lesern wie Kunden ein sinnliches Erlebnis vermitteln. Digitale Ableger von Modemagazinen haben es deshalb sehr schwer. Ich denke, dass Focus Style als gedrucktes Medium seinen redaktionellen Ansprüchen am besten gerecht wird.

Ihr alter Arbeitgeber Conde Nast mit Titeln wie Vogue will seine Magazinmarken stärker digitalisieren. Ist das bei Modemagazinen der richtige Weg?
Das kann nur jeder Verlag für sich entscheiden, es gibt keinen Königsweg. Am Ende geht es bei Print-Marken immer noch um die bekannten publizistischen Faktoren: Qualität, Relevanz und Haltung. Das macht auch den wirtschaftlichen Erfolg aus.

Bei Focus Style beschränkt sich der Heftumfang auf 40 Seiten. Wird das Magazin irgendwann dicker?
Wir haben produktionsbedingt bei diesem Format einige Auflagen. Im Moment sind wir aber mit dem Seitenumfang sehr zufrieden.

Bislang soll Focus Style zweimal im Jahr erscheinen. Könnte sich die Frequenz mittelfristig erhöhen?
Generell ist das immer eine Option. Wir werden sehen…

Könnte Focus Style ein eigenständiger Ableger von Focus werden?
Ich finde die aktuelle Kombination mit dem Hauptheft ideal. Titel, die sich am Kiosk eigenständig beweisen müssen, haben es bekanntlich immer schwerer. Mit einer Druckauflage von über 400.000 Exemplaren verfügt Focus Style außerdem über eine opulente Reichweite. Darauf kann man aufbauen.

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